Offener Brief von Beschäftigten bei Vivantes und Charité

Der Schutz der Beschäftigten und der Patienten  muss an erster Stelle stehen

Beschäftigte von Vivantes und Charité haben sich am Dienstag in einem offenen Brief an ihre Klinikleitungen, den Regierenden Bürgermeister und die Gesundheitssenatorin gewandt und fordern dringend Unterstützung. Sie wollen z.B. ausreichende Schutzkleidung, Desinfektionsmittel und die schnelle unbürokratische Einstellung von Personal.

Silvia Habekost (Pflegekraft bei Vivantes Friedrichshain) führt aus: „Das Land Berlin muss einen Weg finden, Masken, Schutzkittel, Schutzbrillen, Handschuhe und Desinfektionsmittel zu produzieren. Es ist bereits absehbar, dass die vorhandenen Bestände nicht ausreichen werden. Bayern und Baden-Württemberg machen es vor: dort werden Produktionsstätten umgerüstet.“

Dana Lützkendorf (Intensivpflegekraft an der Charité) betont, dass ihre Expertise in der Krise gehört werden muss: „Wir schlagen deswegen eine zeitnahe Beratung per Videokonferenz von Beschäftigten, der Gesundheitssenatorin und weiteren politischen Entscheidern vor, um die Punkte aus diesem Brief zu diskutieren.“

Nicht erst seit der „Corona-Krise“ leisten die Beschäftigten in den Berliner Krankenhäusern der „Vivantes – Netzwerkwerk für Gesundheit GmbH“ und der „Charité – Universitätsmedizin Berlin“ samt ihren ausgelagerten Tochterfirmen Enormes für die Hauptstädter.

Oftmals schlecht bezahlt, ohne Schutz durch Tarifverträge und mit harten Arbeitsbedingungen läuft das viel zu wenige, über Jahrzehnte „weggesparte“ und „outgesourcte“ Personal in fast allen Bereichen hart an der Grenze der physischen und psychischen Belastbarkeit. „Diese Kolleginnen und Kollegen, die nun auch noch durch den Kontakt mit Infizierten selbst einer hohen Gefährdung ausgesetzt sind, die selbst nach Orientierung suchen, erweisen sich in der Krise als verlässliche Stützen des Berliner Gesundheitswesens“, führt Janine Balder, ver.di-Gewerkschaftssekretärin für Vivantes aus.

Die Krankenhäuser wurden über Jahrzehnte durch ein widersinniges Prinzip des „Marktes“ kaputtgespart, statt es ausschließlich an der Gesundheit der Bevölkerung zu orientieren. Deshalb fordern die Gewerkschafter*innen auch die sofortige Abschaffung der „Fallpauschalen“ (DRGs) und die Gewährleistung einer kostendeckenden Finanzierung. „Der offene Brief verbreitet sich bereits in den Krankenhäusern in der gesamten Bundesrepublik“, resümiert die Gewerkschafterin Balder.

Link zum offenen Brief: https://tinyurl.com/wr6fkfb

Quelle:

ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg

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