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Präsidentschaftskandidat der PCF legt Jugendplan vor

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:

Die Protestbewegung der Oberschüler hat beispiellose Ausmaße erreicht, aber statt sich Gedanken über die Ursachen zu machen, beschränkt sich die Regierung darauf, mit Polizeigewalt gegen die Jugendlichen vorzugehen, um sie einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen. Das erklärte Fabien Roussel, der Nationalsekretär der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF), auf einer Pressekonferenz in Paris.

Es sei eine Schande für das Land, dass hier Granaten auf Kinder und Jugendliche geworfen werden. So könne man nicht der Krise begegnen, die das Land erschüttert, und sie bewältigen. Wie die Regierung mit Polizeigewalt gegen die Proteste vorgeht, sei unangemessen und gefährlich, schätzte der Politiker ein. Er erinnerte daran, dass seit Beginn der Bewegung 5.000 Jugendliche verhaftet wurden und dass 87 Prozent von ihnen minderjährig waren. Um die Bewegung zu diskreditieren, würden die Zerstörungen und Brandstiftungen durch einzelne Jugendliche – die dabei auch Schüler angreifen, die ihre Schule verteidigen – in den meisten Medien breit wiedergegeben, während die mit den Protesten verbundenen Forderungen übergangen oder banalisiert werden.

Bisher seien schon mehr als 1.000 Gymnasien durch die Bewegung erfasst, davon 100 allein in der Pariser Region. Die PCF und der Kommunistische Jugendverband unterstützten die Bewegung, die völlig legitim sei und von der Regierung sehr ernst genommen werden sollte. Die PCF und ihr Jugendverband haben landesweit 3.000 Beschwerdehefte verteilt, in denen die Schüler ihre Probleme und ihre Forderungen auflisten sollen, und die der Regierung übergeben werden.

»Es geht darum, die tiefen Wurzeln der Unzufriedenheit und der Proteste offenzulegen und die dabei erkannten Missstände abzuschaffen«, erklärte Fabien Roussel. »Was hier und heute passiert, betrifft unsere Jugend und damit die Zukunft unseres Landes. Die Probleme sind nicht neu. Sie werden – nicht zuletzt durch uns – seit Jahren angeprangert, aber von den Verantwortlichen nicht mit dem gebührenden Ernst behandelt.«

Umfragen zufolge sind 66 Prozent der 15-17-Jährigen »besorgt über ihre Zukunft« und was sie im Schulalltag erleben, bestärke sie darin. »In den vergangenen 20 Jahren haben die jungen Franzosen während ihrer Schulzeit im Schnitt insgesamt drei Jahre Unterricht verloren, weil keine Aushilfslehrer vorhanden waren, wenn ihr Lehrer wegen Krankheit fehlte«, rechnete Roussel vor. »Da muss man sich nicht wundern über Frankreichs schlechtes Abschneiden beim internationalen PISA-Vergleich.«

Diese Misere betreffe vor allem die öffentlichen Schulen, während sich die konfessionellen Privatschulen besser behaupten und viele bessergestellte Eltern deshalb ihre Kinder lieber in diese Schulen schicken. »Dabei sollte das Niveau der Schulausbildung für alle Kinder gleich sein und nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen«, betonte der Nationalsekrretär des PCF. »Das ist ein Grundprinzip der Schule der Republik, das uns am Herzen liegt und das wir verteidigen.«

In Zeiten der künstlichen Intelligenz, der dringend nötigen Reindustrialisierung des Landes und der Herausforderungen durch den Klimawandel komme der Schule eine große Rolle und Verantwortung zu. Doch seit Jahren hätten die aufeinander folgenden Regierungen dafür nicht genug Mittel bereitgestellt, sondern im Gegenteil immer weiter eingespart. Dass die Lehrergehälter in Frankreich nur halb so hoch sind wie beispielsweise in Deutschland, sei nur ein Beispiel.

»Die Klagen der Schüler betreffen in erster Linie den desolaten Zustand vieler Schulen, die zu hohe Schülerzahl pro Klasse, was das Niveau des Unterrichts beeinträchtigt, die vielen Ausfallstunden und das als willkürlich und ungerecht empfundene System der automatisierten Studienplatzvergabe durch das Computerprogramm Parcoursup«, zählte Fabien Roussel auf. »Die Jugendliche wollen, dass man sie respektiert, dass man sie anhört, sie wollen nicht mehr als normale Bedingungen, um zu lernen und sich auf das Berufsleben vorzubereiten. Als Präsidentschaftskandidat stelle ich den einzelnen Menschen, egal wie alt er ist, in den Mittelpunkt meines Kampfes. Schüler und Studenten haben für mich besondere Priorität. Deshalb setze ich mich für bestmögliche Bedingungen für die Schule und das Studium ein. Jeder junge Mensch soll dieselben Chancen haben, unabhängig von seiner Herkunft und seiner sozialen Stellung.«

Im Interesse der jungen Generation schlägt Roussel einen Pakt für die Jugend vor, den sich die politischen Kräfte der verschiedenen Lager, über die Parteiengrenzen hinweg, zu eigen machen sollten. »Die Ideen dafür kommen schon aus den verschiedensten Richtungen und auch aus dem Regierungslager«, versicherte Roussel. Als erstes müsse eine Höchstgrenze für die Klassenstärke festgelegt werden und die dementsprechend nötige Zahl von Lehrern. Zweitens müsse gewährleistet werden, dass beim Ausfall eines Lehrers innerhalb von 24 Stunden eine Vertretung einspringt. »Wie die Lehrergewerkschaften ausgerechnet haben, müssen dafür 90.000 Lehrer eingestellt werden.« Für die Schulgebäude müsse ein Plan von Renovierungsarbeiten festgelegt werden. »60 Prozent sind vor 1980 gebaut und entsprechen nicht den aktuellen Normen für die Isolierung«, erinnerte Roussel. »Das muss stufenweise abgebaut werden. Dafür müssen in den nächsten fünf Jahren jährlich fünf Milliarden Euro bereitgestellt werden.«

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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