Die Pflegeprämie der bayrischen Staatsregierung ist gerade in aller Munde. Um eine Beschäftigtengruppe ist es dabei allerdings erstaunlich ruhig: Die Auszubildenden. Die ver.di Jugend Bayern kritisiert das und fordert, Azubis die gleiche Prämie auszuzahlen und generell deutlich mehr Beschäftigten zu Gute kommen zu lassen – auch und gerade nach der Krise.

Azubis halten die Stationen am Laufen – das muss auch honoriert werden

„Eigentlich ist es lächerlich“, sagt Bettina Rödig, Vorsitzende der ver.di Jugend Bayern am Rande einer Sitzung. „Uns erreichen immer wieder Anfragen, dass Auszubildende aus der theoretischen Ausbildung auf die Stationen geholt worden sind, um dort mitzuarbeiten. Sie müssen einspringen und halten die Stationen am Laufen. Das mag nicht überall so sein – aber wir verstehen beim besten Willen nicht, weswegen Auszubildende weniger Prämie erhalten sollen als ausgelernte Kräfte!“

Deswegen hat der geschäftsführende Vorstand der ver.di Jugend Bayern einen entsprechenden Antrag verabschiedet, der das Thema weiter ausführt. Auszubildende leisten gerade genauso Außergewöhnliches wie ausgelernte Kräfte und sorgen für die Gesunderhaltung und Versorgung der Bevölkerung. Das ist auch entsprechend zu honorieren, heißt es dort. Und: Das Risiko für die Auszubildenden, sich zu infizieren, ist genauso hoch wie bei ausgelernten Kräften. Wieso sie weniger Prämie bekommen sollen, ist für uns nicht nachvollziehbar. „Es fühlt sich beinahe so an, als wäre die Gesundheit der Auszubildenden weniger wert“, kommentiert Maximilian Kadach, für die Auszubildenden zuständiger Gewerk-schaftssekretär bei ver.di Bayern.

Wer wichtig ist, ist wichtig. Plakative Maßnahmen sind höchstens ein Tropfen auf den heißen Stein

Darüber hinaus sei ein Bonus ausschließlich für die Pflegekräfte nicht ausreichend, führt der Gewerkschafter weiter aus. „Die Wahrheit ist doch, dass es gerade eine riesige Zahl an Beschäftigten gibt, die die Gesellschaft am Laufen halten. Verkäufer*innen, Erzieher*innen in der Notbetreuung, Energieversorger, die Reinigungskräfte in den Kliniken und viele, viele mehr. Selbst wenn es nur um ein Dankeschön geht, muss das auch an alle gehen, die gerade in der Krise ihr Bestes für die Gesellschaft, also für uns alle, tun!“

Die stellvertretende Vorsitzende der ver.di Jugend Bayern, Anna Goldbrunner, beschäftigt bei einem großen Energieversorger, ergänzt: „Die Pflegekräfte sollen diesen Bonus bekommen. Auf jeden Fall. Aber für mich ist nicht nachvollziehbar, weswegen zum Beispiel wir, die wir die Energieversorgung sicherstellen, anscheinend als nicht ganz so systemrelevant eingeschätzt werden. Und das trifft nicht nur uns: Eigentlich müsste doch gerade allen klarwerden, dass die Dienstleistungen das Rückgrat der Gesellschaft darstellen. Das sollte man jetzt auch in Gänze wahrnehmen und öffentlich honorieren.“

Die Prämie ist ein guter Anfang, aber es braucht echte Aufwertung

„Letztlich“, sagt Rödig, „finden wir aber auch, dass eine Prämie an der eigentlichen Problematik vorbeigeht. Wir sehen überall, dass die Kolleginnen und Kollegen auch deshalb so sehr am Rande der Belastbarkeit arbeiten, weil der Fachkräftemangel die Bereiche noch weiter schwächt. Deshalb müssen wir aus dieser Krise doch eine logische Konsequenz ziehen: Die systemrelevanten Berufe gehören ordentlich aufgewertet. 500 € sind gut. Aber monatlich. Und nicht einmal.“

Quelle:

ver.di Bayern