Übernommen von KOMintern:
Als ob es noch eines letzten Winks bedurfte, hat uns gleichsam pünktlich zum Volksstimmefest das Kapital geradezu sinnbildlich nochmals seine perverse Logik andemonstriert: Zusätzlich zu den bereits seit dem Vorvorjahr zur Streichung vereinbarten 50.000 Jobs, hat VW-Konzern gestern bekanntgegeben, nochmals weitere 50.000 und damit insgesamt 100.000 Jobs zu vernichten. Parallel stehen die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm zwischen 2031- 2034 vor der Werkschließung und soll aus dem Standort Osnabrück eine Rüstungswerkstätte des israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems werden. An den Börsen knallten ob dieser Bombe, dem größten Personalkahlschlag der Konzerngeschichte, heute sogleich die Sektkorken. Die VW-Vorzugsaktien schossen um fast 10% in die Höhe und rissen mit ihrer profitgetriebenen Abrissbirne auch die weiteren Branchenriesen BMW und Mrecedes mit.
Die Akkumulationskrise der, insbesondere deutschen, Autoindustrie – Überkapazitäten, holpriger E-Mobilitäts-Umbau, chinesische Automobil-Konkurrenz, US-Zollgefechte, stark steigende Energiepreise – wird nicht aus den fetten Gewinnen der letzten Boomjahre beglichen. So verzeichnete VW nach jahrelangem Boom noch 2023 mit einem operativen Gewinn von 22,6 Milliarden Euro das beste Geschäftsjahr des Volkswagenkonzerns und auch die, freilich rückläufigen, Gewinne von 12,4 und 6,9 Milliarden Euro 2024 und 2025 sind nicht gerade ein Minus, und verfügt über einbehaltene Gewinnrücklagen von über 130 Mrd. Euro.
Im Gegenteil. VW-Chef Oliver Blume „will den Konzern für die Aktionäre (vielmehr) gnadenlos auf 10 [oder zumindest 9] Prozent Rendite trimmen“. (Willy Sabautzki) Auf Kosten der Beschäftigten, sowie der Kommunen, Zulieferbetrieben, örtlichen Handwerker, den Dienstleistern und des gesellschaftlichen sozialen Netzes, wie ebenso der rund 135 direkt an Volkswagen liefernden österreichischen Zulieferbetriebe und der weiteren heimischen Automobilzulieferindustrie.
Dass die „eigentliche Krise der Autoindustrie“ zudem insbesondere „im jahrelangen Festhalten des deutschen Kapitals am profitstarken Verbrenner- und SUV-Geschäft“ und Premium-Limousinen (sprich: großer, teurer Autos) liegt (Wolfgang Müller) und die VW-Bosse unternehmensstrategisch einzig mit ihrer brachialen personellen und betrieblichen Kahlschlagpolitik,einer sozial-reaktionären Eingabe resp. Brandbriefs an die deutsche Regierung und dem unentwegten Drang nachVerwässerung der CO2-Vorgaben der EU auffallen, ist auch von anderen Seiten vielfach konstatiert. Entsprechend investierte VW zuletzt mit rund 55 Mrd. Euro bis 2030 sogar knapp ein Drittel seiner gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben in neue, modernere Verbrenner-Modelle, während der ganz auf E-Mobilität ausgelegte Standort Zwickau nun vor dem voraussichtlichen Aus steht.
Dass auch Betriebsrat und Gewerkschaften – nebst den Vertretern des SPD-regierten Landes Niedersachsen – im Aufsichtsrat nun dem größten Kahlschlag der Werksgeschichte zugestimmt haben, um wie sie erklärten eine „gefährliche Eskalation des Konflikts“ zu verhindern, sprich: den konsequenten Widerstand und Arbeitskampf – samt ökologisch tragfähiger Perspektive der Mobilität und ziviler (!) Konversion –zu verräumen, zeigt nur einmal mehr die Notwendigkeit der Wiederherstellung der Klassenfunktion der Gewerkschaften und ihrer Umwandlung in ein Kampfinstrument der Arbeitenden. Umso mehr: Schau vorbei am KOMintern-Stand am VS-Fest.
Bild: Von BICYCLE, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33039302
Quelle: KOMintern

