Übernommen von Unsere Zeit:

Diese beiden Runden waren wie eine in zwei Teilen: Fast voll war der große Münzenbergsaal bei der Diskussion mit Miguel Torres Tesoro, Stellvertretender Botschafter der Republik Kuba in Deutschland, und Naser El-Mokdad, ein in Deutschland lebender Palästina-Aktivist, zum Thema „Antiimperialismus und der Kampf gegen den Neokolonialismus heute“. Selbst die Fensterbänke und sämtliche Stehplätze waren vollständig besetzt während der anschließenden Veranstaltung mit dem Thema „BRICS und die ‚multipolare Weltordnung‘ – die Sicht aus China und Brasilien“ mit Ana Prestes, Internationale Sekretärin der KP Brasiliens, und Sun Shouliang, Gesandter-Botschaftsrat der Volksrepublik China. In wechselnden Rollen mal als Referentin, mal als Moderation, mal dolmetschend auf dem Podium mit dabei: Renate Koppe, Matthew Read und Franziska von der Internationalen Kommission der DKP.
Dieses Fest der internationalen Solidarität begann mit Reads Hinweis darauf, wie dieses Jahr begann – mit der Entführung eines Staatsoberhauptes durch die USA – und wie es sich fortsetzte: mit anhaltendem Völkermord in Gaza, mit einer Totalblockade Kubas, mit dem Überfall auf den Iran, mit der Erklärung der ganzen „westlichen Hemisphäre“ zum unantastbaren Herrschaftsgebiet der USA. Dieser Anspruch, sicherte Miguel Tesoro zu, werde sich nicht durchsetzen lassen – sowohl das Weiße Haus als auch das Pentagon wüssten: Kuba ist nicht Venezuela, es werde sich weder beugen noch erpressen lassen. El-Mokdad pflichtete ihm bei: Der Krieg gegen den Iran habe bereits nach einem halben Jahr gezeigt, dass die Bäume Washingtons nicht in den Himmel wüchsen. Unabhängig von der Beurteilung der inneren Lage Irans sei dieses Land gegenwärtig, ohne es gewollt zu haben, die Speerspitze des Widerstands gegen den US-Imperialismus, und verdiene die Solidarität aller Linken.
BRICS und Kuba waren die Stichworte, die beide Runden umklammerten. In der ersten wies der Vertreter der kubanischen Botschaft nach eine kritischen Frage aus dem Publikum, wo die Hilfe der BRICS-Staaten für die bedrohte Insel bliebe, darauf hin, dass China durch die Lieferung von Solarpaneelen enorm geholfen habe, und es Russland als einziges Land gewagt habe, die US-Blockade zu durchbrechen und auf dem Seeweg Öl nach Havanna zu bringen. Kuba durchzog auch die zweite Runde, und die Solidaritätsbekundungen aus Brasilien und China führten jedes Mal zu Beifallsstürmen im Münzenbergsaal.
Bei allem Ernst der Lage prägte eine optimistische Stimmung und sogar eine Art Spaß am Kampf gegen die Absteiger der Weltgeschichte diese knapp drei Stunden der Solidarität. Als der Genosse aus China, der ja auch Diplomat ist, erklärte, China haben die ganzen Völkerrechtsverletzungen dieses Jahres, die Entführungen, Morde und Luftangriffe, umgehend öffentlich verurteilt, und „andere Staaten“ könnten das doch auch tun. Zwischenruf aus dem Publikum „Deutschland!“ Da lachte der Botschaftsrat, und das Plenum lachte mit. Der Optimismus, den diese drei Stunden ausstrahlten, hat mit dem Kürzel BRICS zu tun. Vor allem Ana Prestes gelang es, die bei dem übrigens recht jugendlichen Publikum spürbare Skepsis gegenüber diesem Zusammenschluss aufzugreifen und sehr fundiert die Bedeutung dieser Organisation aufzuzeigen: „BRICS ist nicht automatisch gerecht, aber das Bündnis ist eine historische Möglichkeit, ein Kampffeld für die weitere Entwicklung der Welt.“ Sie ergänzte das mit dem Hinweis, es wolle eben weder ein zweites Militärbündnis werden, noch sonst nach Hegemonie streben wie die USA, NATO oder EU. Sun Shouliang bekräftigte das und verwies auf die enorme Dynamik dieser inzwischen die Hälfte der Weltbevölkerung umfassenden Organisation im Vergleich zur nachlassenden Kraft der G-7-Staaten.
Die historischen Zuversicht in stürmischen Zeiten entlud sich am Schluss in stehendem Applaus, Hochrufen auf die internationale Solidarität – und strahlenden Gesichtern bei den beiden kommunistischen Gästen aus dem großen Brasilien und dem großen China.
Quelle: Unsere Zeit

