Großer Erfolg für die Frauen Argentiniens: Mit 38 gegen 29 Stimmen hat der Senat des südamerikanischen Landes in der Nacht zum Mittwoch ein Gesetz verabschiedet, das Schwangerschaftsunterbrechungen unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Bisher galt in Argentinien ein nahezu ausnahmsloses Verbot von Abtreibungen, wodurch tausende Frauen gezwungen worden waren, die Eingriffe illegal oder im Ausland vornehmen zu lassen. Zahlreiche von ihnen kamen dabei ums Leben.

Das von der Regierung nach jahrelangem Druck der Frauenbewegung eingebrachte Gesetz war zuvor schon vom Abgeordnetenhaus gebilligt worden. Lange war unklar gewesen, ob es auch den Senat passieren würde – vor zwei Jahren hatte das Oberhaus die Zustimmung zu einem ähnlichen Gesetz noch verweigert.

Nun bleiben Schwangerschaftsunterbrechungen bis zur 14. Woche straffrei. Spätere Abtreibungen sollen möglich sein, wenn die Frau vergewaltigt wurde, es sich um Mädchen bis 13 Jahren handelt oder das Leben der Frau in Gefahr ist. Der Gesetzestext umfasst ausdrücklich nicht nur Frauen und Mädchen, sondern auch „andere Identitäten mit der Fähigkeit zur Schwangerschaft“. Damit erkennt Argentinien auch diejenigen an, die sich weder dem männlichen noch weiblichen Geschlecht zuordnen können oder wollen.

Vor der Abstimmung hatten sich Zehntausende Frauen vor dem Senatsgebäude versammelt, um mit ihrer Anwesenheit Druck auf die Senatoren auszuüben. Auch die Kommunistische Partei und ihr Jugendverband FJC hatten zu dieser Mahnwache aufgerufen. Als kurz nach 4 Uhr morgens das Abstimmungsergebnis bekannt wurde, kannte der Jubel keine Grenzen mehr, die Versammelten schwenkten ihre grünen Halstücher und Fahnen, die Symbole der feministischen Bewegung Argentiniens. „Wir erleben einen historischen Augenblick, unser Kampf ist zum Gesetz geworden“, erklärten Mitglieder der „Kampagne für das Recht auf legale, sichere und gesunde Abtreibung“.

Vanina, die nach dem Erfolg unter Tränen ihre Compañeras umarmte, erinnerte im Gespräch mit der argentinischen Nachrichtenagentur Télam an Ana María Acevedo, die 2007 in Santa Fe starb, nachdem man ihr eine straffreie Abtreibung verweigert hatte, obwohl sie an Krebs erkrankt war. „Mit ihr ehren wir all jene, die aufgrund geheimer Abtreibungen gestorben sind oder denen ihr Recht verweigert wurde“, sagte die junge Frau. „Heute sind wir freier!“

Quellen: Telesur, Télam, Unsere Zeit / RedGlobe