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Molkerei EKABE nationalisieren und in Genossenschaft umwandeln!

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:

Die Kommunistische Partei Luxemburgs (KPL) stellt fest, dass die angekündigte Entscheidung der Molkerei EKABE, die Verträge mit den luxemburgischen Milchbauern nicht zu verlängern, eine ernste Gefahr für die heimische Landwirtschaft, für die Arbeitsplätze im Molkereiwerk in Eschweiler und für die Lebensmittelproduktion in Luxemburg darstellt.

Wenn ab 2027 voraussichtlich keine luxemburgische Milch mehr in den EKABE-Produkten verarbeitet wird, dann handelt es sich nicht um eine bedauerliche Randerscheinung, sondern um eine Entwicklung von grundsätzlicher Bedeutung. Sie zeigt, wohin es führt, wenn zentrale Bereiche der Lebensmittelproduktion den Entscheidungen privater Konzerne überlassen werden, deren Ziel nicht die Versorgung der Bevölkerung, nicht die Sicherung bäuerlicher Betriebe und nicht der Erhalt industrieller Arbeitsplätze ist, sondern in erster Linie die Steigerung der Profitrate.

EKABE gehört zum Lactalis-Konzern, einem der größten Molkereikonzerne der Welt, der sich im Besitz beziehungsweise unter der Kontrolle der französischen Kapitalistenfamilie Besnier befindet. Es handelt sich also nicht um einen Betrieb, der aus wirtschaftlicher Not heraus keine andere Wahl hätte, sondern um die Entscheidung eines internationalen Konzerns, der seine Rohstoffbeschaffung nach den Maßstäben der Rentabilität und des maximalen Profits organisiert. Kleinere und mittlere Bauernbetriebe mit einem überschaubaren Viehbestand werden dabei offenbar zunehmend als zu kostenintensiv betrachtet. Die logische Folge dieser Konzernstrategie besteht darin, die Milch in Zukunft dort einzukaufen, wo sie billiger zu haben ist, und sie bevorzugt aus größeren, stärker industrialisierten Betrieben zu beziehen. Damit wird auch sichtbar, dass die oft beschworene Nähe zur regionalen Produktion unter kapitalistischen Bedingungen nur so lange gilt, wie sie sich unmittelbar rechnet. Das ist das Ergebnis einer Wirtschaftsordnung, in der wenige große Konzerne über Produktion, Preise, Absatzwege und letztlich über die Zukunft ganzer Berufsgruppen entscheiden können.

Besonders schwer wiegt, dass den betroffenen Bauern damit jede Planungssicherheit genommen wird. Wer Milch produziert, kann seine Tätigkeit nicht von heute auf morgen umstellen. Betriebe, Investitionen, Kredite, Futterflächen, Viehbestand und Arbeitsorganisation müssen auf Jahre hinaus geplant werden. Wenn für 2027 nicht rasch eine gesicherte Lösung geschaffen wird, geraten zahlreiche bäuerliche Existenzen in Gefahr zu verschwinden. Zugleich ist die Zukunft des Molkereiwerks in Eschweiler keineswegs dauerhaft gesichert. Auch wenn eine unmittelbare Schließung derzeit nicht angekündigt ist, liegt die Befürchtung nahe, dass ein Werk, das seine Verbindung zur luxemburgischen Milchproduktion verliert, mittelfristig leichter infrage gestellt werden kann. Damit stehen nicht nur Bauernbetriebe, sondern auch industrielle Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Die Reaktionen der Regierung bleiben bisher weit hinter dem zurück, was die Lage erfordert. Es genügt nicht, von einer »dramatischen Situation« zu sprechen oder auf die Schwierigkeit hinzuweisen, ein Nachfolgeunternehmen zu finden. Gerade darin zeigt sich das Problem: In der Vorstellungskraft der Ministerin und der Verantwortlichen des Sektors scheint erneut nur eine Lösung innerhalb der bisherigen kapitalistischen Logik zu existieren. Doch genau diese Logik hat die jetzige Krise hervorgebracht und wird den Bauern keine verlässliche Planungssicherheit garantieren.

Die KPL fordert daher, dass die Regierung unverzüglich eine Nationalisierungsprozedur einleitet, die ausdrücklich auch das Molkereiwerk in Eschweiler umfasst. Die Sicherung der Milchabnahme, der Arbeitsplätze und der nationalen Lebensmittelproduktion darf nicht länger vom Kalkül eines internationalen Konzerns abhängen. Die Bauern müssen noch vor 2027 wissen, wohin sie ihre Milch liefern können, und die Beschäftigten des Werks müssen wissen, dass ihre Arbeitsplätze nicht der nächsten Rationalisierungsentscheidung eines Großkonzerns geopfert werden.

Nach der Nationalisierung muss die EKABE geordnet in eine zweite nationale Molkereigenossenschaft umgewandelt werden. Eine solche Genossenschaft würde nicht nur die Abnahme luxemburgischer Milch sichern, sondern den Bauern auch eine demokratischere Stellung in der wirtschaftlichen Organisation der Produktion geben. Statt als abhängige Lieferanten einem Konzern gegenüberzustehen, könnten sie selbst an den grundlegenden Entscheidungen über Sammlung, Verarbeitung, Investitionen und Produktentwicklung beteiligt werden.

Mit staatlicher Unterstützung könnte eine solche Kooperative die notwendigen Investitionen vornehmen, um das Werk zu modernisieren und die Produktpalette zu erweitern. Damit ließen sich nicht nur bestehende Produktionslinien erhalten, sondern neue Entwicklungsmöglichkeiten schaffen. Solche Lösungen sind auch unter den Bedingungen des Kapitalismus möglich, wie Beispiele aus den Nachbarländern zeigen. Was fehlt, ist nicht die Möglichkeit, sondern der politische Wille, die Interessen der Bauern, der Beschäftigten und der Bevölkerung über die Interessen eines Großkonzerns zu stellen.

Die Regierung muss jetzt handeln und darf nicht weiter auf eine zufällige kapitalistische Ersatzlösung hoffen. Eine wirkliche souveräne Wirtschaftspolitik besteht nicht aus schönen Worten, sondern aus konkreten Eingriffen, wenn die Profitlogik des Kapitals Arbeitsplätze, bäuerliche Existenzen, regionale Wertschöpfung und die Ernährungssicherheit des Landes bedroht. Die Lebensmittelproduktion gehört zu den strategischen Bereichen Luxemburgs und darf nicht davon abhängen, ob eine der reichsten Kapitalistenfamilien Frankreichs hierzulande noch genügend Profit erwartet.

Mitgeteilt von der KPL

Esch/Alzette, den 29. Mai 2026

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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