Übernommen von Pro Asyl:
Die Stiftung PRO ASYL verleiht am 12. September ihren Menschenrechtspreis an Pırıl Erçoban und Taner Kılıç aus der Türkei sowie an Giorgos Tsarbopoulos aus Griechenland. Die drei Preisträger*innen stehen für eine menschenrechtliche Praxis, die Schutzsuchende konkret unterstützt, Menschenrechtsverletzungen öffentlich benennt und rechtsstaatliche Garantien verteidigt – gerade dort, wo sie besonders stark unter Druck stehen: an den Außengrenzen Europas, in Abschiebehaft, vor Behörden und Gerichten.
(Hinweis zur Pressekonferenz und Anmeldung siehe weiter unten)
„Pırıl Erçoban, Taner Kılıç und Giorgos Tsarbopoulos zeigen, was Flüchtlingsschutz im Alltag bedeutet: Menschen nicht allein zu lassen und Rechtsverletzungen sichtbar zu machen. Ihr Einsatz ist unbequem, beharrlich und oft mit persönlichen Risiken verbunden. Gerade in einer Zeit, in der Europa den Zugang zu Schutz weiter erschwert und die Verantwortung an Drittstaaten auslagert, brauchen wir diese Stimmen“, sagt Halima Gutale, Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung PRO ASYL.
Drei Formen beharrlicher Menschenrechtsarbeit
Giorgos Tsarbopoulos leitete von 2006 bis Ende 2015 die UNHCR-Vertretung in Griechenland. Er prägte sie als unabhängige menschenrechtliche Stimme: präsent an den Außengrenzen, eng verbunden mit Flüchtlingen und Zivilgesellschaft und bereit, staatlichen Rechtsverletzungen öffentlich zu widersprechen. Tsarbopoulos prangerte menschenunwürdige Haftbedingungen und Pushbacks an, dokumentierte das Verschwinden von Schutzsuchenden am Evros und setzte sich nach dem tödlichen Schiffsunglück vor Farmakonisi 2014 dafür ein, die Aussagen der Überlebenden unverzüglich zu sichern und den Vorfall unabhängig zu untersuchen. Sein Grundsatz war klar: UNHCR muss dort präsent sein, wo Menschenrechte verletzt werden, den Betroffenen Gehör verschaffen und öffentlich sprechen, wenn Unrecht vertuscht wird.
Pırıl Erçoban wird für ihr herausragendes zivilgesellschaftliches Engagement für die Rechte von Geflüchteten in der Türkei ausgezeichnet. Als Koordinatorin von Mülteci-Der in Izmir beriet und begleitete sie Schutzsuchende, dokumentierte Rechtsverletzungen und machte Missstände bei Inhaftierungen und Abschiebungen öffentlich. Früh warnte sie vor der europäischen Politik, die Verantwortung für den Flüchtlingsschutz an die Türkei auszulagern. Seit mehr als zwei Jahrzehnten verbindet sie praktische Solidarität und große Nähe zu den Betroffenen mit menschenrechtlicher Klarheit. Auch unter wachsendem politischem Druck bleibt Erçoban eine mutige, beharrliche und international vernetzte Stimme für die Rechte von Geflüchteten.
Taner Kılıç erhält den Preis für seine jahrzehntelange anwaltliche und menschenrechtliche Arbeit. Der Rechtsanwalt aus Izmir gehört zu den Mitbegründern der türkischen Sektion von Amnesty International und von Mülteci-Der. Weil er Menschenrechte verteidigte, geriet er selbst ins Visier der türkischen Justiz: 2017 wurde er festgenommen, mehr als 14 Monate in Untersuchungshaft gehalten und 2020 ohne glaubwürdige Beweise zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte stellte fest, dass Kılıç rechtswidrig und willkürlich inhaftiert war und seine Rechte auf Freiheit und Sicherheit sowie auf Meinungsfreiheit verletzt wurden. Erst im Februar 2025 endete das fast achtjährige Verfahren mit seinem endgültigen Freispruch.
In den nächsten Tagen werden Interviews mit den Preisträger*innen hier veröffentlicht.
Europa verschärft die Krise des Flüchtlingsschutzes
Mit der Auszeichnung richtet die Stiftung PRO ASYL den Blick auf die systematischen Rechtsverletzungen an Europas Grenzen. Griechenland steht seit Jahren für rechtswidrige Zurückweisungen, Gewalt an den Grenzen, unzureichenden Zugang zu Asyl und die mangelnde Aufklärung tödlicher Vorfälle. In der Türkei geraten Geflüchtete und diejenigen, die ihre Rechte verteidigen, unter wachsenden politischen und gesellschaftlichen Druck.
Statt diese Entwicklungen zu korrigieren, hat die Europäische Union die Türkei mit dem EU-Türkei-Deal zum zentralen Türsteher ihrer Abschottungspolitik gemacht. Das seit Juni 2026 anzuwendende Gemeinsame Europäische Asylsystem setzt diese Logik fort: mehr Grenzverfahren, mehr Freiheitsbeschränkungen bis hin zu Haft, ausgeweitete Konzepte sogenannter sicherer Drittstaaten und noch stärkere Anreize, Schutzverantwortung auszulagern.
„Der Menschenrechtspreis ist deshalb mehr als eine Würdigung. Er ist ein politisches Signal: Menschenrechte gelten nicht nur im Inneren Europas. Sie gelten an den Grenzen, auf dem Meer, in Haftzentren und in jedem einzelnen Asylverfahren. Wer sie dort verteidigt, verteidigt den Rechtsstaat insgesamt“, so Gutale.
Preisverleihung und Pressekonferenz
Die öffentliche Preisverleihung findet am Samstag, 12. September 2026, von 14 bis 16 Uhr im Haus am Dom, Domplatz 3, Frankfurt am Main, statt. Die Laudatio auf die drei Preisträger*innen hält Can Gülcü, Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung. Medienvertreter*innen sind zu der Präsenzveranstaltung herzlich eingeladen (eine Anmeldung unter presse@proasyl.de ist erwünscht, aber nicht erforderlich).
Bereits am Freitag, 11. September 2026, um 10 Uhr findet mit den drei Preisträger*innen im Haus am Dom eine Pressekonferenz statt. Eine Online-Teilnahme ist möglich. Bitte melden Sie sich bis Donnerstag, 10. September 2026, 12 Uhr, unter presse@proasyl.de mit der Information, ob Sie vor Ort oder online teilnehmen möchten, an.
Der Menschenrechtspreis der Stiftung PRO ASYL
Die Stiftung PRO ASYL verleiht den Menschenrechtspreis seit 2006 jährlich an Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise für die Achtung der Menschenrechte und den Schutz von Flüchtlingen in Deutschland und Europa einsetzen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Preisträger*innen erhalten zudem eine Skulptur des Künstlers Ariel Auslender, Professor an der Technischen Universität Darmstadt.
Weitere Informationen zu den bisherigen Preisträger*innen: siehe hier im Abschnitt “Der Menschenrechtspreis der Stiftung PRO ASYL”.
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Quelle: Pro Asyl

