Übernommen von Unsere Zeit:

Die lange Tradition des 1. Mai lässt sich gut an dem 1.-Mai-Plakat des DGB von 1960 verdeutlichen. Etwas weniger bekannt als das Plakat „Samstags gehört Vati mir!“ von 1956 mobilisierten der DGB und seine damals sechzehn Einzelgewerkschaften mit dem Slogan „…schon Vatis Opi war dabei – 70 Jahre 1. Mai“. Die Kämpfe der damaligen Zeit spiegelten sich in den Plakaten zum 1. Mai wider: „Gegen die atomare Aufrüstung“ (1958) und „5 Tage sind genug“ (1955) folgten dem Plakat von 1950: Für Völkerfrieden, Vollbeschäftigung, Schutz der Arbeitskraft und sozialen Wohnungsbau.
Wie weit wir von dieser Zeit entfernt sind, zeigt der Vorstoß der CDU, den 1. Mai als Feiertag abschaffen zu wollen. Die Antwort kann nur heißen: Am 1. Mai raus auf Straßen und Plätze! Nicht nur die CDU, sondern auch der Koalitionspartner SPD muss spüren, dass der 1. Mai der Tag ist, an dem wir Stopp sagen: Hände weg von unseren Feiertagen! Keine Kürzungen bei der Pflege- und Rentenversicherung! Schluss mit dem Generalangriff auf unsere sozialen Rechte!
Sie müssen auch merken, dass ihre Kriegspolitik auf unserem Rücken zu immer mehr Widerspruch führt. Jede Rednerin, die den Zusammenhang von Sozialabbau und Aufrüstung auf der Bühne benennt, stärkt die Kolleginnen und Kollegen, die in die nächsten Tarifkämpfe ziehen. Jeder Gewerkschafter, der antikapitalistische Forderungen im Demonstrationszug zeigt oder ruft, ist Teil der Vorbereitung der anstehenden Kämpfe um den Achtstundentag und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Transparente und Forderungen aus den Betrieben werden zeigen, dass vielen Beschäftigten klarer wird, dass ihnen dieses System weder gute Löhne und Arbeitsplatzgarantien noch Sicherheit und Frieden bieten kann.
„Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ – das Motto des DGB zum 1. Mai trägt nicht zu dieser Erkenntnis bei. Im Gegenteil, es schürt die Illusion, dass es beides geben kann: Ein gutes Leben für uns und Profite für die Konzerne. Aber dieses Motto hält uns nicht davon ab, den 1. Mai als Kampftag zu begehen. Es ist ein Tag, um gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen zu demonstrieren, zu diskutieren und die Streiks der Zukunft vorzubereiten. Es ist ein Tag, an dem sich der Schulterschluss mit den Schulstreiks gegen die Wehrpflicht und der Friedensbewegung zeigen kann.
„Wo bleiben die Milliarden?“ – Mit dieser Frage stellt die Friedensbewegung auch am 1. Mai die Verbindung her zwischen der verrottenden sozialen Infrastruktur, den schlechter werdenden Arbeitsbedingungen und schwachen Tarifabschlüssen auf der einen und den Milliardengewinnen der Konzerne und Kriegsprofiteure auf der anderen Seite.
Auch im DGB können diese Diskussionen zu Veränderungen führen. Es war ein Erfolg, dass der DGB in diesem Jahr – anders als 2025 – zur Teilnahme an den Ostermärschen aufgerufen hat. Im zentralen Antrag zu internationalen Beziehungen für den anstehenden DGB-Bundeskongress heißt es: „Nur mit weltweiter internationaler Zusammenarbeit und einer Politik der gemeinsamen Sicherheit, Rüstungskontrolle und Abrüstung werden die großen globalen Herausforderungen der Menschheit – Friedenssicherung, Schutz von Klima und Natur, Armutsbekämpfung und Entwicklung – bewältigt werden können. Der Hochrüstungswettlauf muss gestoppt werden.“ Ganz anders liest sich der DGB-Aufruf zum 1. Mai, der die Frage der Hochrüstung komplett umgeht. Sozialabbau und die Angriffe auf gewerkschaftliche Errungenschaften werden darin nicht in den Kontext der Haushaltspolitik gestellt, die nur den Konzernen und Kriegsprofiteuren dient.
Am 1. Mai geht es darum, diesen Zusammenhang herzustellen und richtige Losungen zu formulieren. Passend wäre das Motto des 1. Mai von 1997: „Es geht ums Ganze“. Es geht um unseren 1. Mai, um unsere Gewerkschaften, um unsere Zukunft! Deshalb: Milliarden für uns, nicht für Krieg!
Quelle: Unsere Zeit

