Übernommen von KOMintern:
Die Zeit drängt. Ardo Austria Frost GmbH Groß-Enzersdorf steht mit 2027 vor der Werksschließung. Die belgischen Konzernzentrale hat bekanntlich alle Unterstützungsmaßnahmen des Bundes und Landes als unzureichend abgelehnt sowie ebenso die Übernahmeangebote bisheriger privater Interessenten ausgeschlagen bzw. ignoriert und hält an der Stilllegung des Werks fest.
Der NÖ LH-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf fand dazu gegenüber dem ORF denn auch klare Worte: „Letztendlich ist das eine Kampfansage gegen Österreich, gegen die Konsumenten, gegen die Arbeitnehmer, gegen die Bauern, gegen alle Österreicherinnen und Österreicher. Und das dürfen wir so auch nicht durchgehen lassen.“ Damit charakterisierte er die Auseinandersetzung und Interessenskonstellation recht treffend. Auf der einen Seite die Profitinteressen eines internationalen Konzerns mit Werken in zahlreichen Ländern (in welche nach Berichterstattung auch die angeblich so veralteten Maschinen verlagert werden sollen), auf der anderen Seite die Arbeits- und Lebensinteressen von 240 Beschäftigten in Groß-Enzersdorf, von über 500 Gemüsebauern der Region und der heimischen Lebensmitteleigenversorgung.
Entsprechend hat auch der Landesvorstand des ÖGB Niederösterreich Anfang Oktober eine einstimmige Resolution für den „Erhalt der der Produktion und der Arbeitsplätze bei Ardo Austria Frost“ beschlossen und fordert: „Alles zu unternehmen, um die Produktion am Standort von Ardo Austria Frost fortzuführen und die bestehenden Arbeitsplätze zu sichern.“ Gleichzeitig und zurecht wird in der Resolution darüber hinaus auch auf die zahlreichen dergleichen betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe in der Region und den Umstand verwiesen, dass „diese … in den vergangenen Jahren außerdem erhebliche Investitionen getätigt und ihre Produktion auf die Zusammenarbeit mit dem Verarbeitungsbetrieb ausgerichtet“ haben. Und last but not leastebenso betont herausgehoben, dass „die heimische Gemüseproduktion nicht nur eine besondere Bedeutung für die regionale Wertschöpfung (hat), sie ist auch für die Versorgungssicherheit weit über die Region hinaus unverzichtbar.“
Das Marchfeld ist eine der größten und wichtigsten Regionen für Gemüseproduktion in Österreich und verarbeitet in Groß-Enzersdorf bislang sozusagen auf direktem, regionalem Wege vom Feld in die Fabrik frisches Gemüse für die Handelsketten Hofer, Billa und Spar, aber auch für Iglo. Stärker noch: Ein Großteil (84%) des täglichen wie über‘s Jahr verbrauchten Tiefkühlgemüses im Land kommt von Ardo, egal in welchem Supermarkt und unter welcher Eigenmarke.
Dass schon Feuer am Dach ist zeigen neben den bereits aufgenommenen Sozialplanverhandlungen ebenso die bereits massiv zurückgefahrene Winterspinat-Aussaat. Parallel erzielte die Online-Petition zur Erhaltung des Standorts bereits über 100.000 Unterschriften und zeigt damit den breiten Rückhalt des Kampfes um den Erhalt der Gemüseverarbeitung im Marchfeld.
Daher fordert KOMintern in der Arbeiterkammer Niederösterreich:
- Alles zu unternehmen, um die Produktion am Standort von Ardo Austria Frost fortzuführen und die bestehenden Arbeitsplätze zu sichern!
- Im Einvernehmen mit dem ÖGB Niederösterreich dahingehend die ernsthafte Prüfung aller wirtschaftlich und organisatorisch möglichen Optionen, die eine Fortführung der Produktion und den langfristigen Erhalt des Standortes ermöglichen!
- Bei absehbarem Scheitern dieser Bemühungen die zügige Überführung des Werks in öffentlich-rechtliches Eigentum unter maßgebender Einbeziehung der Beschäftigten, der Betriebsräte, Gewerkschaften und der landwirtschaftlichen Zuliefererbetriebe wie Kommunen auf den Weg zu bringen!
Quelle: KOMintern

