Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
In Norwegen befindet sich der »Weltweite Saatgut-Tresor Spitzbergen«, eine Einrichtung des Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt zur alljährigen Einlagerung von Saatgut. Ziel ist der Erhalt und der Schutz der Arten- und Varietäten-Vielfalt von Nutzpflanzen.
Wichtigste Aufgabe der Einrichtung ist die Lagerung einer Mindestanzahl von Saatkörnern der zur Ernährung der Menschen wichtigen Lebensmittel wie Weizen, Reis, Mais, Kartoffeln, Früchte, Nüsse und Wurzelgemüse. Inzwischen befinden sich mehr als 1,3 Millionen Proben im Bestand des Saatgut-Tresors.
Neben dem Saatgut-Tresor in Norwegen gibt es in zahlreichen Ländern strategische Reserven an Saatgut, welche erfordert sind, um die biologische Vielfalt und die Nahrungsproduktion bei Krisen aller Art zu sichern.
Hinzu kommen strategischen Reserven, die, wie das in unseren Nachbarländern Frankreich und Deutschland der Fall ist, größere Mengen an Brotgetreide, Reis und Hülsenfrüchte umfassen. Deren Bestände werden regelmäßig und schrittweise ausgetauscht.
In Luxemburg gibt es, wie aus der gemeinsamen Antwort von Landwirtschaftsministerin Hansen und Premierminister Frieden hervorgeht, keine nationale strategische Reserve an Saatgut.
Saatgut für Pflanzensorten wird hierzulande nicht hergestellt
Die Quantitäten der nationalen Produktion an Saatgut – vorwiegend Getreide, Gräser und Setzkartoffel – seien detailliert bekannt, es gäbe aber keine Verpflichtung für Produzenten, Bauern und Händler, ihre Reserven an Samen und Setzkartoffeln mitzuteilen.
Saatgut für Pflanzensorten werde hierzulande ohnehin nicht hergestellt, sondern das erforderliche Basismaterial werde im Ausland bei Züchtern eingekauft. Damit ließen sich aus rechtlichen und agronomischen Gründen aber nur eine begrenze Anzahl von neuen Generationen vermehren.
Das EU-Sortenschutzrecht verbiete, geschützte Sorten ohne Erlaubnis des Saatgutzüchters zu vermehren und zu vermarkten. Daher gibt es Zuchtlizenzen, deren Preis auf den zertifizierten Quantitäten berechnet wird.
Bauern dürfen wohl Samen aus der eigenen Ernte wieder aussähen. Damit verbunden ist aber das Risiko, dass die Qualität und der Ertrag mit den Jahren abnimmt. Das gilt insbesondre bei gewissen Hybridsorten, da die Folgegeneration ihre Eigenschaften verliert oder keine samenfesten Erträge liefert.
Das Saatgut für Mais und Raps werde gänzlich importiert, das gelte auch für die meisten Grassorten, schreiben die Minister. Anders ist es beim Getreide. Bei allen Arten, die hierzulande angebaut werden, werde auch Saatgut produziert
Die Produktion und die Lagerung von Getreide und Setzkartoffeln erfolgt hierzulande im Jahresrhythmus, besonders bei teurem Saatgut wie etwa bei Mais und Raps ist das auch der Fall.
Luxemburger Setzkartoffel für belgische Pommes frites
Bei Setzkartoffeln sei das anders ohnehin anders nicht möglich, wobei die Setzkartoffel aus nationaler Produktion zum größeren Teil ins Ausland verkauft werden. Es handele sich dabei um Sorten, die in unseren Nachbarländern zur Produktion von Pommes frites bestimmt seien.
Zu allen Zeiten im Jahr sei hierzulande Saatgut vorhanden, aber nur eine begrenzte Auswahl an Arten und Sorten.
In der Antwort auf die parlamentarische Anfrage heißt es, im Rahmen der nationalen Resilienzstrategie würden die bestehenden Produktions- und Vermehrungskapazitäten im Saatgutbereich »analysiert«, bevor festgehalten werden soll, ob und in welchen Bereichen zusätzliche Maßnahmen notwendig und sinnvoll seien.
Ob es anschließend zu einer nationalen strategischen Reserve kommen wird, steht daher noch in den Sternen.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

