Übernommen von der Kommunistischen Partei Großbritanniens:
Die Nachwahl in Holborn & St Pancras am 8. Oktober ist Keir Starmers Racheakt an seinen ehemals „treuen Kollegen“, die ihn zugunsten des „Königs des Nordens“ fallen ließen, sobald Andy Burnham bei der Nachwahl in Makerfield im Juni dieses Jahres gewählt worden war. Bei jener Nachwahl hatte Labour „Reform UK“ auf den zweiten Platz verwiesen. Bei dieser Nachwahl besteht keine derartige Wahlbedrohung durch die extreme Rechte. Das Ergebnis wird kaum Auswirkungen auf die parlamentarische Mehrheit der Labour-Partei mit 174 Sitzen haben. Burnham, der durch eine Hinterzimmervereinbarung zum Premierminister geworden ist, hat bereits angekündigt, dass er keine vorgezogenen Parlamentswahlen ausrufen wird.
Starmers „Labour Together“-Clique in Holborn & St. Pancras schickt die Vorsitzende des Camden Council, Sagal Abdi-Wali, als Kandidatin der Labour-Partei ins Rennen. Ihre Bilanz als Stadträtin ist kurz und wenig ruhmreich. Sie wurde 2022 nach einer Säuberungsaktion gegen den linken Flügel der Labour-Partei gewählt und wurde in Camden Kabinettsmitglied für „Better Homes“. Im November 2024 stellte der Wohnungsombudsmann allein für den Zeitraum 2023–24 124 Fälle von Verwaltungsmissständen in Camden fest (83 % aller untersuchten Fälle), während die Obdachlosigkeit stark anstieg. Im Jahr 2025 gehörte Sagal zu den Stadträten, die einen Antrag auf Veräußerung von Anteilen aus dem Rentensystem von Camden an Unternehmen, die sich am Völkermord Israels mitschuldig gemacht haben, durch eine Filibuster-Aktion blockierten. Im Mai 2026 wurde Sagal Ratsvorsitzende, nachdem die Grünen ihren Vorgänger abgesetzt hatten. Ihr Wahlkampf basiert auf leeren Versprechungen und falschen Hoffnungen.
Holborn & St. Pancras steht im Rampenlicht, weil der Vorsitzende der Grünen, Zack Polanski, in einem gewinnbaren Wahlkreis gegen einen derart schwachen Kandidaten antritt. Die Grünen setzen in Holborn & St. Pancras alles auf eine Karte, doch Polanski wird dadurch behindert, dass nicht alle Wähler ein kurzes Gedächtnis haben. Im März 2015, fünf Jahre nach dem Amtsantritt einer konservativ-liberaldemokratischen Regierung, die für brutale Sparmaßnahmen verantwortlich war – darunter Kürzungen bei Sozialwohnungen, Bibliotheken und Jugendzentren –, kandidierte Polanski als Kandidat der Liberaldemokraten im Wahlbezirk St. Pancras und Somers Town, einem der am stärksten benachteiligten Bezirke von Camden mit hohen Anteilen an Sozialwohnungen und Kinderarmut. Als Kandidat der Liberaldemokraten in einem innerstädtischen Wahlbezirk der Arbeiterklasse auf dem Höhepunkt des Neoliberalismus nach dem „Orange Book“ aufzutreten, ist nicht einfach so zu übersehen.
Der neue „Grüne“ Polanski tritt öffentlich als pro-palästinensischer Kandidat an, unterstützt vom ehemaligen Unabhängigen Andrew Feinstein, der bei den Parlamentswahlen 2024 in Holborn & St. Pancras mit 18,9 Prozent der Stimmen hinter Starmer den zweiten Platz belegte. Polanskis Behauptung, gegen den Krieg zu sein, ist jedoch ebenso inkonsequent wie seine Parteizugehörigkeiten. Polanski unterstützt britische Waffenlieferungen an die Ukraine, um den Lieblingskrieg des britischen Establishments fortzusetzen.
Im Jahr 2023 gab die Grüne Partei ihre Politik des Austritts aus der NATO auf. Heute unterstützt die Grüne Partei von England und Wales die NATO-Propaganda, wonach die Organisation die Sicherheit der Mitgliedstaaten gewährleistet, und behauptet, sie wolle „die NATO von innen heraus reformieren“. Die Unfähigkeit der Grünen,
sich der weltweit führenden Kriegsmaschine zu widersetzen, sowie ihre Forderung an die NATO, eine „No First Use“-Politik in Bezug auf Atomwaffen zu verfolgen – also den Imperialismus aufzufordern, sich selbst zu reformieren –, spricht Bände. Polanskis eigener Wunsch nach „einem alternativen Bündnis mit Ländern in Europa“ wäre Musik in den Ohren jenes Flügels der deutschen Wiederaufrüstungslobby, der eine europäische NATO fordert.
Die Grünen konkurrieren mit der Labour-Partei und den Liberaldemokraten in ihrem ungebremsten Eintreten für eine Vollmitgliedschaft Großbritanniens in der EU, einschließlich des Wiedereintritts in die EU-Zollunion. Die Grünen sind in ihrer Ablehnung des Schutzes geschlechtsspezifischer Frauenrechte – einschließlich des gesetzlichen Rechts auf geschlechtergetrennte Räume – weiter gegangen als jede andere Partei.
Zu den weiteren Kandidaten gehört George Galloway von der Workers Party of Britain, dessen Wahlkampf ein Mikrokosmos seiner weitgehend online stattfindenden politischen Existenz ist. Im Gegensatz zu früheren Nachwahlen in Bethnal Green, Bradford und Rochdale wird Galloways Wahlkampf in Holborn & St. Pancras vom Ausland aus geführt und hat kaum Wurzeln in den lokalen Gemeinschaften. Wenn der Grund für die Aufstellung eines prinzipientreuen antiimperialistischen Kandidaten bei Wahlen darin besteht, eine Basisorganisation für die Macht der Arbeiterklasse aufzubauen, dann scheitert Galloway bereits an der ersten Hürde.
Angesichts dieser unattraktiven Auswahlmöglichkeiten und da bei der Nachwahl in Holborn & St. Pancras kein Kandidat der Kommunistischen Partei antritt, ruft der Vorstand der Kommunistischen Partei zu einer prinzipiellen Wahlenthaltung auf und fordert all jene, die mit der angebotenen Auswahl unzufrieden sind, dazu auf, sich uns beim Aufbau der Kommunistischen Partei Großbritanniens anzuschließen. Die Krise der politischen Vertretung der Arbeiterklasse lässt sich nicht lösen, indem man für einen der angebotenen Kandidaten stimmt.
Die dringenden Aufgaben der Stunde – den Aufbau einer stärkeren Friedensbewegung, die Beendigung des imperialistischen Gemetzels im Nahen Osten, in Afrika und in der Ukraine, den Austritt Großbritanniens aus der NATO-Kriegsmaschinerie sowie die Stärkung der Arbeiter*ngemeinschaften im Kampf für bessere Wohnverhältnisse, öffentliche Dienstleistungen und Arbeitsplätze – lassen sich nur durch den Aufbau einer stärkeren Kommunistischen Partei erreichen – nicht durch die Wahl von „Hopium“ oder Hype.
28. September 2026
Vorstand
Kommunistische Partei
Der Beitrag „Erklärung des Exekutivkomitees zur Nachwahl in Holborn & St. Pancras“ erschien zuerst auf der Website der Kommunistischen Partei Großbritanniens.

