Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde immer darauf verwiesen, laut »Code de la route« sei das Fahrrad im Verkehr mit Autos und Motorrädern gleichgestellt bei Rechten und Pflichten. Das ist zwar noch immer so, doch Trennung ist das oberste Prinzip im Schlußbericht zur Sanften Mobilität, das bis 2035 überall Platz greifen soll. Das wird Fahrradfahren nicht leichter machen in der Stadt, denn es wird deutlich schwieriger von hinter abgestellten Autos oder vom einige Zentimeter höher gelegenen Radweg nach links abbiegen zu können.
Je genauer man sich einliest, desto ungenießbarer wird es, und man muß sich fragen, ob die Begeisterten das wirklich genau durchgelesen haben. ProVelo hat so etwa einen Zeitplan gefordert, doch der steht auf Seite 216 der Langfassung. Bereits auf Seite 12 der Kurzfassung steht als oberstes Prinzip für sogenannte Knotenpunkte: »Zweistufiges Linksabbiegen als Standard an großen Kreuzungen«. Was waren das für schöne Zeiten, als man sich einfach in der Linksabbiegespur einordnete, und in einem Zug dorthin kam, wo man hinwollte! Denn »zweistufig« steht eindeutig im Gegensatz zum ebenso erklärten Prinzip für Radwege, sie sollten direkt sein, denn das bedingt zweimaliges Warten auf eine Grünphase. Attraktiv ist das keinesfalls.
Aber auch die Meldung auf Seite 10 ist unerfreulich: »Gestalterische Maßnahmen wie Fahrbahnverengungen, Aufpflasterungen oder Schwellen zur Geschwindigkeitsreduktion« im Mischverkehr. Denn immer wenn es eng wird, wird es gefährlich für Radfahrer. Ganz besonders unerfreulich ist das Fahren über Buckel und Pflasterungen mit dem Rad. Völlig absurd wird es, wenn wie angekündigt in der Rue Tubis die Straße verengt werden soll mit abwechselnden Autostellstreifen rechts und links, bei denen zwei Autos nicht aneinander vorbeikommen.
975 Parkplätze entfallen
Der Schöffenrat scheint zu glauben, wenn die Zahl der Parkplätze reduziert werde, würden weniger Menschen zur Arbeit mit dem Auto kommen, auch wenn mehr Grenzgänger in der Stadt arbeiten, als im öffentlichen Verkehrsangebot Platz haben, auch wenn für viele im Land die Wegezeit doppelt so lang oder noch länger ist, wenn sie nicht an Bahnhaltestellen wohnen. Es wird das nur zu Zusatz-Suchverkehr führen, umso mehr sogenannte Auffangparkplätze wie das Bouillon immer öfter voll besetzt sind. Der bisherige Abbau von Stellplätzen hat schließlich nicht dazu geführt, daß weniger mit dem Auto kamen, haben doch viele einfach keine andere Möglichkeit. Es bräuchte daher jetzt schon zusätzliche Plätze, aber nirgends im ganzen Text wird auch nur angedeutet, es würden wenigstens Ersatzparkmöglichkeiten geschaffen für das, was nun wegfällt. Dennoch will der Schöffenrat nichts gegen noch mehr Arbeitsplätze in der Stadt unternehmen, obwohl genau das Zusatzverkehr bringt.
Um aber dem Konzept des Parkplatzabbaus auf die Schliche zu kommen, muß man sich die 219seitige Langfassung geben. 17 Korridore mit 30 Knotenpunkten sind ab Seite 63 detailliert aufgeführt.
In der Avenue Guillaume (S. 80) sollen 18 Parkplätze entfallen auf 590 m. Im Val St. Croix (S. 92) 10 Parkplätze auf 1.870 m. Am Boulevard Cahen (S. 102) entfallen auf 680 m 58 Parkplätze. In der Rue de Merl (S. 107) 13 Parkplätze auf 300 m. In der Avenue Pescatore (S. 116) enfallen auf 140 m 16 Parkplätze. In der Rue des Trévires (S. 125) sind es 6 Parkplätze auf 1.650 m. In der Allée Mansfeld (S. 132) entfallen auf 518 m 34 Parkplätze. In Rue de Clausen und Rue de Neudorf (S. 137) sogar 119 Parkplätze auf 1.030 m. Noch mehr, nämlich 185 Parkplätze fallen weg auf den 1.640 m von Rue Barrès, Rue de Cessange und Rue Tubis (S. 144). Auf 2.295 m von Rue de Trêves und Rue de Cessange (S. 164) entfallen satte 225 Parkplätze. Die Rue de Rollingergrund (S. 170) verliert auf 740 m 30 Parkplätze. Am Bd. Pierre Dupong und Bd. de Verdun (S. 174) gehen auf 1.723 m 65 Parkplätze verloren. In der Route de Longwy (S. 190) verschwinden auf 1.870 m 122 Parkplätze. Im Anschluß gehen in der Avenue du X. Septembre (S. 200) auf 440 m 12 Parkplätze verloren. In der Rue des Aubépines (S. 204) entfallen auf 460 m 62 Parkplätze.
Es enfallen also 975 Parkplätze ohne Ersatz in kürzester Zeit. Der Automobilclub ist leider überbeschäftigt mit Werbung für BEV, weshalb sich die Anrainer folglich selbst wehren müssen und fordern, wenn was wegfalle, müsse Ersatz her. Sonst wird es eng und enger!
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

