Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Die Ankündigung der USA-Fluggesellschaft United Airlines, zu deren Besitzern der weltgrößte börsennotierte Vermögensverwalter BlackRock gehört, ab dem 2. April 2027 täglich Luxemburg mit New York mit einem Direktflug zu verbinden, löste in gewissen Kreisen eine regelrechte Euphorie aus, so als sei Luxemburg von der Welt abgeschnitten, da es eine solche Flugverbindung bisher nicht gibt.
USA-Botschafterin Stacey Feinberg, die sich noch vor ihrem Amtsantritt in die Luxemburger Außenpolitik eingemischt hatte und dafür von Außenminister Bettel zurechtgewiesen musste, und die Aktieninhaberin bei der Investitionsgesellschaft SpaceX von Elon Musk ist, will sich seit ihrer Ankunft in Luxemburg »nachdrücklich« für eine solche Flugverbindung eingesetzt haben.
Vordergründig heißt es, ab 2027 könnten wohlhabende Touristen aus Luxemburg und der Großregion endlich wieder bequem und ohne Zwischenstopp in Frankfurt oder Paris eine Einkaufstour nach New York planen, doch eigentlich geht es um knallharte wirtschaftliche Interessen der USA und deren Banker, Fondsmanager, Vermögensverwalter und Konzernchefs, die dem immanenten kapitalistischen Zwang zu stetigem Wachstum und zur Profitmaximierung ausgesetzt sind und daher möglichst schnell und unkompliziert zwischen ihren Besitztümern in den USA und im Herzen Europas hin- und herreisen möchten.
Die Flugverbindung ab dem Findel nach New York ist daher auch Wasser auf die Mühlen der Logistikkonzerne, Flughafenbetreiber, Fluggesellschaften und deren politische und militärische Wasserträger, die den Flughafen, der bekanntlich auch NATO-Flughafen ist, im Bereich der Fracht und des Personentransports radikal vergrößern wollen.
Die Kapazitäten bis 2050 sollen für eine Milliarde Euro aus dem Steueraufkommen auf 10 Millionen Fluggäste pro Jahr praktisch verdoppelt werden, und auch die Kapazitäten des Frachtzentrums, in dem mehr als 1.000 unterbezahlte Lohnabhängige im Einsatz sind, sollen deutlich erweitert werden, um eine schnelle Zirkulation von Waren zu ermöglichen. Die werden ab dem Findel mit Tausenden von Lastwagen, die von überausgebeuteten Fahrern gesteuert werden, in ganz Europa verteilt.
Sieht so etwa nachhaltige Mobilität aus? Tatsächlich handelt es sich um ein Geschäftsmodell, das als Werkzeug der kapitalistischen Akkumulation funktioniert, aber nicht im gesellschaftlichen Interesse der Schaffenden ist.
Das gilt nicht nur in wirtschaftlicher Sicht, sondern auch in Umwelt- und Klimafragen. Mehr Kapazitäten führen automatisch zu mehr Flugbewegungen und höheren CO2-Emissionen. Ganz krass wird sich das noch einmal bemerkbar machen, wenn die Direktflüge von Luxemburg nach New York aufgenommen werden, denn ein Hin- und Rückflug von Luxemburg nach New York verursacht, je nach Flugzeugtyp und Buchungsklasse, zwischen 3 und 4 Tonnen CO2-Aquivalente. Das ist deutlich mehr für eine einzige Reise als das gesamte klimaverträgliche Jahresbudget einer Person.
Und auch wenn die Ministerin für Mobilität und Aufrüstung heuchelt, sie habe »Verständnis für die Frustration von Leuten, die in Flughafennähe oder den Einflugschneisen wohnen« (»Luxemburger Wort« vom 28. Juli 2025), dann ändert das nichts daran, dass befürchtet werden muss, dass mit dem Ausbau des Flughafens auch der gesundheitsschädliche Fluglärm und die Luftverschmutzung zunehmen werden, und die Zerstörung der Biosphäre durch den stark emittierenden Flugverkehr weitergehen wird.
Wenn die Kommunisten das kritisieren, dann nicht, um vordergründig das Konsumproblem des Einzelnen zu thematisieren, sondern um auf das systemische Versagen des Kapitalismus aufmerksam zu machen, ohne dessen Überwindung das bestehende Geschäftsmodell ungebremst in die Katastrophe führen wird.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

