In der Tür­kei wur­den den der Abge­ord­ne­ten Enis Ber­beroğlu (CHP), Ley­la Güven (HDP) und Musa Fari­soğul­ları (HDP) das Man­dat ent­zo­gen. Die Ent­schei­dung wur­de vom stell­ver­tre­ten­den Par­la­ments­spre­cher ver­le­sen. Zuvor waren Haft­stra­fen für die drei Abge­ord­ne­ten vom obers­ten Beru­fungs­ge­richt bestä­tigt wor­den.

Die Oppo­si­ti­on pro­tes­tier­te mit Sprech­chö­ren im Par­la­ment gegen die Ent­schei­dung und warf der regie­ren­den isla­­misch-kon­­ser­­va­­ti­­ven Par­tei für Gerech­tig­keit und Auf­schwung (AKP) vor, mit der Ver­haf­tung der Abge­ord­ne­ten gegen den Wil­len der Nati­on zu put­schen.

Reaktionen auf die Verhaftung der Abgeordneten

Der Vor­sit­zen­de der CHP, Kemal Kılı­ç­dar­oğlu, sieht einen Zusam­men­hang mit dem von der AKP geführ­ten Putsch vom 20. Juli, teil­te er auf twit­ter mit. Am 20. Juli hat­te die AKP als Reak­ti­on auf den am 15. Juli geschei­ter­ten Putsch­ver­such gegen Erdo­gan einen lan­ge andau­ern­den Aus­nah­me­zu­stand aus­ru­fen las­sen. Die CHP, eine Par­tei, die zum kema­lis­ti­schen Lager zu zäh­len ist, und zwar für eine säku­la­re, aber eben­so groß­tür­ki­sche und chau­vi­nis­ti­sche Poli­tik wie Erdo­gan ein­tritt, hat den jüngs­ten Über­fall Erdo­gans auf das Nach­bar­land Syri­ens freu­dig begrüßt.

Die HDP ver­öf­fent­lich­te eine Stel­lung­nah­me, in der sie die Ver­haf­tung der Abge­ord­ne­ten ver­ur­teil­te und die­se als Putsch der AKP gegen den Wil­len der Nati­on bezeich­ne­te.

Bülent Tur­an von der Regie­rungs­par­tei AKP behaup­te­te auf twit­ter, dass es sich um kei­ne poli­ti­sche, son­dern eine juris­ti­sche Ent­schei­dung hand­le und ver­wies auf das Gerichts­ur­teil.

Verurteilungen der Abgeordneten

Den bei­den HDP-Abge­­or­d­­ne­­ten Ley­la Güven und Musa Fari­soğul­ları wur­de im Zusam­men­hang mit der Ver­fol­gung der Uni­on der Gemein­schaft Kur­di­stans (KCK), die mit der bewaff­net kämp­fen­den Kur­di­schen Arbei­ter­par­tei (PKK) in Zusam­men­hang gebracht wird, der Pro­zess gemacht. Güven wur­de zu 9 Jah­ren und 3 Mona­ten Gefäng­nis und Fari­soğul­ları zu 6 Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt.

Ber­beroğlu wur­de 2017 wegen Spio­na­ge zu 25 Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt. Er soll der Zei­tung Cum­hu­ri­y­et ein bri­san­tes Video zuge­spielt haben. In die­sem war zu sehen, wie der tür­ki­sche Geheim­dienst MIT Waf­fen an isla­mis­ti­sche Ban­den in Syri­en lie­fer­te, was der dama­li­gen offi­zi­el­len Nicht­ein­mi­schungs­po­li­tik der tür­ki­schen Regie­rung in den syri­schen Bür­ger­krieg wider­sprach. 2018 wur­de er frei­ge­las­sen und wie­der in das Par­la­ment gewählt.

Quel­le: SoL Int

Quelle:

Zeitung der Arbeit