Zehntausende auf dem Berliner Alexanderplatz. Foto: RedGlobe

Zehntausende Menschen haben am Sonnabend auch in ganz Deutschland gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. In Berlin, wo 1.500 Menschen angemeldet worden waren, schätzte die Polizei die Teilnehmerzahl auf das Zehnfache – und dürfte damit noch weit unter der tatsächlichen Beteiligung geblieben sein. Nicht nur der Alexanderplatz, sondern auch alle umliegenden Straßen und Plätze waren stundenlang voller Menschen, die meist schwarze Kleidung trugen, als Ausdruck von »Black Lifes Matter«.

Höhepunkt der »Silent Demo« in Berlin war eine acht Minuten und 46 Sekunden dauernde »Schweigeminute«. So lange hatte am 25. Mai ein Polizist in Minneapolis George Floyd sein Knie in den Hals gedrückt, bis dieser erstickte. Der Beamte ist inzwischen des Mordes angeklagt. Trotzdem ebben auch in den USA seither die Proteste nicht ab.

Parallel zu der Großversammlung auf dem Alexanderplatz gab es mehrere kleinere Kundgebungen von neofaschistischen und rechtsoffenen Kräften. So zogen begleitet von GegendemonstrantInnen mehrere Dutzend Anhänger der NPD zum Brandenburger Tor. Dort fand bereits die seit anderthalb Jahren wöchentlich durchgeführte Solidaritätskundgebung für Venezuela und Lateinamerika statt – und diese begrüßte die ankommenden Faschisten mit dem italienischen Partisanenlied »Bella Ciao«.

In Hamburg sprach die Polizei von mehr als 9.000 Menschen, die sich am Jungfernstieg und auf dem Rathausmarkt versammelten. Erlaubt hatten die Behörden offiziell nur 525 TeilnehmerInnen. Schon am Freitag hatten sich etwa 4.500 Menschen vor dem Generalkonsulat der Vereinigten Staaten an der Alster versammelt.

 8.000 Menschen versammelten sich auf dem Römerplatz in Frankfurt am Main. Aus Düsseldorf werden ebenfalls Tausende DemonstrantInnen gemeldet. Aus München meldete die Polizei etwa 7.000 Menschen, die gegen Rassismus demonstrierten – anstelle der dort angemeldeten 200 Personen. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke schätzte die TeilnehmerInnenzahl dagegen auf mindestens 20.000 und schrieb auf Facebook: »Beschämt und bedrückt muss ich feststellen: Die Tatsache, dass ich in meiner fast 30-jährigen linken, oft antirassistischen und antifaschistischen Demo-Geschichte noch nie mit so vielen PoC und Migrant*innen gemeinsam auf der Straße war, zeigt das Ausmaß an rassistischer Spaltung unserer Gesellschaft. Vielleicht ändert sich das mit dem heutigen Tag!«.

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In den Meldungen der Behörden schwingt immer wieder der Hinweis mit, dass angesichts der Menschenmengen der zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie empfohlene Abstand von 1,5 Metern zwischen den Personen nicht eingehalten wurde. Reaktionären Kräften wie der »Deutschen Polizeigewerkschaft« diente das prompt als Vorlage zur Stimmungsmache gegen die Demonstrierenden. Tatsächlich trugen viele TeilnehmerInnen Gesichtsmasken. »Hass ist der schlimmste Virus«, begründete eine Demonstrantin in Berlin auf ihrem Schild, warum sie diesmal an der Kundgebung teilnahm.