Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Dass die Regierung auf einmal eine Aggression der USA gegen ein anderes Land nicht unterstützt, was Seltenheit hat, macht es Statistikern einfacher, die Gründe für den derzeitigen Energiepreisschock zu benennen.
Es sei, so schreibt der Statec, »der Konflikt zwischen den USA und dem Iran«, der weltweit für Turbulenzen bei den Energiepreisen sorgt. Gemeint ist der Angriffskrieg der USA und Israels, der dazu geführt hat, dass die Meeresenge von Hormus, durch welche zuvor rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssigerdgaslieferungen transportiert wurden, seit 20 Monaten praktisch geschlossen bleibt, was es den westlichen Energiekonzernen ganz nebenbei erlaubt, Milliarden Extra-Profite zu kassieren.
Preisexplosionen bei Erdöl und insbesondere bei Erdgas hatte es auch gegeben, als Russland im Februar 2022 in die Ukraine einmarschierte, nachdem das Putschisten-Regime in Kiew zuvor die Bevölkerung im Donbass mit Strafexpeditionen faschistischer Milizen und Truppenteile regelrecht terrorisiert hatte.
Der »Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine« habe zu einem Preisschock geführt, hatte es damals geheißen, wobei allerdings bis heute gerne unterschlagen wird, dass lange vor Februar 2022 die EU-Staaten, die nach der Pfeife der USA tanzten, beschlossen hatten, kein billiges russisches Pipeline-Öl mehr zu kaufen, womit in den Ländern der EU Energieknappheit und massive Preiserhöhungen provoziert wurden.
Die USA verhinderten aus wirtschaftlichen und politischen Gründen die Inbetriebnahme der Pipeline Nordstream 2 unter dem Applaus der EU-Staaten, bevor ein ukrainisches Kommando die zwei Nordstream-Pipelines auf dem Meeresboden sprengte.
Die Folgen dieser provozierten Energiekrise trugen damals in erster Linie die Schaffenden und Rentner in den Ländern der EU. Mit dem Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran wiederholte sich dieses Szenario.
Hierzulande hat das dazu geführt, dass die Energiepreise einen Riesensprung nach oben machten. Benzin ist heute 25 Prozent teurer als vor einem Jahr, bei Diesel sind es 45 Prozent und bei Heizöl sogar 65 Prozent!
Ohne staatliche Beihilfen für Benzin, Diesel, Gas, Heizöl und Strom, die teilweise nur wegen der Beharrlichkeit des OGBL bis Ende 2027 verlängert wurden, sei die Lage noch schlimmer, sagt man uns. Das stimmt wohl, hat aber auch zur Folge, dass die Schaffenden und Rentner wegen einer zweiten Indextranche, die 2027 nicht erfallen wird, noch länger als üblich auf den im Indexgesetz festgeschriebenen Ausgleich für die Preisexplosionen warten müssen, während das Patronat Hunderte von Millionen Euro an Lohngeldern einsparen wird.
Ganz abgesehen davon, dass erstens die staatlichen Beihilfen mehrheitlich aus dem Steueraufkommen der Schaffenden und Rentner bezahlt werden, statt dass dazu die Extraprofite der Erdölkonzerne konfisziert würden, und zweitens, dass mit dem Ende der Beihilfen zum 31. Dezember 2027 die Inflation erneut stark ansteigen und die Kaufkraft zusätzlich beeinträchtigen wird.
Für die Schaffenden sollten die bescheidenen Energiebeihilfen kein Grund sein, die Hände in den Schoß zu legen. Denn sie gehören nicht zu den Gewinnern dieser Energiekrise, und riskieren in der heraufziehenden kapitalistischen Krisenkaskade die Verlierer zu werden, wenn sie ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen nicht konsequent verteidigen.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

