Start / Europa / Luxemburg / ZLV / Als die Resistenz in Rümelingen den Nazis die Stirn bot

Als die Resistenz in Rümelingen den Nazis die Stirn bot

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:g

Im April dieses Jahres wurde in Rümelingen der »Resistenz-Wee« eröffnet, der an die Zeit der Besatzung durch das faschistische Deutschland in den Jahren 1940 bis 1944 erinnert. Auf dem 4,7 Kilometer langen Rundgang durch die Stadt gibt es 12 Tafeln, auf denen erinnert wird an die verschiedenen Aspekte der lokalen Resistenz gegen die Nazis, an die Männer und Frauen, die in den Widerstandsorganisationen aktiv waren, an die Zwangsrekrutierung in die Wehrmacht, die Refraktäre und Deserteure, die Fluchthelfer, die Repression durch die Besatzer und die Kollaboration mit den Nazis.

Die Ausstellung, in der Kopien der auf dem »Resistenz-Wee« angebrachten 15 Tafeln zu sehen ist, ist inzwischen geschlossen, aber dank des Entgegenkommens der Rümelinger Gemeindeverwaltung wurde sie auf Anfrage der KPL am 22. August 2026 noch einmal für mehrere Stunden geöffnet. Durch die Ausstellung führte der Rümelinger KPL-Gemeinderat Edes Peiffer, dem der KPL-Präsident mit Ergänzungen zur Geschichte der Resistenz zur Seite stand. Edes Peiffer hatte bereits vor Jahren die vorgeschlagen, in Rümelingen einen »Resistenz-Wee« zu schaffen.

Die Informationen und Fotos, die auf den 12 Tafeln zu finden sind, werden dazu beitragen, dass die Zeit der Resistenz gegen die faschistischen Besatzer, dank dieser Initiative der Rümelinger Gemeinde, die eng mit dem nationalen Resistenzmuseum zusammenarbeitete, nicht aus dem kollektiven Gedächtnis verschwindet.

Die Ausstellung wie auch die Schautafeln auf dem »Resistenz-Wee« geben die Ereignisse von 1940 bis 1944 nicht chronologisch wieder, was deren Einordnung nicht erleichtert.

Schautafel Nummer 1 etwa handelt vom »Bunker Eisekaul« in Rümelingen, einer von 85 Bunkern im Land. Im Bunker Eisekaul«, waren 25 Refraktäre und Deserteure zwischen dem 28. April und dem 20. August 1944 versteckt, wo sie von der Rümelinger Resistenz mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und anderem versorgt wurden. Die Zwangsrekrutierung von Luxemburger Jugendlichen in die Wehrmacht, die von den Nazis am 30. August 1942 dekretiert wurde, findet man hingegen erst auf Schautafel Nummer 8.

Schautafel Nummer 3 ist den zwei Rümelinger Gemeinderäten Nik. Bausch und Hubert Glesener gewidmet, die, der eine Kommunist, der andere Christlich-Sozialer, von den Nazis ermordet wurden, weil sie aktiv Resistenz leisteten. Aber erst auf Schautafel 4 geht es dann um die Resistenzorganisationen, die den Nazis in Rümelingen die Stirn boten, ohne dass allerdings die Kommunistische Partei Luxemburgs genannt wird, die sich als einzige politische Partei geweigert hatte, dem Auslösungsbefehl der Nazis und in den Untergrund ging.

Besondere Erwähnung verdient Schautafel Nummer 5, die von der Geheimdruckerei der von Edouard Heyardt, Hubert Glesener und Pierre Fonck (KPL und LFB) gegründeten Resistenzorganisation »Letzeburger Freihétsbewegong (LFB) handelt. In einer leeren Grabkammer auf dem Rümelinger Friedhof wurden bis Ende der Besatzung rund 100.000 Flugblätter des LFB gedruckt.

Ergänzend kann man hinzufügen, dass die ersten Flugblätter des LFB auf einem von den Kommunisten Emile Peiffer und Pierre Decker gebauten Vervielfältigungsapparat herstellt wurden, der auch dazu diente, die lokalen Flugblätter der KPL herzustellen.

Die Resistenz begann nicht erst 1940

Zu bedauern ist, dass der »Resistenz-Wee« sich auf die Zeit zwischen 1940 und 1944 beschränkt, so als habe der Widerstand gegen die Faschisten erst nach dem 10. Mai 1940 angefangen, was aber nicht der Fall ist.

Erinnert sei hier unter anderem an eine von mehreren Protestmanifestation in Rümelingen, mit der am 2. März 1935 mehrere hundert Rümelinger Einwohner gegen eine Nazi-Versammlung in ihrem Heimatort protestierten, die allerdings damit endete, dass mehrere Redner der Sozialistischen Arbeiterjugend und der KPL von den Luxemburger Behörden protokolliert wurden. Diese antifaschistischen Ereignisse wären ganz gewiss eine 13. Schautafel wert.

Das gilt auch für die Rümelinger Männer, die zwischen 1936 und 1937 in den Internationalen Brigaden in Spanien die Republik mit der Waffe in der Hand gegen die faschistischen Putschisten verteidigten, die von Hitlerdeutschland unterstützt wurden.

Zu den 102 Resistenzlern der ersten Stunde aus Luxemburg – mehrheitlich luxemburgische und italienische Kommunisten, aber auch Antifaschisten, Sozialisten und Anarchisten – gehörten auch die Rümelinger Léon Borini (gefallen in Spanien), Rinaldo Briscolini (im KZ von den Nazis ermordet), Roland Frenguelotti, Pierre Goetz, Giuseppe Montanari, Nicolas Neiser, Angelo Tazzari, Augusto Turci (in Spanien gefallen), Jos Ulmerich und Vittore Vergari.

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf alle Schautafeln und Aspekten der Resistenz in Rümelingen einzugehen, daher der Vorschlag an alle, die sich für das Thema interessieren, sich selbst auf den von der Rümelinger Gemeinde geschaffenen »Resistenz-Wee« zu begeben. Es lohnt sich!

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Markiert: