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„Nur gemeinsam können wir bessere Arbeits- und Lohnbedingungen erreichen!“

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Übernommen aus der Zeitung „Vum Lëtzebuerger Vollek“:

Am 8. Dezember finden bei Dussmann, dem größten Unternehmen im Gebäudereinigungssektor, Betriebsratswahlen statt. Bei den Wahlen im Jahr 2024 waren Unregelmäßigkeiten aufgetreten, was die Arbeitsaufsichtsbehörde dazu veranlasste, diese für ungültig zu erklären und neu anzusetzen.

Damals stand zudem ein Großteil der Belegschaft unter starkem Druck, sodass nur 400 der 3.000 Beschäftigten ihre Stimme abgegeben hatten und keine wirklich repräsentative Personalvertretung gebildet werden konnte.

Um dieser Situation abzuhelfen, setzt sich der OGBL derzeit dafür ein, die Wahl einer starken Personalvertretung zu gewährleisten, die auf die Unterstützung der großen Mehrheit der Beschäftigten zählen kann und die bestehenden Probleme entschlossen angeht. Es geht darum, die Rechte der Beschäftigten unermüdlich zu verteidigen und Verbesserungen durchzusetzen, selbst wenn die Unternehmensleitung Widerstand leistet.

Leider schenkt die breite Öffentlichkeit dem Reinigungspersonal und seinen Forderungen kaum Beachtung, da diese Arbeitnehmer oft „unsichtbar“ sind: Sie verrichten ihre Arbeit in den Unternehmen und Büros meist sehr früh am Morgen oder spät am Abend.

Die Gewerkschaftswahlen bei Dussmann und die Forderungen der Reinigungskräfte waren für die „Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek“ Anlass, ein Interview mit Andrea Spigarelli, dem stellvertretenden Zentralsekretär des OGBL im privaten Reinigungssektor, zu führen.

Zeitung: Dussmann ist nicht dafür bekannt, seinen Beschäftigten Geschenke zu machen. Die Arbeitsbedingungen sind schwierig, viele arbeiten nur in Teilzeit und die Löhne sind niedrig.

Andrea Spigarelli: Das stimmt vollkommen. Bei Dussmann, wie auch in der gesamten privaten Gebäudereinigungsbranche, kann man von einem Niedriglohnsektor sprechen.

Aber genau das wollen wir ändern, wohl wissend, dass jede noch so kleine Verbesserung oder jede Lohnerhöhung in den Tarifverhandlungen hart ausgehandelt und erkämpft werden muss.

„Wir ermutigen die Beschäftigten, für sich einzustehen“

Die Beschäftigten, überwiegend Frauen, von denen viele alleinerziehende Mütter sind, stehen aufgrund der sehr engen Zeitvorgaben, innerhalb derer ihre Arbeit in der Regel erledigt werden muss, unter starkem Druck. Angesichts der schwierigen Arbeitsbedingungen und der niedrigen Löhne trauen sie sich nicht, sich zu beschweren oder ihre Rechte geltend zu machen – selbst wenn sie Opfer von Belästigung sind oder die Bestimmungen des Tarifvertrags nicht eingehalten werden, beispielsweise wenn die Fahrten zwischen zwei verschiedenen Reinigungsorten, die als Arbeitszeit gelten, nicht vergütet werden.

Wenn Reinigungskräfte es wagen, sich zu äußern und ihre Rechte einzufordern, müssen sie oft negative Konsequenzen befürchten, wie beispielsweise Versetzungen, die es ihnen noch schwerer machen würden, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen.

Als OGBL ermutigen wir die Beschäftigten nicht nur, sich zu wehren und gemeinsam für ihre Rechte zu kämpfen – am besten natürlich innerhalb unserer Gewerkschaft –, sondern ergreifen auch Initiativen, um bessere Arbeits- und Lohnbedingungen zu erreichen.

Zeitung: Kannst du uns konkrete Beispiele dafür nennen, was der OGBL tut?

Andrea Spigarelli: Derzeit führen wir eine Kampagne für die Anerkennung und Aufwertung des Berufs des Reinigungskraft durch.

Wir prangern an, dass die Beschäftigten von Dussmann, wie auch in anderen Unternehmen der Reinigungsbranche, in der Regel auch nach langjähriger Betriebszugehörigkeit, in der sie zu Fachkräften geworden sind, den gesetzlichen Mindestlohn für ungelernte Tätigkeiten erhalten – und das sogar nach 10 Jahren –, obwohl sie aufgrund der erworbenen Kompetenzen eigentlich den qualifizierten Mindestlohn erhalten sollten.

Qualifizierter Mindestlohn und strukturierte Berufsausbildung

Die „Arbeitnehmerkammer“ hat dem Arbeitsminister Anfang Juli einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt, auf den dieser jedoch bislang nicht reagiert hat. Der OGBL hat seinerseits um ein Gespräch mit dem Arbeitsminister gebeten, um die Probleme im privaten Reinigungssektor anzusprechen und seine Forderungen darzulegen. Dieses Gespräch soll Ende November stattfinden.

Zeitung: Was sind die konkreten Forderungen des OGBL?

Andrea Spigarelli: Wir haben drei Hauptforderungen, deren Erfüllung zu einer deutlichen Verbesserung der Arbeits- und Vergütungsbedingungen der Beschäftigten bei Dussmann sowie im gesamten privaten Reinigungssektor führen würde.

Die erste betrifft die gesetzliche Verankerung einer strukturierten Berufsausbildung für Reinigungskräfte, die mit einem „Berufsbefähigungszeugnis“ abgeschlossen wird, wodurch die erworbenen Kompetenzen rechtlich anerkannt würden.

Die zweite Forderung zielt darauf ab, gesetzlich zu gewährleisten, dass der qualifizierte Mindestlohn nach zehn Jahren Berufserfahrung in der Reinigungsbranche automatisch gewährt wird, damit die Beschäftigten nicht der Willkür ihrer Vorgesetzten oder des Unternehmensinhabers ausgeliefert sind.

Die dritte Forderung zielt darauf ab, mögliche negative Folgen für die Beschäftigten zu verhindern, wenn ein Unternehmen im Zuge von Ausschreibungen bestehende Aufträge verliert.

Das Unternehmen, das die Ausschreibung gewinnt, ist zwar verpflichtet, das zuvor beschäftigte Reinigungspersonal zu denselben Bedingungen zu übernehmen, doch wenn ein Arbeitnehmer mit mehreren Arbeitsverträgen aus irgendeinem Grund beispielsweise zehn Arbeitsstunden verliert und mit einer Kündigungsfrist entlassen wird, hat er für diese zehn Stunden keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Gerade bei Reinigungskräften mit mehreren Arbeitsverträgen ist das Risiko groß, Lohnausfälle aufgrund veränderter Arbeitsbedingungen infolge von Ausschreibungen zu erleiden und von prekären Beschäftigungsverhältnissen bedroht zu sein.

Die Arbeitnehmer müssen daher besser geschützt werden, und diese Ungerechtigkeiten müssen beseitigt werden – dafür setzt sich der OGBL mit aller Kraft ein.

Interview: Ali Ruckert

Gespräch mit Andrea Spigarelli, stellvertretender Zentralsekretär des OGBL im privaten Reinigungssektor, zu den Betriebsratswahlen bei Dussmann am 8. Dezember 2026

„Nur gemeinsam können wir bessere Arbeits- und Lohnbedingungen durchsetzen!“

Am 8. Dezember finden bei Dussmann, dem größten Unternehmen im Bereich der Gebäudereinigung, Sozialwahlen statt. Bei den Wahlen 2024 hatte es Unregelmäßigkeiten gegeben, sodass sie von der Gewerbeaufsicht für ungültig erklärt und neu angesetzt wurden.

Damals standen zudem große Teile der Belegschaft unter starkem Druck, sodass lediglich 400 der 3.000 Beschäftigten ihre Stimme abgaben und es nicht zu einer wirklich repräsentativen Personalvertretung kam.

Um dies zu ändern, mobilisiert der OGBL derzeit, um zu erreichen, dass eine starke Personalvertretung gewählt wird, die auf die Unterstützung der großen Mehrheit der Beschäftigten zählen und die bestehenden Probleme konsequent angehen kann. Es geht darum, die Rechte der Beschäftigten konsequent zu verteidigen und Verbesserungen auch gegen den Widerstand der Unternehmensleitung durchzusetzen.

Die Öffentlichkeit nimmt das Reinigungspersonal und dessen Anliegen leider viel zu wenig zur Kenntnis, da die Reinigungskräfte oft „unsichtbar“ sind, weil sie ihre Arbeit in den Betrieben und Büros meist sehr früh morgens oder spät abends verrichten.

Die Betriebsratswahlen bei Dussmann und die Anliegen der Reinigungskräfte waren für die „Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek“ Anlass für ein Interview mit Andrea Spigarelli, dem stellvertretenden Zentralsekretär des OGBL im privaten Reinigungssektor.

Zeitung: Dussmann ist nicht dafür bekannt, den Beschäftigten Geschenke zu machen. Die Arbeitsbedingungen sind hart, viele sind nur in Teilzeit beschäftigt und die Löhne sind niedrig.

Andrea Spigarelli: Das stimmt absolut. Bei Dussmann wie im gesamten Bereich der privaten Gebäudereinigung müssen wir von einem Niedriglohnsektor sprechen.

Aber genau das wollen wir ändern, wohl wissend, dass jede noch so kleine Verbesserung oder Lohnerhöhung bei Tarifverhandlungen hart ausgehandelt und erkämpft werden muss.

„Wir ermutigen die Beschäftigten, sich zu wehren“

Die Beschäftigten, in der großen Mehrheit Frauen und darunter viele Alleinerziehende, stehen aufgrund der sehr knapp bemessenen Zeiten, in denen ihre Arbeit meist verrichtet werden muss, stark unter Druck. Das hat zur Folge, dass sie sich nicht trauen, angesichts der schwierigen Arbeitsbedingungen und der geringen Löhne zu reklamieren und ihre Rechte einzufordern – selbst dann nicht, wenn sie schikaniert werden oder wenn gegen tarifvertragliche Vereinbarungen verstoßen wird, etwa wenn die Fahrten zwischen zwei verschiedenen Reinigungsobjekten, die als Arbeitszeit gelten, nicht bezahlt werden.

Oft müssen Reinigungskräfte, wenn sie den Mund aufmachen und ihre Rechte einfordern, negative Folgen befürchten, etwa Versetzungen, die es ihnen noch schwerer machen würden, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen.

Als OGBL ermutigen wir die Beschäftigten nicht nur, sich zu wehren und sich gemeinsam für ihre Rechte einzusetzen – am besten natürlich gemeinsam in unserer Gewerkschaft –, sondern wir ergreifen auch Initiativen, um bessere Arbeits- und Lohnbedingungen zu erreichen.

Zeitung: Kannst du uns Beispiele dafür nennen, was der OGBL konkret unternimmt?

Andrea Spigarelli: Derzeit führen wir eine Kampagne für die Anerkennung und Aufwertung des Berufs der Reinigungskraft durch.

Wir prangern an, dass die Beschäftigten bei Dussmann wie auch bei anderen Unternehmen im Reinigungsbereich selbst nach langjähriger Betriebszugehörigkeit, in denen sie sich zu qualifizierten Arbeitskräften entwickeln, in der Regel auch nach 10 Jahren noch immer mit dem unqualifizierten gesetzlichen Mindestlohn abgespeist werden – und das, obwohl sie aufgrund der erworbenen Kompetenzen eigentlich mit dem qualifizierten Mindestlohn bezahlt werden müssten.

Qualifizierter Mindestlohn und strukturierte Berufsausbildung

Die „Chambre des salariés“ hat dem Arbeitsminister Anfang Juli einen entsprechenden Gesetzesvorschlag übermittelt, ohne dass dieser bisher darauf reagiert hat. Und der OGBL bat den Arbeitsminister um ein Gespräch, um über die Probleme im privaten Reinigungssektor zu sprechen und seine Forderungen zu erläutern. Dieses Gespräch soll Ende November stattfinden.

Zeitung: Was sind die konkreten Forderungen des OGBL?

Andrea Spigarelli: Wir haben drei Hauptforderungen, die, wenn sie umgesetzt würden, zu einer deutlichen Verbesserung der Arbeits- und Lohnbedingungen der Beschäftigten bei Dussmann sowie im gesamten privaten Reinigungssektor führen würden.

Bei der ersten geht es um die gesetzliche Einführung einer strukturierten Berufsausbildung für Reinigungskräfte, die mit einem „Certificat de capacité professionnelle“ abgeschlossen würde, womit die erworbenen Kompetenzen gesetzlich anerkannt würden.

Zweitens soll durch ein Gesetz sichergestellt werden, dass nach zehn Jahren Berufserfahrung in der Reinigungsbranche automatisch der qualifizierte Mindestlohn gewährt wird und die Beschäftigten nicht der Willkür ihrer Vorgesetzten oder des Unternehmensinhabers ausgeliefert sind.

Bei der dritten Forderung geht es darum, mögliche negative Folgen für die Beschäftigten zu verhindern, wenn ein Unternehmen bei Ausschreibungen bisherige Aufträge verliert.

Das Unternehmen, das den Zuschlag erhält, ist zwar verpflichtet, das bisher dort eingesetzte Reinigungspersonal zu den gleichen Bedingungen zu übernehmen, aber wenn es durch irgendwelche Umstände dazu kommt, dass ein Beschäftigter mit mehreren Arbeitsverträgen beispielsweise zehn Arbeitsstunden verliert und unter Einhaltung der Kündigungsfrist entlassen wird, hat er keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld für diese zehn Stunden.

Gerade bei Reinigungskräften mit mehreren Arbeitsverträgen ist das Risiko groß, dass sie im Zusammenhang mit veränderten Bedingungen infolge von Ausschreibungen Lohnverluste hinnehmen müssen und von prekären Beschäftigungsverhältnissen bedroht sind.

Die Beschäftigten müssen daher besser geschützt und solche Ungerechtigkeiten beseitigt werden, wofür sich der OGBL mit aller Kraft einsetzt.

Das Interview führte
Ali Ruckert

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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