Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Noch bevor Trump den Waffenstillstand im Iran in die Tonne trat und die Huthi ankündigten, saudisches Erdöl nicht mehr durch die Bab-al-Mandab-Straße zu lassen, beschleunigte sich in Luxemburg im ersten Halbjahr die Teuerung im Wohnbau. Die Aussicht auf die weitere Teuerung und die allgemeine Inflation dank der zu erwartenden Weltwirtschaftskrise ist schlecht, außer es wird so grauslich, daß alles in einer Deflation endet. Dann haben wir ganz andere Probleme!
Gebaut wird sowieso nicht genug. Vor kurzem erst erklärte der Statec, es bräuchte pro Jahr die Fertigstellung von 6.500 Wohnungen, ohne zu sagen, wie das Wunder ohne chinesische Baubrigaden Wirklichkeit werden soll. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 3.500 Wohneinheiten, doch das war, bevor im Bausektor zwölf Prozent der Arbeitsplätze abgebaut wurden. Es bräuchte also entweder mehr Bauarbeiter oder eine Abwanderung von Einwohnern, um die Wohnungsnot zu beenden.
Am selben Tag, als die Minister Roth und Meisch in der Chamber ihre fünf neuen Maßnahmen ankündigten, über die wir gestern berichtet haben, wußte das nationale Statistikamt mitzuteilen, daß die Preise im Wohnbau eine deutliche Beschleunigung im ersten Semester 2026 erfuhren. Nach Semestern mit moderater Preissteigerung stieg der allgemeine Index zwischen Oktober 2025 und April 2026 um zwei Prozent gegenüber 0,8 Prozent im vorangegangenen Semester. Auf das Gesamtjahr bezogen wurde es sogar 2,6 Prozent teurer.
Allerdings haben sich die Preise unterschiedlich nach oben bewegt. Beim Rohbau sind es »nur« 1,6 Prozent im semestriellen und 2,2 im Jahresvergleich, wobei die Erdarbeiten, die allerdings auch nur 4,4 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, deutlich höher nach oben zogen mit 3,3 Prozent semestriell und 2,7 jahresbezogen. Der reine Rohbau, der für 31,9 Prozent der Gesamtkosten steht, steigt daher eigentlich nur um 1,4 Prozent semestriell und um 2,1 auf das Jahr gesehen.
Das Dach macht 7,5 Prozent der Kosten aus und ist am meisten im Preis gestiegen: 3,3 Prozent im semestriellen, 4,7 im Jahresvergleich. Außentüren, Fenster und Fassade stehen für 18,6 Prozent aller Kosten eines Baus und sind semestriell um drei und im Jahresvergleich um 3,6 Prozent teurer geworden.
Die technischen Installationen sind am wenigsten im Preis gestiegen, nämlich um 1,3 im semestriellen und um 1,6 Prozent im Jahresvergleich. Sie stehen immerhin für 20,4 Prozent der Gesamtkosten. In dieses Kapitel fallen Toiletten, Bad, Wasserleitungen, Heizung, elektrische Installationen und wenn vorhanden ein Aufzug. Zu den elektrischen Installationen zählen seit der letzten Revision der Baukostenstatistik Photovoltaikpaneele, Wechselrichter und Batteriespeicher, die es 1970 noch nicht gab, als diese Reihe gestartet wurde. Allerdings haben die Paneele auch Auswirkungen auf die Dachkosten, da sie ja nicht mehr statt einer Abdeckung verlegt werden dürfen, sondern auf Ständer zu montieren sind, die der Dachdecker einrichten muß.
Auf die Fertigstellung im Innenbereich (Fliesen, Bodenbelag, Schreiner-, Gipser-, Maler- und Schlosserarbeiten) entfallen die restlichen Kosten von 16,9 Prozent. Mit einem zweiprozentigen Plus gegenüber dem Vorsemester deckt sich die Preissteigerung mit dem festgestellten Durchschnitt, im Jahresvergleich liegen die plus 2,7 Prozent um ein Zehntelprozent höher. Nimmt man 1970 als Ausgangspunkt mit 100, so liegt dieser Index Ende April 2026 bei 1.195,69 – also fast beim Zwölffachen. So inflationär sind die Preise!
Nicht in diesen Preisen inbegriffen sind die TVA und die Grundstückspreise, wobei letztere noch stärker gestiegen sind als der Rest.
Unterschiedliche Preisentwicklungen bei den einzelnen Gewerken erklären sich zum Teil aus den Preisentwicklungen bei den Materialkosten, zum anderen aus der Konkurrenzsituation in diesem Bereich.
Wohnbau kann nur dann billiger werden, wenn die Anforderungen an den Bau gesenkt werden. Das erklärt übrigens die niedrigeren Baupreise bei unseren drei Nachbarn, wo die EU-Vorgaben nur zum geringstmöglichen Niveau gefordert werden, während Luxemburg den Musterschüler gibt. Deshalb sind Wohnungen bei den Nachbarn günstiger, was sich zu den dort billigeren Grundstückspreisen addiert und einen Gutteil der Erklärung für die Zunahme dieser speziellen Auswanderung ist.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

