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GEMEINSAME ERKLÄRUNG des 3. Internationalen Treffens der Hafenarbeitergewerkschaften in Istanbul – 18. bis 19. Mai 2026

Übernommen vom Weltgewerkschaftsbund:

GEMEINSAME ERKLÄRUNG des 3. Internationalen Treffens der Hafenarbeitergewerkschaften in Istanbul

18. – 19. Mai 2026

Hafenarbeiter werden kein Glied in der Kette ihrer Kriege sein!

Wir, die Hafenarbeitergewerkschaften aus mehr als 35 Häfen in Europa und im Mittelmeerraum, die sich in Istanbul zum 3. Internationalen Treffen der Hafenarbeitergewerkschaften versammelt haben, richten einen gemeinsamen kämpferischen Aufruf an unsere Kolleg*innen in jedem Hafen, in jedem Land.

Unser Treffen findet zu einer Zeit statt, in der die Entwicklungen auf dramatische Weise bestätigen, was wir bereits erklärt haben: Häfen, Seewege, Eisenbahnen, Lagerhäuser, Logistik, die gesamte Transportkette – all dies wird immer offener in Kriegsinfrastrukturen umgewandelt.

Die Regierungen, die USA, die NATO, die EU und die Monopole wollen die Arbeiter*innen zu Komplizen beim Transport von Waffen und militärischem Material machen, das für das Abschlachten von Völkern bestimmt ist.

Diesen Gefallen werden wir ihnen nicht tun!

Wir fangen nicht bei Null an. Wir verfügen bereits über Erfahrung, gemeinsame Beschlüsse, wertvolles Erbe und im Kampf geschmiedete Bande.

Der Streik und der internationale Aktionstag, den wir am 6. Februar in 7 Ländern und 20 Häfen organisiert haben, war ein historischer Meilenstein. Die Hafenarbeiter*innen haben eine kraftvolle Botschaft gesendet, dass sie nicht für die Kriege der Imperialisten arbeiten.

Sie haben bewiesen, dass Koordination nicht nur ein Schlagwort ist. Sie kann zu Taten werden. Sie kann sich von Piräus bis Genua, Marseille, Tanger, Mersin, Bilbao, Pasaia, Triest und zu jedem Hafen erstrecken, in dem Arbeiter*innen den Kopf erheben.

Heute jedoch erfordern die Entwicklungen, dass wir das, was wir begonnen haben, noch entschlossener fortsetzen.

Der imperialistische Krieg im Nahen Osten breitet sich aus. Der Völkermord am palästinensischen Volk durch den Mörderstaat Israel geht mit der Unterstützung der USA, der NATO und der EU weiter. Der US-israelische Angriff auf den Iran, die Kriegseskalation in der Straße von Hormus, die Angriffe auf Schiffe, die Blockaden, die Militarisierung der Seewege – all das zeigt, dass Völker und Arbeiter*innen immer tiefer in den Abgrund des Krieges getrieben werden.

Unsere Häfen selbst stehen an vorderster Front dieses Konflikts. Sie wollen, dass unsere Hände Waffen verladen, um ihren Armeen zu dienen. Sie wollen, dass die mit dem Schweiß der Arbeiter*innen erbauten Infrastrukturen zu Stützpunkten für Interventionen, Blockaden, Völkermorde und Angriffe gegen Völker werden.

Regierungen sprechen von „Sicherheit“, „Stabilität“ und „Freiheit der Schifffahrt“. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Hinter diesen Worten verbergen sich die Rivalitäten um die Kontrolle über Energiewegen, Handelsrouten, Häfen, Rohstoffe und Märkte.

Dahinter verbirgt sich der Konflikt zwischen mächtigen kapitalistischen Staaten darüber, wer im imperialistischen System dominieren wird. Das hat nichts mit den Interessen oder der Sicherheit der Völker zu tun.

Angesichts dieser Realität können die Arbeiter*innen kein Vertrauen in jene Gewerkschaftskräfte setzen, die die Ziele der „Kriegswirtschaft“ akzeptieren, die die Beteiligung an Kriegen als „Entwicklung“, „Arbeitsplätze“ oder das „nationale Interesse“ darstellen, die die Arbeiter*innen auffordern, Opfer für Profite und Kriege zu bringen, sich hinter die Bedürfnisse von Regierungen, Reedern, Monopolen und imperialistischen Allianzen zu stellen.

Während Milliarden für Rüstung ausgegeben werden, arbeiten Hafenarbeiter*innen unter verschärften Bedingungen, mit erschöpfenden Arbeitszeiten, flexiblen Arbeitsverhältnissen, Leiharbeit, niedrigen Löhnen und mangelnden Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen. Sie leiden unter den Folgen des Krieges, der Inflation und steigende Preise für Lebensmittel, Treibstoff und Grundbedarfsgüter mit sich bringt.

Sie opfern unser Leben für ihre Profite in Friedenszeiten, und jetzt wollen sie es im Krieg opfern. Die Kosten ihrer Kriege werden immer auf dieselben Schultern geladen: die Völker, die Arbeiter, die Seeleute, die Hafenarbeiter, die Flüchtlinge.

Wir fordern:

1. Ein sofortiges Ende des Völkermords am palästinensischen Volk und die Öffnung eines sicheren Korridors für humanitäre Hilfe. Ein Ende der Kolonialisierung, Besatzung und Apartheid, die dem palästinensischen Volk auferlegt wurden, sowie die Anerkennung eines unabhängigen palästinensischen Staates innerhalb der Grenzen von 1967, mit Ostjerusalem als Hauptstadt, durch die internationale Gemeinschaft.

2. Ein Ende des Krieges im Nahen Osten. Keine Unterstützung, keine Erleichterung, keine Beteiligung am Krieg der USA und Israels gegen den Iran, den Libanon oder an irgendeiner anderen imperialistischen Intervention. Militärflotten und Stützpunkte raus aus der Region. Wir bekunden unsere uneingeschränkte Solidarität mit den Völkern Kubas, Venezuelas und des Sudans, die vom US-Imperialismus bedroht sind, und wir rufen dazu auf, die Souveränität der Völker, ihre Ressourcen, ihre territoriale Integrität, Frieden mit Gerechtigkeit und das Recht auf Widerstand zur Selbstbestimmung zu verteidigen.

3. Häfen dürfen nicht für den Transport von Waffen, Munition, militärischer Ausrüstung und Truppen genutzt werden. Wir rufen die Gewerkschaften dazu auf, die Wachsamkeit zu verstärken, die Arbeiter*innen zu informieren, die Kriegstransporte aufzudecken und mit allen uns rechtmäßig zur Verfügung stehenden Mitteln und unserem Kampf einen massiven kollektiven Widerstand zu organisieren.

4. Schluss mit der Militarisierung von Häfen und kritischer Infrastruktur. Häfen gehören den Völkern und den Arbeitnehmer*innen. Sie sind keine Stützpunkte für die NATO, die USA oder die EU, noch sind sie Werkzeuge von Reedereien und Monopolkonzernen.

5. Nein zur Kriegswirtschaft und zu Rüstungsausgaben. Das Geld muss in Löhne, Tarifverträge, Gesundheit, Bildung, soziale Bedürfnisse sowie den Schutz von Leben und Sicherheit am Arbeitsplatz fließen.

6. Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz. Kein einziger Arbeiter darf für Profite sterben. Ein Ende von Arbeitsintensivierung, Untervergabe, gefährlichen Arbeitsbedingungen und Willkür der Arbeitgeber.

7. Tarifverträge mit realen Lohnerhöhungen, sichere Arbeitsplätze mit Rechten, eine Rentenpolitik mit besseren Renten und eine Verkürzung der Arbeitszeit. Technologische Entwicklungen, Mechanisierung, Automatisierung, der Einsatz von KI und der Ausbau der Häfen müssen den Bedürfnissen der Arbeiter*innen dienen und dürfen nicht zu einer Intensivierung der Arbeit oder zum Verlust ihrer Arbeitsplätze führen.

Zur Stärkung der internationalen Koordination der Hafenarbeitergewerkschaften ist es unser gemeinsames Bekenntnis, den Informationsaustausch zwischen den Gewerkschaften für gemeinsames Handeln, gleichzeitige Mobilisierungen und Streikinitiativen zu fördern, um die Blockade von Krieg und Waffen sowie die Solidarität mit jeder Gewerkschaft aufrechtzuerhalten, die von Regierungen, Arbeitgebern und Repressionsmechanismen angegriffen wird.

Bei diesem Treffen einigten sich die teilnehmenden Gewerkschaften durch die Unterzeichnung dieser Erklärung darauf, zu einem zweiten internationalen Kampftag der Hafenarbeiter im kommenden Oktober 2026 aufzurufen.

Aus Istanbul senden wir die Botschaft:

Hafenarbeiter*innen werden keine Opfer für ihre Profite und ihre Kriege bringen.

Wir verladen keinen Tod.

Wir transportieren keine Kugeln, Bomben und Raketen, damit Kinder getötet werden können.

Wir akzeptieren nicht, dass unsere Häfen zu Kriegsstützpunkten gemacht werden.

Die Arbeiter werden nicht für die Kriegswirtschaft, die Inflation, die Aufrüstung und die Profite der Monopole bezahlen.

Unsere Stärke liegt in der Organisation. Sie liegt in unseren Gewerkschaften, in Vollversammlungen, in kollektiven Entscheidungen, in der Solidarität unter Arbeiter*innen aus verschiedenen Ländern.

Wir, die Arbeiter*innen in den Häfen, wissen sehr gut, dass ohne uns nichts in Bewegung kommt. Ohne unsere Hände bleiben Container stehen, Schiffe werden nicht beladen, die Kriegsmaschinen werden blockiert.

Wir rufen alle Hafenarbeitergewerkschaften dazu auf, diese Erklärung zu diskutieren, unsere gemeinsamen Schritte zu verstärken und gemeinsame Aktionen zu organisieren, um die Solidaritätsbande zwischen den Häfen zu stärken.

Die historische Mobilisierung vom 6. Februar hat den Weg gewiesen, die nächste wird einen Schritt weitergehen!

Hafenarbeiter arbeiten nicht für den Krieg!

Häfen der Völker und des Friedens – keine Stützpunkte der Imperialisten!

Unterzeichnet von folgenden Gewerkschaften:

Enedep – Griechenland

LAB – Baskenland

LIman-Is – Türkei

ODT – Marokko

USB – Italien

Quelle: WFTU EUROPEAN REGIONAL OFFICE

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