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Krieg und Faschismus statt Olympiade

Übernommen von Unsere Zeit:

Die ACPEPF (Katalanischer Verband der ehemaligen politischen Gefangenen des Franquismus) hat zum 90. Jahrestag der Volksolympiade umfangreiches Material zu diesem Thema zusammengestellt. Die FIR (Internationale Föderation der Widerstandskämpfer) hat daraus eine Zusammenstellung in englischer Sprache erstellt, die wir an dieser Stelle in deutscher Übersetzung dokumentieren.

Im März 1936 wurde das Comitè Català pro Esport Popular (CCEP, Katalanisches Komitee für Volkssport) gegründet, mit dem Ziel, Sport für alle zugänglich zu machen. Im April 1936 schlug das CCEP vor, internationale „Volksspiele“ zu organisieren – als Alternative zur faschistischen Propaganda der Olympischen Spiele in Berlin. Im Mai 1936 wurde das COOP (Comitè Organitzador de l’Olimpíada Popular, Organisationskomitee der Volksolympiade) gegründet. Innerhalb von drei Monaten wurden in mehreren Städten Spaniens Kommissionen und Komitees eingerichtet, um das Sportprogramm auszuarbeiten und die gesamte Infrastruktur zu organisieren. Möglich wurde dies durch die Arbeit von sozialen und sportlichen Basisorganisationen in Katalonien sowie durch Tausende von Freiwilligen. Die Kosten wurden von der französischen Regierung, der spanischen Regierung und der Generalitat de Catalunya (der katalanischen Regionalregierung) übernommen.

In Rekordzeit meldeten sich mehr als 6.000 Sportlerinnen und Sportler aus 23 Ländern an. Es war ein riesiger Erfolg. Zum Vergleich: An den Olympischen Spielen in Berlin nahmen 4.106 Sportlerinnen und Sportler aus 49 Ländern teil. Die fortschrittliche Haltung der Organisatoren ermöglichte die Teilnahme von Mannschaften aus staatenlosen Nationen und Regionen, darunter Katalonien, Galicien, das Baskenland, das Elsass, Lothringen und Marokko (damals eine französische Kolonie). Es gab auch eine Mannschaft, die jüdische Einwanderer vertrat, was den antifaschistischen Charakter der Volks­olympiade unterstrich. Frankreich stellte mit 1.500 Athleten die größte internationale Delegation. Es waren Wettkämpfe in 19 Sportarten geplant: Leichtathletik, Fußball, Rugby, Tennis, Basketball, Schwimmen, Handball, Radsport, Tischtennis, Boxen, Ringen, Pelota, Schießen, Rudern, Kegeln, Baseball, Schach, Turnen usw. Bei den Olympischen Spielen in Berlin waren es 22 gewesen.

Die Volksolympiade sollte in der Woche vom 19. bis 26. Juli 1936 stattfinden. Hauptaustragungsort war das Olympiastadion auf dem Montjuïc. Zu den weiteren Sportstätten gehörten das Velodrom im Maricel-Park, Schwimm- und Sportanlagen, das Stadion „Les Corts“ des FC Barcelona sowie die Fußballplätze in Júpiter und Martinenc. Auffällig war der hohe Anteil an Sportlerinnen – deutlich höher als in Berlin. Ein weiteres besonderes Merkmal war die gemeinsame Teilnahme von Spitzensportlern und Sportlern ohne Wettkampferfahrung. Für die Organisatoren verkörperte dies das Ideal des „Sports für alle“. Parallel dazu gab es im Rahmen der Volksolympiade eine „Kulturwoche“, die Sport und Kultur in Theatern, Jugendzentren und Kulturvereinen miteinander verbinden sollte.

Die Eröffnungsfeier war für den 19. Juli im Olympiastadion auf dem Montjuïc geplant – mit einem Festzug von mehr als 5.000 Sportlerinnen und Sportlern und 3.000 Vertreterinnen und Vertretern der Volkskultur (Folkloregruppen, traditionellen katalanischen Menschenpyramiden usw.) sowie einer Rede des Präsidenten der Generalitat, Lluís Companys. Die Hymne der Volksolympiade wurde von Josep Maria de Sagarra komponiert und das Eröffnungskonzert sollte von Pau Casals gegeben werden.

Am 19. Juli erwachte Barcelona jedoch zum Klang von Schüssen und einem Generalstreik. Die Volksolympiade war vorbei: Der Spanische Bürgerkrieg hatte begonnen. Ein paar Tage später wurden die Sportler mit einem Festzug auf den Ramblas verabschiedet; viele von ihnen schlossen sich den antifaschistischen Milizen an, aus denen später die Internationalen Brigaden hervorgingen. (…)

Quelle: Unsere Zeit

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