Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Die in Jahrzehnten erkämpften Rechte der Arbeiter und ihrer Gewerkschaften werden weltweit immer weiter eingeschränkt. Selbst in bislang als »stabil« geltenden Ländern wie Frankreich oder die USA erodiere der Arbeiterschutz, wird im »Global Rights Index 2026« des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) beklagt.
»Die Krise der Arbeiterrechte beschränkt sich nicht mehr auf Randbereiche – sie hat mittlerweile das Herz der Demokratien erreicht«, erklärte sein Generalsekretär Luc Triangle bei der Vorstellung des Jahresberichts. Der in Paris ansässige Weltverband repräsentiert laut seiner Internetseite 191 Millionen Arbeiter in 169 Ländern und Territorien. Zu seinen 340 Mitgliedsverbänden gehören der OGBL und der LCGB.
Der aus Belgien stammende IGB-Generalsekretär verurteilte einen »koordinierten Angriff auf die Demokratie – einen Putsch der Milliardäre, »finanziert von den Reichen und ausgeführt von rechtsextremen und autoritären Führern«. Dabei würden Arbeiterrechte eingeschränkt, Arbeiter und ihre Interessenvertreter zum Schweigen gebracht »und die Wirtschaft zugunsten einer kleinen Gruppe Mächtiger manipuliert«.
»Die Regierungen versagen beim Schutz der arbeitenden Bevölkerung und untergraben deren Interessen in vielen Fällen sogar aktiv«, so Triangle weiter. »Da Profite gehortet werden und eine Besteuerung des Reichtums ausbleibt, führt dieser Putsch zu einer Verschlechterung des Lebensstandards.«
Dem Bericht zufolge verwehrten 72 Prozent von weltweit 151 untersuchten Ländern und Territorien Lohnabhängigen den Zugang zur Justiz. In der Hälfte der Staaten nahmen die Behörden um ihre Rechte kämpfende Arbeiter fest und inhaftierten sie. Das Recht auf Kollektivvertragsverhandlungen wurde in vier von fünf Staaten verletzt. Verstöße gegen das Streikrecht wurden in 87 Prozent der Länder verzeichnet – derselbe Wert wie in den beiden vorangegangenen Jahren.
Die USA mußte der IGB auf seine Beobachtungsliste setzen, sie reihen sich damit in die Liste der Länder ein, »die wir im Auge behalten müssen, da Angriffe auf die Freiheiten und Rechte der Arbeiter die Aushöhlung der Demokratie beschleunigen«. Gründe seien unter anderem »Einschränkungen der Tarifverhandlungen und der Einsatz von Gewalt gegen Arbeiter« in den USA.
Frankreich bekam seine bisher schlechteste Bewertung, was »auf eine anhaltende Verschlechterung der Arbeiterrechte« zurückzuführen sei. Die Verschlechterung zeichne sich vor allem durch »ein hartes Vorgehen gegen Gewerkschaftsaktivisten und Einschränkungen bei Demonstrationen« aus.
Acht Länder schafften es hingegen auf die Liste der Länder, in denen nur »selten« Verletzungen von Arbeiterrechten gemeldet wurden. Darunter sind Deutschland und sechs weitere europäische Staaten sowie das südamerikanische Uruguay. Zu den zehn »schlimmsten Ländern« für Arbeiterrechte gehören laut der IGB-Liste Ägypten, Myanmar, Nigeria, Tunesien, die Türkei und mittlerweile auch Argentinien und Panama.
Der IGB erstellt den Bericht seit 2014. Dabei werden 151 Länder mit Blick auf Dutzende Kriterien bewertet, die auf den rechtlich bindenden internationalen Übereinkommen der schon 1919 gegründeten und in Genf ansässigen Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) basieren.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

