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Freiwillige sollen gratis archäologisches Erbe suchen

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:

Es war eine sonderbare Pressekonferenz gestern im Terre-Rouge-Gebäude am Boulevard Roosevelt in der Hauptstadt mit dem was wie ganz unschuldig gesagt wurde. Den Anfang machte DP-Kulturminister Eric Thill, der mit salbungsvollen Worten (Archäologie partizipativer gestalten, Reise in die Vergangenheit als Lehre für die Zukunft) die zweite Ausgabe der Luxemburger Beteiligung an den EU-Tagen der Archäologie vom 12. Bis 14. Juni ankündigte.

Archäologie-Tage

Ausgeteilt wurden vierfärbig auf Papier 16 Veranstaltungen, wobei die erste aber schon gestern war und drei erst am 16., 18. und 19. Juni stattfinden, versehen mit der Internetadresse journees-archelogie.eu, was aufgelöst wird in https://journeesarcheologie.culture.gouv.fr/ und über die Veranstaltungen in Frankreich vom 12.-14. Juni informiert. Kommentar überflüssig!

Der Minister sprach dann ständig von 15 Veranstaltungen, was wohl damit zusammenhängt, daß auf dem Internetauftritt seines Ministeriums die Veranstaltung am 18. Juni um 18.30 Uhr am Belval in der »Maison du Savoir« der Uni Luxemburg bei freiem Eintritt und ohne Anmeldung im Auditorium 3.370 fehlt. Da informiert Catherine Gaeng über 50 Jahre Archäologie am Titelberg in der Gemeinde Petingen.

Die 12 Veranstaltungen am 12., 13. und 14. Juni gibt es auf https://ira.public.lu/de/inra/events-inra.html, dem Internetauftritt des »Institut National de Recherches Archéologiques«. Deren Direktor David Weis sagte den denkwürdigen Satz: »Freiwillige tragen die Archäologie hierzulande.« Ohne unbezahlt tätig Werdende gäbe es also kaum was dazu.

Angesichts des explodierenden Militärbudgets muß das als nationale Schande bezeichnet werden!

»Heritage Quest Luxembourg«

Es geht um die Suche nach archäologischem Erbe in Luxemburg und der englische Titel ist wohl dem geschuldet, daß sich da an etwas angehängt wird, was von den Universitäten Minnesota und Oxford kommt und auch über deren Internetauftritt läuft, wo eine Luxemburger Unterseite an der Adresse https://www.zooniverse.org/projects/de/evakap/heritage-quest eingerichtet ist auf Englisch, Französisch und Deutsch.

Das Projekt für Luxemburg zur Auswertung der mit dem LIDAR-Verfahren gewonnenen räumlichen Bilder mittels kurzer Laserimpulse, die den Blick freigeben auf Strukturen, die unter dichtem Wald verborgen liegen, gäbe es wiederum nicht ohne Mäzenat. Denn aus der Stiftung Schleich-Lentz flossen 30.000 Euro an Dr. Maxime Brami, der am Institut für Altertumswissenschaften der Johannes Gutenberg Universität Mainz Vertretungsprofessor ist.

Da sich mit dem zur Verfügung gestellten Geld zwar die Internetunterseite aufbauen ließ mit zunächst einmal 900 Bildern, wobei mit der Zeit weitere hinzugeladen werden, aber sich nicht die Arbeitszeit bezahlen läßt, die nötig wäre, um alle von LIDAR gelieferten Bilder zu analysieren, soll das breite Publikum angesprochen werden, um das gratis zu erledigen.

Wobei die Bilder ohne Koordinaten hochgeladen wurden, damit niemand, der was erkennt, hinlaufen und ausgraben kann. Man kann folglich nur seine Vermutungen auf der Seite hinterlassen, wobei irgendwie auch gehofft wird, wenn mehr Leute auf dasselbe Bild schauen, würde nichts mehr übersehen.

Wenn mindestens 15.000 auf der Seite waren, sollen die Ergebnisse durch das KI-Programm von arcane-lab.org geschickt werden, wonach 2027 im Gelände überprüft werde, was wirklich da ist. Mit der Vorgangsweise soll auch die Bevölkerung für Archäologie sensibilisiert werden, denn »nur was man kennt, kann man schützen«.

Gesucht werden soll vorrangig nach Hügelgräbern, wie sie von der Vorzeit bis in die Römerzeit angelegt wurden. Dann nach sogenannten Mardellen, Senkungen des Bodens, die oft mit Wasser gefüllt sind, wo sich rasch Sedimentschichten bilden, in denen gut erhalten wird, was hineinfällt, beginnend mit Pollen.

Schließlich sollen Kohlenmeiler für die Herstellung von Holzkohle gefunden werden, was bis 1890 hierzulande eine regelrechte Industrie war und wo sich fast immer viele Meiler nebeneinander finden lassen. Möglich ist es dann auch Sonstiges einzutragen, wobei es ganz besonders großartig wäre, würde damit eine weitere Römervilla entdeckt.

Das Projekt ist auf drei Jahre in Etappen ausgelegt und wird prioritär die LIDAR-Bilder von Wäldern umfassen. Wir vermuten also, daß die jährlichen 30.000 Euro aus der Stiftung, die für Archäologie zur Verfügung gestellt werden, in diesen drei Jahren dafür verwendet werden dürfen, auch wenn das Focuna-Präsident Jo Kox nicht verriet.

Die Freiwilligen, die statt dem faden Propaganda-Angebot im Fernseher zuzusehen ihre Zeit ins Betrachten von LIDAR-Bildern stecken wollen, werden gebeten, sich zuerst ein Tutorial anzuschauen, bevor sie loslegen. Sie können dann vermutete Ergebnisse mitteilen oder untereinander im Diskussionsforum über einzelne Bilder sich mit anderen beraten.

Was dabei rauskommt wird dann Thema anderer Pressekonferenzen werden.

Wenn viel dabei rauskommt, werden es sicher auch ganz viele werden, bei denen sich unverdientermaßen der heutige oder der nächste Kulturminister sonnen wird. Eine Kürzung des Militärbudgets zugunsten des Kulturbudgets wird wohl keinem DP-Minister in den Sinn kommen. Leider.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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