Start / Europa / Luxemburg / ZLV / Damit Armut, Arbeitslosigkeit und Ungleichheiten nicht in Vergessenheit geraten

Damit Armut, Arbeitslosigkeit und Ungleichheiten nicht in Vergessenheit geraten

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:

Am gleichen Tag, als in der Chamber die Haushaltsvorlage für das Jahr 2027 deponiert wurde und im Hohen Haus über die hohen Sozialausgaben und Maßnahmen gegen die Armut jubiliert wurde, wurde zeitgleich von der »Chambre des salariés« das »Sozialpanorama 2026« veröffentlicht.

Die Studie ist ein Gegengewicht zu dem beschönigenden Regierungsdiskurs und legt anhand von umfangreichem Zahlenmaterial schonungslos das Ausmaß der Armut und der Ungleichheiten im Land offen. Damit wolle man, so CSL-Präsidentin Nora Back, dazu beitragen die Debatte über die Armut, die Ungleichheiten, und die Arbeitslosigkeit wachzuhalten und immer wieder ankurbeln.

Traditionell befasst sich die Studie, die im 16. Jahr ihres Erscheinens 160 Seiten umfasst, mit den Themenbereichen Ungleichheiten und Armut, Arbeitslosigkeit und Beschäftigung, Arbeitsbedingungen und Qualität der Arbeit.

Aus der Studie geht hervor, dass im Jahr 2025 ganze 14,8 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet waren, 22,4 Prozent, also mehr als jeder 5. Haushalt angab, Schwierigkeiten zu haben, um die beiden Enden zusammenzubekommen, und die 30 Sozialämter im Land nicht rückzahlbare Beihilfen in Höhe von 6 Millionen Euro ausbezahlten, wovon ein immer größerer Teil dazu dient, die Miete zu bezahlen oder Lebensmittel einzukaufen.

Die Ungleichheiten sind inzwischen so groß, dass das Einkommen der reichsten 20 Prozent der Bevölkerung 4,6 Mal höher ist als das Einkommen der ärmsten 20 Prozent.

Das Einkommen von Alleinerziehenden liegt gerademal bei 65 Prozent des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens, bei Haushalten mit drei Kindern sind es 75 Prozent, bei Haushalten ohne Kinder 111 Prozent.

Aus der Studie geht weiter hervor, dass 22,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren armutsgefährdet sind. Bei den 18- bis 24-jährigen beträgt dieser Anteil sogar 26 Prozent, und bei den Alleinerziehenden mit einem Kind ganze 40,5 Prozent.

Deutlich dazu beitragen die hohen Mietpreise, was zur Folge hat, dass bei den Alleinerziehenden 40,5 Prozent außerstande sind eine unvorhergesehene Ausgabe zu bestreiten, während 16,6 Prozent mit ihren Zahlungen im Rückstand sind.

Geradezu beschämend für die Regierung ist, dass ihr Einsatz als Steigbügelhalterin der Interessen des Kapitals dazu geführt hat, dass es inzwischen eine historisch hohe Arbeitslosigkeit von 6,5 Prozent in Luxemburg gibt, immer mehr Menschen mit Behinderung oder mit höheren Diplomen arbeitslos sind, und dass seit mehreren Jahren die Zahl der Jugendlichen, die weder im Arbeitsprozess sind noch Bildungsmaßnahmen wahrnehmen, immer weiter steigt.

Festzuhalten ist auch, dass immer mehr Menschen, die arbeiten, armutsgefährdet sind. Das betrifft 7 Prozent der Lohnabhängigen, die vollzeitbeschäftigt sind und 14 Prozent der Schaffenden, die einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, weshalb immer mehr Teilzeitbeschäftigte länger arbeiten würden, hätten sie dazu die Möglichkeit.

Die schlimmste
Ungleichheit ist die
zwischen Kapital und Arbeit

Die schlimmste Ungleichheit besteht aber nicht zwischen den hohen und niedrigen Löhnen, sondern eindeutig zwischen Kapital und Arbeit.

In der Studie wird festgehalten, dass von der Bruttowertschöpfung nur 59,7 Prozent an die Arbeit geht, während 40,3 Prozent dem Kapital in Form von Gewinnen, Zinsen oder Vermögenserträgen zufließen. In Belgien, Frankreich und Deutschland ist der Anteil von der Bruttowertschöpfung, der an die Lohnabhängigen geht, höher als in Luxemburg, was die Schlussfolgerung nahelegt, dass auch die Ausbeutung hierzulande höher ist.

Auf einige Aspekte des »Sozialpanorama 2026« werden wir in den nächsten Tagen zurückkommen.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Markiert: