Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Auch fast zwölf Jahre nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine haben die »Willigen« offenbar nichts hinzugelernt. Statt endlich ernsthaft und vor allem ehrlich auf ein Ende des Blutvergießens hinzuwirken, versuchen die führenden Politiker der EU und ihrer Mitgliedstaaten, weiter Sand ins Getriebe der Gespräche über ein Ende des Kriegs zu werfen.
Sie haben geflissentlich »vergessen«, daß eine der Ursachen des Maidan-Putsches von 2014 die von der EU-Führung an die Ukraine gestellte Forderung war, sich für die EU und eindeutig gegen Rußland zu entscheiden. Sie wollen nicht wahrhaben, daß der Krieg, der von 2014 bis 2022 mindestens 14.000 Todesopfer gekostet hat, durch ukrainische Militärs begonnen wurde, die gewaltsam gegen die eigene Bevölkerung in Donbass vorgingen, weil diese Menschen sich nicht den nationalistischen Diktaten aus Kiew unterwerfen wollen. Sie decken immer noch den Mantel des Schweigens über den Verrat des Westens, der die Minsker Verhandlungen hinauszögerte, sabotierte und dafür nutzte, die Ukraine für weitere Kriegshandlungen gegen das eigene Volk aufzurüsten.
Nun ist die Entwicklung etwa an jenem Punkt angekommen, an dem der Krieg nach dem russischen Eingreifen bereits nach wenigen Wochen hätte beendet werden können. Die 20 Punkte, die der ukrainische Präsident am Wochenende auf seiner Tour nach Kanada und Florida in der Tasche hatte, ähneln sehr stark dem Ergebnis der damaligen Verhandlungen zwischen Rußland und der Ukraine in Istanbul. Allerdings ist dann der britische Premierminister dazwischengegrätscht, um das fast unterschriftsreife Papier vom Tisch zu fegen und die ukrainische Führung zur Fortführung des Krieges zu drängen. Auch darüber wird heute tapfer geschwiegen.
Vor allem will man in den westeuropäischen Führungsetagen nicht wahrhaben, daß nicht nur eine Seite Sicherheitsgarantien braucht. Immerhin war es die NATO, die seit 1990 ihr Gebiet immer weiter in Richtung der russischen Grenzen ausgedehnt hat – nicht umgekehrt. Zudem hat die russische Seite mehrmals und eindeutig darauf hingewiesen, daß es im Interesse aller Beteiligten sei, eine völlig neue Sicherheitsarchitektur für Europa zu entwickeln, die deutlich über die bisherige Struktur der OSZE hinausgehen sollte.
Auch die Tatsache, daß es bei den Gesprächen in Alaska zwischen Trump und Putin um wesentlich mehr ging als um die Ukraine, nämlich um die Herstellung weitgehend normaler Beziehungen, möchte man in Good old Europe gern ignorieren. Daß dabei sogar Gedanken über eine militärische Abrüstung zur Sprache kamen, hört man offenbar in Brüssel, Berlin und Paris nicht gern.
Also reden die EU-Oberen weiter über mehr Geld und mehr Waffen für die Ukraine, und noch mehr Sanktionen gegen Rußland, und über westliche Truppenpräsenz in der Ukraine. Alles das ist nichts anderes als Öl ins Feuer zu gießen. Es ist geradezu grotesk, wenn die EU einen Platz am Verhandlungstisch fordert, um die Ukraine gegen Trump und gegen Putin zu unterstützen – dieselbe EU, die keine bessere Idee hat als mit Hunderten Milliarden weiter einen nicht gewinnbaren Krieg zu sponsern und Rußland eine strategische Niederlage zu bereiten – während immer mehr Menschen in der EU beim Kauf von Lebensmitteln sparen und sich vor der nächsten Energierechnung fürchten.
Es wird Zeit, nicht kriegstüchtig, sondern lernwillig zu werden!
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

