Heute früh sind bei einem Anschlag in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 300 wurden verletzt. Nur wenige Stunden später in Deutschland: Ein 20-jähriger Berufsschüler afghanischer Herkunft wird in Nürnberg von Polizeibeamten aus dem Klassenzimmer geführt, weil er zurück in seine Heimat abgeschoben werden soll.

Die Bundesregierung wie auch die etablierten Parteien wurden in letzter Zeit nicht müde zu betonen, dass es sich bei Afghanistan um ein »sicheres Herkunftsland« handele. Tatsächlich ist es so sicher, dass sich dort immer wieder große Anschläge ereignen, deutsche Soldaten lieber im Stützpunkt bleiben und SPD-Politiker Steinmeier in der Vergangenheit beim Besuch des Landes mit Schutzweste und Stahlhelm unterwegs war.

Auch im Falle des Berufsschülers wird sich aufgrund des heutigen Anschlags wohl keiner im Kanzleramt oder in einer der Landesregierungen dazu bewegen lassen, die Abschiebepraxis der letzten Monate und das gebetsmühlenartige Predigen vom sicheren Herkunftsland aufzugeben.

Die Mitschüler des Betroffenen sind es, die Widerstand leisten. Sie versammelten sich heute vor der Schule, um den Streifenwagen, in dem sich ihr Kollege befand, an der Weiterfahrt zu hindern. Spontan kamen immer mehr Leute hinzu, zeitweilig blockierten bis zu 300 Personen das Gelände. Die Polizei ging gegen die Blockade vor und versuchte mit Gewalt, den Protest aufzulösen.

Am morgigen Donnerstag soll eine Kundgebung vor dem Bayerischen Kultusministerium in München stattfinden. Dort wollen Demonstranten gegen die Abschiebung und das Vorgehen der Polizei am Mittwoch demonstrieren.

Quelle: SDAJ München auf Facebook / RedGlobe