Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
In seiner jüngsten Inflationsprognose hat das nationale Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien Statec seine Vorhersagen deutlich nach unten korrigiert. Für 2026 wird eine Inflation von 1,8 Prozent, für 2027 von 2,1 Prozent prognostiziert.
Dies beruht auf der Prognose des britischen kommerziellen Wirtschaftsinstituts »Oxford Economics«, das in einem zentralen Szenario von einem anhaltenden Preisrückgang für das Rohöl der Sorte Brent während der zweiten Jahreshälfte 2026 und anschließend auch im Jahr 2027 ausgeht.
Weil wir es hier alles andere als mit einer exakten Wissenschaft zu tun haben, handelt es sich um eine Schätzung, die von vielen Unbekannten geprägt ist, angefangen mit dem Zustand der Lieferketten infolge von Kriegen und Wirtschaftskriegen und deren Langzeitfolgen. Denn sind Lieferketten erst einmal gestört, wie im Fall der Wirtschaftssanktionen der USA gegen eine Reihe Länder, oder zerstört, wie das infolge des Aggressionskriegs der USA und Israels gegen den Iran der Fall ist, sind sie nicht auf Knopfdruck wieder in Gang zu setzen, auch wenn der eigentliche Konflikt bereits beigelegt wurde, was bis dato keineswegs der Fall ist.
Die Folgen sind vielfältig und treffen, um beim Beispiel des Aggressionskriegs gegen den Iran zu bleiben, insbesondere die Betriebe, die auf Benzin, Diesel, Motoröl, Helium und Stickstoffdünger angewiesen sind.
Besonders hart trifft es aber die Schaffenden und Rentner, weil die Teuerung praktisch alle Konsumwaren und Lebensmittelgruppen, einschließlich der Grundnahrungsmittel betrifft. Hinzu kommt, dass nicht wenige Handelskonzerne die Lage ausnutzen, um ihre Profitrate mit Hilfe überhöhter Preise oder Mogelpackungen heraufzuschrauben, ohne dass sie dabei gestört werden.
Die Regierung analysiere die Situation kontinuierlich, heißt es seitens des Wirtschaftsministeriums. Aber was tut sie, um die reale Belastung der Bürger deutlich zu senken?
Nichts einzuwenden gegen die (bescheidene und zeitlich begrenzte) Senkung des Benzin- und Dieselpreises seit Juli und des Gas-, Heizöl- und Strompreises ab August, aber ist das wirklich mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein?
Ausgerechnet im Lebensmittelbereich bleibt die Regierung völlig untätig, obwohl die Schaffenden und Rentner für Lebensmittel inzwischen einen deutlich höheren Anteil ihres Einkommens ausgeben müssen, es sei denn sie greifen verstärkt auf minderwertige Produkte und Konserven zurück. Klimabedingte Ernteausfälle könnten diese Entwicklung noch beschleunigen.
Unterdessen behauptet der Wirtschaftsminister, die Regierung habe »keinen direkten Einfluß auf die Preise«. Mit Einfluß hat das wenig zu tun, umso mehr aber mit fehlendem politischen Willen. Andersfalls ernsthaft darüber nachgedacht werden müsste, ein Preisamt zu schaffen, welches Fest-, beziehungsweise Höchstpreise, etwa bei Grundnahrungsmitteln, festlegen würde, oder eine Null-Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel zu beschließen.
Die Behauptung, der Kaufkraftverlust werde automatisch durch das Indexsystem kompensiert, greift angesichts der bestehenden Herausforderungen ohnehin zu kurz, denn während der nächsten zwölf Monate wird die Kaufkraft infolge der Preiserhöhungen kontinuierlich zurückgehen, bevor sie dann mit beim Erfall einer Indextranche teilweise ausgeglichen wird. Bis dahin wird für viele die Devise lauten, den Gürtel noch enger zu schnallen.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

