Übernommen von Frauenkollektiv:
Vergangenen Sonntag haben wir uns an der Konferenz gegen sexistische Polizeigewalt beteiligt.
Dort wurde über die Erfahrungen von sexualisierter Gewalt als Foltermethode berichtet. Vertreterinnen aus der Türkei, dem Iran, den Philippinen, dem Baskenland und aus Deutschland berichteten über ihre eigenen Erfahrungen, aber auch dem darauffolgenden Kampf dagegen.
Die verschiedenen Einblicke haben uns gezeigt, dass das Patriarchat weder vor den Knastmauern endet, noch an Ländergrenzen. Immer wieder wird sexualisierte Gewalt gezielt eingesetzt, um widerständige Aktivist:innen zu brechen. Die damit verbundene Scham soll sie zum Schweigen bringen, die Angst vor weiteren Übergriffen soll die politische Aktivität verhindern.
Dabei spielt der Staat eine schützende Rolle gegenüber den Tätern. Die Sprecher:innen berichteten davon, wie Verfahren im Sande verlaufen, Folter nicht dokumentiert wurde und teilweise sogar staatliche Propaganda genutzt wird, um sexualisierte Gewalt in Haft zu legitimieren.
Unsere Genossin Paula Maier hat dort für die FKO auf dem Podium über den Umgang mit ihren Erfahrungen in türkischer Haft gesprochen und den Kampf, den wir dagegen in Deutschland führen können.
Anfang es Jahres ist Paula als Teil einer internationalistischen Delegation an die Grenze Kurdistans gefahren, um über die Angriffe auf das kurdische Selbstverwaltungsgebiet zu berichten und internationale Solidarität zu zeigen. Nach einer Festnahme wurde sie in Abschiebehaft von einem türkischen Beamten vergewaltigt.
Sie blieb dabei, genauso wie die anderen Sprecher:innen, nicht bei ihren eigenen Erfahrungen stehen sondern legte den Fokus bewusst auf den Kampf gegen die geschlechtsspezifische Repression.
Die verschiedenen Erfahrungen und Kämpfe gegen sexualisierte Gewalt zeigen uns, dass ein organisierter Widerstand die sexualisierte Gewalt zurückdrängen kann.
Die bewusste Entscheidung, das erlebte öffentlich zu machen, genauso wie die Solidarität unter den Betroffenen sind Mittel, um den politischen Kampf auch nach solchen Erfahrungen weiter zu führen.
Mit Beginn der Konferenz hat sich auch die Initiative „Ungebrochen“ gegründet, die auf Paula Maiers Fall, aber auch auf weitere Fälle aufmerksam machen soll.
Auch in Deutschland häufen sich Berichte über sexualisierte Polizeigewalt und geschlechtsspezifische Repression. Wenn Würgen bewusst als Waffe eingesetzt wird, lange Durchsuchungen im Genitalbereich als Erniedrigungsmethode eingesetzt werden oder Nacktdurchsuchungen stattfinden, dürfen wir das nicht einfach hinnehmen.
Es ist notwendig, auch hier den bewussten Kampf dagegen zu führen und solche Erfahrungen nicht kommentarlos hinzunehmen. Denn es handelt sich dabei um bewusst eingesetzte Methoden, um unseren politischen Widerstand zu delegitimieren.
Am Ende der Konferenz wurde in verschiedenen Beiträgen dazu appelliert, diesen Kampf weiter zu führen. Unser wichtigstes Mittel im Kampf gegen Repression bleibt die gemeinsame Solidarität. Im Falle von sexualisierter Gewalt oder Folter heißt das, die Scham nicht gewinnen zu lassen und das Schweigen zu brechen.
Die Organisator:innen der Konferenz kündigten ebenfalls an, diesen Kampf weiter führen zu wollen und nicht bei der einmaligen Veranstaltung stehen zu bleiben.
Häufig sind es Frauen und trans Personen, die geschlechtsspezifische Polizeigewalt erfahren. Umso wichtiger ist hier, bewusste Räume für die Erfahrungen zu schaffen, als organisierte Frauen einen Kampf dagegen zu führen und nicht länger zu schweigen, wenn wir solche Übergriffe und Gewalt am eigenen Körper erfahren.
Denn unsere Körper sind weder der Ort, um unseren Widerstand zu brechen, noch werden wir das schweigend hinnehmen. Es trifft immer Einzelne, gemeint sind aber wir Alle und es soll dazu dienen, die gesamte politische Bewegung einschüchtern. Ein bewusster Kampf gegen Repression als organisierte Frauen, um Teil unserer alltäglichen Arbeit sein, wir stehen daher Seite an Seite mit allen Genoss:innen, die ihre Erfahrungen öffentlich gemacht haben! Unsere Körper – unsere Kampf! Ihre Repression wird uns nicht brechen!
Quelle: Frauenkollektiv
