Neue Atomwaffen auf dem Land, im Wasser und in der Luft – es scheint so, als müssten die Abrüstungshoffnungen seit dem Ende des Kalten Krieges begraben werden. Atomwaffen erleben ein Comeback als aktiver Posten der Militärstrategen. Die Friedensforscher des Sipri-Instituts geben in ihrem neuesten Jahresbericht sogar ein Haltbarkeitsdatum der sich verstärkenden nuklearen Dauerkonfrontation an: Bis in die 80er Jahre dieses Jahrhunderts sollen die Atomwaffen einsatzbereit sein, die derzeit modernisiert werden.

Diese Entwicklung war genauso absehbar, wie sie zu vermeiden gewesen wäre. In der von Nationalstaaten geprägten Weltordnung gilt weiter das Recht des Stärkeren, multinationale Institutionen verlieren an Einfluss und an Bedeutung – nicht nur, aber auch weil einzelne Staats- und Regierungschefs einen strategischen Vorteil für „ihr Land“ erzielen wollen. Der „strategische Gewinn“ des einen wird so zur Gefahr aller. Spätestens mit dem Aufstieg Chinas zum Konkurrenten – oder Herausforderer? – der Weltmacht USA liegt die Nuklearoption wieder auf dem Tisch.

Weder nach den beiden Weltkriegen noch nach dem Ende des Kalten Krieges waren die mächtigen Staaten bereit, sich einer multinationalen Ordnung zu unterwerfen, die ihre eigene Macht und ihren Handlungsspielraum einschränkt. So folgt, was folgen musste: Die kommenden 60 Jahre werden erneut zu einem Ritt auf der Rasierklinge.

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Neues Deutschland via ots