Das Rettungsschiff Sea-Watch 3 war am 10. Oktober ins zentrale Mittelmeer aufgebrochen. In sieben Rettungseinsätzen konnte die Crew über 400 Menschen aus Seenot retten, ein sicherer Hafen wird dem Schiff bislang verweigert. Die Lage an Bord spitzt sich zu, mehrere Menschen mussten bereits aus medizinischen Gründen evakuiert werden.

Am Sonntag, den 17. Oktober 2021, sowie am darauffolgenden Montag konnte die Besatzung der Sea-Watch 3 in sieben aufeinanderfolgenden Rettungseinsätzen insgesamt 412 Menschen aus Seenot retten. Zwei der Seenotfälle wurden dabei von Sea-Watchs Aufklärungsflugzeug Seabird entdeckt, darunter ein Boot das Luft verlor und zu sinken drohte. Auch die ins Wasser gefallenen Menschen konnten in einer schwierigen Rettung alle geborgen und in Sicherheit an Bord unseres Schiffes gebracht werden.

Bei über 150 der Geretteten handelt es sich um Minderjährige und Kinder. Die Menschen werden von der Crew an Bord der Sea-Watch 3 betreut und und medizinisch versorgt. Zahlreiche weisen chemische Verbrennungen durch die hochätzende Mischung aus Benzin und Salzwasser auf, die sich in den Booten sammelt. Im Rahmen medizinischer Evakuierungen wurden von der italienischen Küstenwache bereits sechs Frauen vom Schiff an Land gebracht, den verbleibenden 406 Menschen wird weiterhin ein sicherer Hafen verwehrt.

“Die medizinischen Kapazitäten auf unserem Schiff kommen aufgrund der schieren Anzahl der Patient:innen an ihre Grenzen. Es gibt hochschwangere Frauen an Bord, andere leiden unter großflächigen Verbrennungen. Diese Art von Verletzungen müssen in einem Krankenhaus unter angemessenen Bedingungen behandelt werden. Die Menschen brauchen so schnell wie möglich einen sicheren Ort, an dem sie von Bord gehen können. Mit jedem Tag auf See wird die Situation gefährlicher.” Carolin Möhrke, Ärztin an Bord der Sea-Watch 3.

Auch die sich verschlechternden Wetterbedingungen spitzen die Situation weiterhin zu, die Menschen auf dem Oberdeck sind Wind und Regen ausgesetzt. Aufgrund der großen Anzahl an geretteten Menschen und des begrenzten Raums kann an Bord nur schichtweise Platz zum Schlafen gefunden werden.

“Die Entrechtung von Flüchtenden muss aufhören, Menschenrechte müssen auch ohne europäischen Pass gelten. Die Menschen an Bord unseres Schiffes mussten ihr Leben riskieren, weil Europa ihnen keine andere Wahl als die Flucht übers Meer lässt. Das Wetter verschlechtert sich, die Lage an Bord spitzt sich zu. Wir können nicht warten, bis jeder einzelne der über 400 Menschen aus medizinischen Gründen evakuiert werden muss. Alle haben ein Recht auf einen sicheren Hafen, und zwar jetzt“, sagt Philipp Hahn, Einsatzleiter an Bord der Sea-Watch 3.

Über 1400 Menschen sind in 2021 laut IOM bereits im Mittelmeer ertrunken, wobei von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden muss. Über 25.000 Menschen wurden im Auftrag Europas völkerrechtswidrig zurück nach Libyen geschleppt, wo ihnen schwerste Menschenrechtsverletzungen drohen.

Quelle: Sea Watch – Situation spitzt sich zu: Kein sicherer Hafen für über 400 gerettete Menschen auf Sea-Watch 3