Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Der schon viereinhalb Jahre nach der Gründung des Internationalen Staatenbundes eingerichteten Agentur der UNO für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) droht nach bald acht Jahrzehnten das Aus. Trotz schmerzhafter Mittelkürzungen für absolut notwendige Projekte klaffe eine Finanzierungslücke in Höhe von 100 Millionen US-Dollar, klagte bereits Ende Juni UNO-Generalsekretär António Guterres auf einer Geberkonferenz am Sitz der UNO in New York. Schon im vergangenen Jahr sei der Finanzbedarf der UNRWA nur zu 27 Prozent gedeckt gewesen.
Auch der von der UNO als kommissarischer Leiter ihrer UNRWA eingesetzte Christian Saunders appellierte am Donnerstag während seines Besuchs bei Außenminister Xavier Bettel eindringlich, die gewaltige Lücke müsse schnell geschlossen werden, damit UNRWA ihren von der UNO übertragenen Verpflichtungen für fast sechs Millionen Menschen weiter nachkommen könne.
Als die Agentur am 8. Dezember 1949 von der Generalversammlung der UNO in New York ins Leben gerufen wurde, übertrug man ihr die Aufgabe, den rund 700.000 vom noch jungen Staat Israel mit Krieg aus ihrer Heimat vertriebenen Palästinensern – sowie ihren Nachkommen – zu helfen. Nach dem 5. Juni 1967 erhielten auch jene Palästinenser Anspruch auf ihre Dienste, die ihre Heimat verlassen mußten, weil Israel Restpalästina, Ägyptens Sinaihalbinsel sowie die zu Syrien gehörenden Golanhöhen besetzt hat.
Daß der UNRWA das baldige Aus droht, hat dem UNO-Generalsekretär zufolge maßgeblich mit den »anhaltenden Bemühungen« zu tun, »die UNRWA an den Rand zu drängen und zu unterminieren – durch Desinformation, Verleumdungskampagnen, Gesetze, operative Einschränkungen, diplomatische Blockaden und vieles mehr.«
Damit dürfte gemeint sein, daß die UNRWA seit Oktober 2023 im völkermörderischen Krieg Israels gegen den palästinensischen Gazastreifen 392 eigene Mitarbeiter und fast alle ihrer Gebäude verloren hat. Im Oktober 2024 dann hat das israelische Parlament die UNRWA per Gesetz aus »israelischem Gebiet« – womit auch der Westbank genannte Teil Palästinas gemeint ist! – verbannt und zur »Terrororganisation« erklärt. Schon seit Januar vergangenen Jahres wird den Mitarbeitern der UNO-Agentur der Zugang nach Gaza verwehrt.
Hinzu kommt, was António Guterres ganz richtig »Desinformation« und »Verleumdungskampagnen« genannt hat: Tel Aviv behauptet, die UNRWA sei von der Hamas »unterwandert« und zwölf ihrer Mitarbeiter seien sogar an deren Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 beteiligt gewesen. Daraufhin wurde eine interne Untersuchung durchgeführt und einige Mitarbeiter wurden entlassen.
Doch bei den wichtigsten Geldgebern des UNRWA verfingen Israels Lügen, obwohl mehrere unabhängige Untersuchungen zu dem Schluß kamen, daß der Agentur nichts vorzuwerfen ist: Die USA stellten mit dem Regierungsantritt Donald Trumps im Januar 2025 sämtliche Zahlungen ein, weitere westliche Staaten reduzierten sie drastisch.
Daß Luxemburg nicht dazugehört, ist der Regierung hoch anzurechnen.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

