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Equal Pay Day & das gewerkschaftliche „Kerngeschäft“

Kommunistische Gewerkschaftsinitiative - International

Übernommen von KOMintern:

Statistisch gesehen arbeiten Frauen ab heute, 5. November, dem österreichischen Equal Pay Day 2026, bis Jahresende gratis. Das heißt, rein rechnerisch haben männliche Kollegen bis heute also durchschnittlich schon so viel verdient, wie weibliche Kolleginnen in Österreich aufgrund der geschlechtsspezifischen Lohnschere bis Ende des Jahres verdient haben werden. Rechnete man, wie zur Veranschaulichung des Equal Pay Days Usus, die vorrangig weibliche „Zwangs-“Teilzeit nicht heraus, fiele der EPD sogar bereits Ende August/Anfang September.

Erst wenn am Ende des Jahres alle – egal ob Mann oder Frau – im Schnitt gleich hohe Beträge am Jahres-Lohnzettel stehen haben, wäre der „Equal Pay Day“ der 31. Dezember. Die Schere zwischen den Löhnen und Gehältern von Frauen gegenüber Männern klafft demgegenüber jedoch ungebrochen massiv auseinander. In Lohn und Brot stehende Kolleginnen verdienen nach wie vor um 15,5% weniger als ihre männlichen Kollegen. Womit (ganzjährig vollzeitbeschäftigte) weibliche Werktätige über das Jahr im Durchschnitt um 10.542 Euro weniger verdienen. Über das Erwerbsleben gerechnet liegen die Einkommensscheren im Land bei exorbitanten rund einer halben Million Euro (den unmittelbar daraus folgenden Pensions-Gender-Gap miteinberechnet, sogar bei zuletzt sage und schreibe an die 800.000 Euro weniger an Einkommen). Trotzdem Frauen etwa bei den Bildungsabschlüssen nicht nur aufgeholt, sondern ihre männlichen Kollegen sogar bereits überflügelt haben.

In Kalendertagen ausgedrückt arbeiten Frauen in Österreich sonach ab heute im Schnitt 57 Tage, oder rund 2 Monate, gratis. Und in zahlreichen einzelnen Bundesländern ist die Lohndiskriminierung sogar noch höher. So fiel der Equal Pay Day in Vorarlberg mit einer Lohnschere von 21,7% bereits auf den 13. Oktober. Aber auch Oberösterreich (23. Oktober) oder Tirol (26. Oktober), bzw. auch Niederösterreich (4. November) sowie andere Bundesländer hatten aufgrund ihrer noch über dem gesamtösterreichischen Schnitt liegenden Lohn- und Gehaltskluft ihren Equal Pay Day, der sich in Österreich über die Bundesländer insgesamt heuer von 13. Oktober bis 23. November streckt, schon nochmals früher. Und für weibliche Beschäftigte mit Migrationshintergrund klafft die Lohnschere noch ein gutes Stück weiter auseinander.

Entsprechend harsch pointiert Birgit Schön, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik der AK Niederösterreich erklärt: „Bereits seit 1979 verbietet das Gleichbehandlungsgesetz in Österreich ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern bei gleicher Arbeit grundsätzlich und dennoch existiert diese auch noch heute fast ein halbes Jahrhundert später!“

Darüber hinaus ist mit dem „Momentum Institut“ zudem festzuhalten: „Nur die Löhne von vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern miteinander zu vergleichen, greift zu kurz. Nur etwa die Hälfte der Frauen in Österreich arbeitet in Vollzeit. Zieht man Teilzeitbeschäftigte hinzu liegt der Gender-Pay-Gap bei aktuell 34 Prozent – sprich Frauen bekommen etwa ein Drittel weniger gezahlt als Männer.“

Dieses tiefe Lohngefälle hat, zumal unter der seit Jahren in neuer Dimension drückenden Teuerung, aber nicht nur massive bis drastische akute Armutswirkungen, wie Niedriglöhnerei, Armutsgefährdung und ein regelrechtes Abrutschen in Armut trotz Arbeit, sondern befördert auch von Neuem manifeste materielle Abhängigkeiten der Frauen von Männern und zeichnet vielen Kolleginnen schnurstracks den Weg in die Altersarmut vor.

Umso mehr gälte es denn auch, diesem Skandal in der aktuellen KV-Runde des Handels – nach dazu drei Abschlüssen unter der rollierenden Inflation und damit einhergehendem Reallohnverlust – und anderen sogenannten vorwiegenden „Frauenbranchen“) konsequent und kämpferisch entgegenzusteuern.

Zumal über den eklatanten Gender Pay Gap in jenen sogenannten „Frauenbranchen“ hinaus, heute rund 50% aller weiblichen Beschäftigten teilzeitbeschäftigt sind – bei Müttern mit Kindern unter 15 Jahren sogar rund 75%. Aber auch Teilzeitbeschäftigte zahlen ganze Energierechnungen, Einkäufe und Mieten und trifft die volle Inflation. Zusätzlich braucht es mit dem Ziel einer „kurzen Vollzeit“ für alle einer Anhebung der Einkommen für Teilzeitlerinnen per genereller gesellschaftlicher Arbeitszeitverkürzung.

Quelle: KOMintern

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