Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Am 13. Juli 2026 eröffnete Bundeskanzler Friedrich Merz an der Universität zu Köln feierlich die private »Adenauer School of Government«. In seiner Festrede betonte er, daß von diesem Institut künftige Führungskräfte kommen sollten, die eine »selbstbewußte Neuordnung der Welt« vorantreiben und die Digitalisierung sowie Modernisierung des Staates vor allem durch die Befähigung der Streitkräfte unterstützen werden. Die Einrichtung wird über indirekte Wege von einem der verschwiegensten Milliardärs-Clans Deutschlands finanziert, berichtet der deutsche Publizist Werner Rügemer.
Auf seiner Webseite bezeichnet sich Werner Rügemer als Referent, Sachbuchautor und »interventionistischer Philosoph«, der den gegenwärtigen, von den USA geführten, westlichen Kapitalismus untersucht hinsichtlich der neuen Kapitalorganisatoren wie BlackRock, der Private Equity- und Hedgefonds, ihrer Regierungsbeziehungen und ihrer Berater-Heere wie auch hinsichtlich der zersplitterten und weitgehend entmachteten Klasse der abhängig Beschäftigten. Daher hat er die Hintergründe der Gründung der privaten Elite-Uni in Köln in einem detaillierten Artikel auf den »Nachdenkseiten« beleuchtet, der nachfolgend zusammengefaßt ist:
Laut Werner Rügemer fand die Eröffnungsfeier unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Der Albertus-Magnus-Platz vor dem Hauptgebäude der Uni Köln war hermetisch abgeriegelt und von Polizeiwagen umstellt. Sprengstoffexperten mit Spürhunden durchsuchten das Gebäude und kontrollierten die Ausrüstung der Journalisten. Im Saal selbst galten strenge Vorschriften: Die ausgewählten Zuschauer durften beim Beifall nicht aufstehen. Merz verließ den Raum unmittelbar nach seiner Rede als Erster, womöglich um unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen.
»Eine seit der Nazizeit nicht mehr gesehene Aufrüstung«
Während der Kanzler im Auditorium sprach, versammelten sich mehrere Tausend Studenten hinter dem Universitätsgebäude zum Protest. Auf Transparenten oder vielen Dutzend hochgehaltenen Protestschildern hieß es: »74 % unzufrieden – für wen regiert Merz?«, »Mehr Herz statt Merz«, »Tax the Rich« und »Reformen – das ist Klassenkrieg«. Paula Woltering von »Studis gegen Rechts« erklärte, daß Studenten, Beschäftigte und Erwerbslose gemeinsam eine andere Politik forderten. Die Regierung kürze bei Krankenkassen, Pflegeversicherung, Grundsicherung und Rente, während die Protestierenden soziale Absicherung, kürzere Arbeitszeiten und höhere Löhne verlangten.
Die Rednerin kritisierte die beispiellose Aufrüstung und die geplante Wehrpflicht. Die Studenten wollten keinen Krieg und keinen Genozid, sondern Abrüstung, Diplomatie und die Einhaltung des Völkerrechts. »Die Regierung finanziert mit Milliarden eine seit der Nazizeit nicht mehr gesehene Aufrüstung. Mit der Wehrpflicht sollen junge Menschen wieder das Töten und Sterben lernen. Wir wollen keinen Krieg und keinen Genozid. Wir fordern Abrüstung, Diplomatie, die Einhaltung des Völkerrechts und ein Ende der imperialistischen Gewalt.«
Der AStA-Vorsitzende Frederick Heinz verwies auf konkrete Folgen dieser Politik für die Universität, zum Beispiel die Streichung der Professur für Disability Studies, die ausbleibende BAföG-Anpassung und den Angriff auf Zivilklauseln, um mehr Geld in die Rüstungsforschung zu stecken. Die Studenten kämpften für ein BAföG für alle und eine Hochschule, die einer gerechten, demokratischen und friedlichen Welt diene.
Die Proteste zeigte, schreibt Werner Rügemer, daß es unter Studenten und in der Gesellschaft erheblich mehr Widerstand gebe gegen die Verknüpfung von elitärer Ausbildung und Militarisierung auf einer Seite und sozialen Kürzungen auf der anderen, als von den Medien berichtet werde. Die Themen würden zwar die Universität betreffen, sie gingen aber auch weit in die Gesellschaft hinein. So erklärte Paula Woltering von »Studis gegen Rechts«: »Egal ob Studierende, Schüler, Krankenhausbeschäftigte oder Erwerbslose, wir alle wollen Besseres als die antisoziale Politik der großen Koalition unter Friedrich Merz.«
Privat-Uni zu Verbesserung der Kriegstüchtigkeit
Nun kommen wir zum zweiten Teil, der die Hintergründe der Finanzierung der Privat-Uni zu Verbesserung der Kriegstüchtigkeit zukünftiger elitärer Führungskräfte beleuchtet. Wie bereits eingangs erwähnt soll die »Adenauer School of Government« von einem der reichsten und zugleich verschwiegensten deutschen Milliardärs-Clans finanziert werden: Zehn Millionen Euro jetzt zum Start und zehn Millionen jedes Jahr, für unbegrenzte Zeit. Die Millionen kommen von der Familie Reimann. Wenn Sie, liebe Leser, jetzt denken: »Nie von denen gehört«, dann zeigt das, wie erfolgreich dieser Familien-Clan mit dunkler Nazi-Vergangenheit sein Verschwinden von der Oberfläche der medialen Aufmerksamkeit organisiert hat. Hier folgt eine stark gekürzte Darstellung, die sich bei Werner Rügemer wie ein Krimi liest.
Aufstieg mit Hitler und Adenauer
Das große Geld kommt aus der unternehmerischen Erfolgsgeschichte der Reimanns, zuerst mit dem Hitler-Regime. Albert Reimann, 1898 geboren, stieg im 1823 von Johann Adam Benckiser in Pforzheim gegründeten chemischen Mittelstandsunternehmen Benckiser auf, das später nach Ludwigshafen am Rhein verlagert wurde – in den Schatten des größeren Chemiekonzerns BASF. Der Chemiker Ludwig Reimann trat in das Unternehmen ein; die Familie Reimann führte das Geschäft über Generationen weiter. Vater Albert Reimann wie auch sein gleichnamiger Sohn begeisterten sich früh für Hitler: 1931 wurde Sohn Albert, damals schon führender Benckiser-Manager, Mitglied im gerade gegründeten SA-Motorsturm und im Nationalsozialistischen Kraftfahrer-Korps NSKK; am 1. Februar 1932 trat er der NSDAP bei, war für die Hitler-Partei im Stadtrat, und schon 1933 wurde Benckiser zum »NS-Musterbetrieb«. Einen großen Teil ihres Reichtums, der 2023 auf 35,5 Milliarden Euro geschätzt, wurde, verdankt die Familie der gnadenlosen Ausbeutung von Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs. Sowohl Albert Reimann junior wie auch sein Vater bis zuletzt an den Endsieg der Nazis.
Nach dem Krieg stellten sich die Reimanns, von der USA-Militärregierung geschützt, als Nazi-Opfer dar. Albert Reimann wurde mit Hilfe freundlicher »Persilscheine« aus der ursprünglichen, schon zu harmlosen Einstufung als »Belasteter« (Gruppe II) zum »Mitläufer« (Gruppe IV) herabgestuft, zahlte 2.000 Mark und konnte weitermachen. Alle Kriegsgewinne konnte Benckiser behalten.
Die alten Beziehungen zu Hitlers Rüstungsminister Albert Speer wurden nach dessen Entlassung aus dem Gefängnis 1966 sofort wieder aufgenommen: Albert Reimann engagierte den alten Freund Speer als Berater für die anstehende Umstrukturierung des Benckiser-Konzerns.
Mit mehreren Jubiläumsschriften – 1958, 1973, 1978 – wurde die Nazi-Zeit lügenhaft übertüncht. Albert Reimann bekam auf der Höhe seines neuen Erfolgs 1963 das Große Verdienstkreuz der christlichen Konrad-Adenauer-Regierung. Und das wurde 1973 noch gesteigert durch das Große Verdienstkreuz mit Stern – von der sozialdemokratischen Willy-Brandt-Regierung.
Weder in den Schriften und Dokumenten der zahlreichen, auf mehrere Staaten und Finanz-Oasen verstreuten Unternehmen, Tochter- und Briefkastenfirmen, noch auf den Produkten dieser Firmen erschien der Name Reimann oder Benckiser. Die milliardenschweren Eigentümer waren unsichtbar gemacht morden.
Von der Benckiser-Stiftung zur »Landecker Foundation«
Die komplette Umsetzung des Projekts »Vergessen der Nazi-Vergangenheit« dauerte etwa drei Jahrzehnte. Dafür zuständig war der Umstrukturierungsmanager Peter Harf, er ist auch Chef der großzügigen Stiftung, die jetzt die jährliche Zahlung von zehn Millionen an die »Adenauer School of Government« übernommen hat. Die kommen als Brosamen von den Milliarden den Erben der Reimann-Familie. Aber die Stiftung heißt nicht Reimann-Stiftung, auch nicht Benckiser-Stiftung, sondern sie heißt Alfred-Landecker-Stiftung, nach dem gleichnamigen, vom den Faschisten 1944 ermordeten Juden Alfred Landecker.
Konrad Adenauer, von 1917 bis 1933 außergewöhnlich hoch bezahlter Oberbürgermeister von Köln, dann ab 1921 bis 1933 gleichzeitiger hochbezahlter Präsident des Preußischen Staatsrats in Berlin und vor allem während dieser Zeit Mitglied von einem Dutzend Aufsichtsräten, etwa der Deutschen Bank. Der NSDAP-Staat zahlte ihm dann auf der Grundlage seines hohen Einkommens eine hohe Pension, bewilligt auf Lebenszeit, und seine Millionen durfte er behalten. Gegen Hitler hatte er grundsätzlich nichts: »Meinetwegen auch Hitler«, schrieb er nach Hitlers Machtantritt an seine Bankiersfreundin Dora Pferdmenges.
So sah man es dann auch in der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland, geführt vom CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler Konrad Adenauer. Der verlieh denn auch dem von der USA-Militärregierung geschützten Benckiser-Chef Albert Reimann das Große Verdienstkreuz.
Und Friedrich Merz, Adenauers später Nachfolger als CDU-Vorsitzender und Bundeskanzler, hatte sich ab 2005 bis 2021 ebenfalls zum Multimillionär gemacht, erst als Miteigentümer der US-amerikanischen Wirtschaftskanzlei Mayer Brown, als Berater von Investoren aus den USA beim Ausverkauf des deutschen Mittelstands, dann wie Adenauer mit einem Dutzend Mandaten in Unternehmensaufsichtsräten, und schließlich ab 2016 gleichzeitig als Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Tochterfirma von BlackRock, des inzwischen größten Aktionärs, also Eigentümers führender Unternehmen in Deutschland, zum Beispiel beim Rüstungskonzern Rheinmetall und im Wohnungskonzern Vonovia. Friedrich Merz verheimlicht nicht nur seine persönlichen Millionenvermögen, sondern in der Regierung auch die Milliardenvermögen der ungleich reicheren BlackRock-Kunden.
So führt Bundeskanzler Merz die von Bundeskanzler Adenauer begründete Politik weiter, jetzt auch mit der »Adenauer School of Government« an der Universität Köln, mit Hilfe der Reimanns, die sich hinter einem Nazi-Opfer verstecken, aber ihren Ursprung in den Profiten aus der Zeit der Herrschaft der Hitler-Faschisten und des Zweiten Weltkriegs haben.
Regieren lernen, das heißt, so Merz auch mit Hilfe der erhofften Führungskräfte der »Adenauer School of Governance«: Neu aufrüsten gegen Rußland.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

