Mit Blick auf das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz im Bundesrat stellt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fest, dass „die Ziele der Reform des Sozialgesetzbuches (SGB) VIII noch nicht erreicht sind“. „Bund und Länder sind die Reform nur halbherzig angegangen: Kontrolle und Steuerung stehen im Mittelpunkt, die Pädagogik verliert“, betonte Björn Köhler, GEW-Vorstandsmitglied für Jugendhilfe und Sozialarbeit, am Freitag in Frankfurt a.M. Über die bisher nicht geklärte Frage hinaus, wer die Mehrkosten, die die Reform verursacht, zahlt, kritisierte Köhler vor allem zwei inhaltliche Punkte.

Problematisch sei die Steuerung bei den Hilfen zur Erziehung. Diese lägen künftig nicht mehr automatisch bei den Jugendämtern, sondern können in den Sozialraum hinein, etwa an einen freien Träger, übertragen werden. Dieser Träger könne dann den hilfesuchenden Familien bevorzugt seine eigenen Leistungen anbieten. Damit werde, so Köhler, die Jugendhilfe deprofessionalisiert. „Der Kostendruck auf die Jugendhilfeträger wird weiter steigen. Es besteht die Gefahr, dass Leistungen an den günstigsten Anbieter einer Hilfemaßnahme vergeben werden. Die Qualität des Angebots spielt dann kaum noch eine Rolle. Das ist mit Blick auf die schwierige Situation in den Familien, die sensibel, professionell und im Sinne der Kinder angegangen werden muss, verantwortungslos“, unterstrich das GEW-Vorstandsmitglied. Zudem verschlechtere die Reform die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Andererseits klammere sie wichtige Themen komplett aus, beispielsweise die Begrenzung der Fallzahl je Mitarbeiter im Jugendamt und im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) oder das Zeugnisverweigerungsrecht für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter.

Auch die neuen Meldeverfahren zum Kinderschutz seien nur schwer nachzuvollziehen. „Der präventive Kinderschutz ist völlig unterbelichtet. Weniger Pädagogik, mehr Bürokratie – so steigert man die Attraktivität sozialer Berufe nicht“, hob Köhler hervor.

Quelle: GEW – GEW: „Reform muss reformiert werden!“