Start / Deutschland / Menschenrechte / Pro Asyl / PRO ASYL zur Debatte über Abschiebungen nach Syrien und den Widerruf des Schutzstatus: Syrien ist instabil und gefährlich

PRO ASYL zur Debatte über Abschiebungen nach Syrien und den Widerruf des Schutzstatus: Syrien ist instabil und gefährlich

Pro Asyl

Übernommen von Pro Asyl:

PRO ASYL kritisiert die Ankündigungen von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, dass sowohl Abschiebungen als auch geförderte Rückführungen nach Syrien ausgeweitet werden sollen.

Die Ankündigung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, den Schutzstatus von immer mehr Syrer*innen aberkennen zu lassen und dabei insbesondere ‚alleinreisende junge Männer’ in den Blick zu nehmen, ist alarmierend. Über den Schutz eines Menschen entscheiden weder politische Zielvorgaben noch Fragen, ob jemand seinen Lebensunterhalt bestreiten kann – entscheidend ist die Situation und individuelle Gefährdung im Herkunftsland. Wer über Widerrufe und Abschiebungen nach Syrien spricht, muss zuvor über die Realität vor Ort sprechen. Und die ist nach wie vor instabil und gefährlich”, sagt Tareq Alaows, flüchtlingspolitischer Sprecher von PRO ASYL.

Die politischen Veränderungen in Syrien haben Hoffnungen geweckt und in Teilen des Landes auch Veränderungen ermöglicht. Sie dürfen aber nicht mit Sicherheit verwechselt werden. Millionen Menschen leben weiterhin in Vertreibung, Armut und existenzieller Not, während staatliche Schutzstrukturen vielerorts schwach, nicht verlässlich oder selbst an Eskalationen beteiligt sind.

Diese Realität muss Ausgangspunkt jeder asylrechtlichen Entscheidung sein. Für den Widerruf eines Schutzstatus gelten klare rechtliche Voraussetzungen: Die Veränderungen im Herkunftsland müssen wesentlich und dauerhaft sein und der individuelle Schutzbedarf muss tatsächlich entfallen sein. Pauschale Kategorien wie Alter, Geschlecht, Familienstand oder Arbeitsfähigkeit können diese Prüfung nicht ersetzen.

Hintergrund: Zur Lage in Syrien

Mehr als anderthalb Jahre nach dem Sturz des Assad-Regimes bleibt Syrien ein von Krieg, Gewalt, Vertreibung und dem Zusammenbruch grundlegender Infrastruktur gezeichnetes Land. Lokale Gewaltausbrüche und bewaffnete Auseinandersetzungen haben auch 2026 erneut Zehntausende Menschen vertrieben. Mehr als fünf Millionen Menschen sind weiterhin innerhalb Syriens auf der Flucht. Viele Rückkehrende kommen an Orte zurück, in denen Wohnraum zerstört ist, Arbeitsmöglichkeiten fehlen und grundlegende staatliche Dienstleistungen kaum funktionieren.

Die Zahlen zur humanitären Situation sprechen eine deutliche Sprache: Rund 15,6 Millionen Menschen sind 2026 auf humanitäre Hilfe angewiesen – darunter 7,2 Millionen Kinder. 13,3 Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen, davon leiden 7,2 Millionen akut darunter. Auch die Versorgung mit elementaren Gütern ist für Millionen Menschen nicht gewährleistet. Mehr als 10 Millionen Menschen haben keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser. Nur 57 Prozent der Krankenhäuser und 30 Prozent der Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung sind vollständig funktionsfähig. Rund 2,7 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule.

Besonders dramatisch ist die Situation von Kindern: Rund 587.000 Kinder unter fünf Jahren müssen wegen akuter Mangelernährung behandelt werden, darunter etwa 96.000 schwer mangelernährte Kinder. Gleichzeitig gefährden Minen und andere explosive Kriegsreste weiterhin das Leben der Bevölkerung. Seit Dezember 2024 wurden nach UNICEF-Angaben mindestens 252 Kinder dadurch getötet und weitere 601 verletzt.

Hinzu kommt eine weiterhin fragile Sicherheitslage. Die Gewalteskalationen der vergangenen Monate in verschiedenen Landesteilen zeigen, wie wenig belastbar die vermeintliche Stabilisierung ist. Allein die Kämpfe in Aleppo, Raqqa und Hasaka führten Anfang 2026 zur Vertreibung von mehr als 170.000 Menschen. Die Gewalt in Suweida hatte bereits im Sommer 2025 rund 187.000 Menschen zur Flucht gezwungen.

The post PRO ASYL zur Debatte über Abschiebungen nach Syrien und den Widerruf des Schutzstatus: Syrien ist instabil und gefährlich first appeared on PRO ASYL.

Quelle: Pro Asyl

Markiert: