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»Kriegstüchtigkeit« kostet Menschenleben

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:

Hilfsorganisationen klagen regelmäßig über stark reduzierte Budgets für ihre Tätigkeit, die an vielen Orten der Welt Menschenleben retten soll. So wurde vor wenigen Tagen im deutschen Staatsfernsehen berichtet, daß humanitäre Helfer im Sudan, einem der nicht so häufig erwähnten Krisengebiete, die Zuwendungen an die wachsende Zahl von Kriegs- und Krisenflüchtlingen inzwischen stark reduzieren mußten, weil die »reichen Geberländer«, vor allem die USA und auch Deutschland, ihre Zahlungen drastisch gekürzt haben, Bilder von stark unterernährten Kleinkindern machten das real existierende Elend besonders deutlich. Den Kindern werden in der Regel wirksame Nahrungsergänzungsmittel verabreicht, um sie vor dem drohenden Hungertod zu retten. Wegen ausbleibender Finanzen, sagte einer der Helfer, mußten die Dosierungen pro Kind inzwischen halbiert werden.

Auch in den »reichen« westlichen Ländern ist die Zahl der Toten aufgrund der ungewöhnlich starken Hitzewelle stark angestiegen. Allein in Deutschland habe die Hitzephase ab Mitte Juni nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 5.100 Menschen das Leben gekostet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Zahl der Hitzetoten weltweit auf rund eine halbe Million Menschen. Noch mehr Menschen sterben jährlich an den Folgen von Kälte. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar, erklärt die WHO, wenn es »bessere Schutzmaßnahmen besonders für Alte, Kranke, Schwangere und Kinder, aber auch für Arbeiter und sozial benachteiligte Menschen« gäbe.

Effektive Einrichtungen zur Verhinderung und Bekämpfung der alljährlich wieder auftretenden Waldbrände, eine bessere Ausstattung von Krankenhäusern mit gut ausgebildetem Personal und entsprechenden Einrichtungen wären die dringendsten Maßnahmen, um eine große Zahl der Toten zu verhindern. Dafür müßte eine Menge Geld investiert werden, und zwar durch die Staaten, deren Aufgabe der Schutz ihrer Bürger ist. Für die Rettung von Flüchtlingen in Kriegs- und Krisengebieten braucht es außer Geld vor allem eine Politik, die sich die Abschaffung der Ursachen für Kriege und Krisen, die Beendigung aller Kriege zum Ziel stellt.

Doch das notwendige Geld wird immer knapper. Etats für den Brandschutz, das Gesundheitswesen, den sozialen Wohnungsbau werden drastisch zusammengekürzt, weil nach den Gesetzen des Kapitalismus damit kein Profit zu machen ist. Zudem werden diese Mittel gekürzt, weil das Geld an anderer Stelle offenbar dringender gebraucht wird, wie zum Beispiel dafür, den Stellvertreterkrieg in der Ukraine weiter anzuheizen und dem wirtschaftlichen Gegner Rußland eine Niederlage zuzufügen. Der Kauf von Raketen und Drohnen zum Angriff auf russische Raffinerien ist den herrschenden Politikern wichtiger. Die beständige Wiederholung der Lüge über eine angebliche »Bedrohung aus dem Osten« soll den Menschen mehr Angst machen als die Bedrohung des Lebens durch unzureichende Mittel für den Schutz des eigenen Lebens und der Gesundheit.

Viele Euros sollen rollen für die Herstellung von »Kriegstüchtigkeit«. Umso ungestörter können immer neue Milliarden in die Rüstung gesteckt werden, in eine Industrie, die den Besitzenden riesige Profite einbringt. »Kriegstüchtigkeit« ist allerdings eine Vorstufe zur Bereitschaft, Kriege zu führen. Und so kostet »Kriegstüchtigkeit« bereits Menschenleben, bevor es wirklich zum Krieg kommt.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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