Schon wieder: Bundeswehr ließ Kinder auf Panzer

Kinder auf dem Panzer: Die Bundeswehr lernt es nicht. Foto: DFG-VKIn der vergangenen Woche sorgten Kinder an Handfeuerwaffen beim »Tag der Bundeswehr« für Aufsehen. Nun ein neuer Fall: Im oberpfälzischen Weiden durften Kinder bei einem »Tag der offenen Tür« auf Panzern mitfahren.

Mit donnerndem Lärm gruben sich am Sonntag Schützen- und Truppentransport-Panzer der Bundeswehr durch den Matsch in der Ostermark-Kaserne – aus den Luken des Militärgeräts guckten dabei nicht nur Soldaten, sondern streckten sich auch Kinderköpfe. Abermals sprach die Bundeswehr bei einem »Tag der offenen Tür« besonders Kinder an und überschritt eine rote Linie. Auf Fotos ist zu sehen, wie Kinder auf und im Kampfpanzer »Leopard 2« sowie der »Panzerhaubitze 2000« spielen. Zudem nahm die Bundeswehr Kinder und Jugendliche zur Mitfahrt in Truppentransportpanzer vom Typ »Fuchs« sowie dem Schützenpanzer »Marder« mit. Ereignet haben sie die Fälle am Sonntag – 19. Juni 2016 – beim »Tag der offenen Tür« des »Artilleriebataillons 131«.

Zwar erlaubt das Verteidigungsministerium der Bundeswehr Kinder auf oder in Panzer zu lassen (nur an Handfeuerwaffen dürfen sie nicht), für Mitfahrten gilt aber ein Mindestalter von 14 Jahren. Ob das eingehalten wurde ist mit Blick auf Fotos der Bundeswehr-Veranstaltung fraglich – einige Kinder in den Panzern sehen jünger aus.

Roland Blach von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) findet die aktuelle Regelung, dass Kinder nur auf Handfeuerwaffen keinen Zugriff haben dürfen absurd: »Panzer sind tödliche Waffensysteme und werden bei Waffenschauen wie den ›Tagen der offenen Tür‹ für Kinder zum Klettergerüst«, so der Friedensaktivist. Junge Leute könnten noch nicht reflektieren was Panzer und anderes militärisches Großgerät für Schaden anrichten können: »Die Abschwächung der Richtline des Verteidigungsministeriums ist völlig deplaziert«, so Blach.

Philipp Ingenleuf vom Netzwerk Friedenskooperative, das in die Aktivitäten gegen den »Tag der Bundeswehr« involviert war, stellt nach dem neuerlichen Fall konkrete Forderungen an das Verteidigungsministerium: »Vor 2011 durften Kinder und Jugendliche nach der damals geltenden Richtlinie für die Bundeswehr-Öffentlichkeitsarbeit weder an Handfeuerwaffen noch auch militärisches Großgerät – es wäre das Mindeste, dazu zurückzukehren«, fordert er. Auch über ein Ende von Waffenschauen wie dem »Tag der Bundeswehr« oder dem in Weiden sollte nachgedacht werden: »Die Werbung von Kindern muss endlich aufhören und das Eintrittsalter in die Bundeswehr von aktuell 17 auf 18 Jahre angehoben werden, so wie es der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes empfiehlt«, so Ingenleuf.

Die Friedensaktivisten fordern, dass das Verteidigungsministerium nach dem neuerlichen Fall endlich striktere Regeln für öffentliche Bundeswehr-Veranstaltungen erlässt. Sie kündigten vorsorglich an weiter zu dem Thema zu arbeiten und genau hinzugucken, wenn die Bundeswehr wieder Waffenschauen durchführt.

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