„Wir haben genug gefroren!“ Unter diesem Motto protestieren heute SchülerInnen aus München gegen die aktuelle Situation an den Schulen. Aber die Lage an den Schulen ist kein lokales Problem. So ruft auch die SchülerInnenvernetzung „Unverantwortlich“ heute in Kassel den Schulstreik aus. Auch in anderen Städten Deutschlands, darunter Frankfurt und Bochum gab kam es bereits zu Streiks. Kein Wunder- die Situation für die Jugendlichen und die Lehrkräfte sind katastrophal.

Es fängt damit an, was die Regierung „Hygienekonzept“ nennt. Dass das nämlich seinen Job und zwar uns SchülerInnen zu schützen nicht erfüllen kann, war schon ´während dem ersten Lockdown klar. Dabei ist Hygienekonzept schon eine sehr nette Umschreibung dafür, was den SchülerInnen und Lehrkräften von der Regierung vorgesetzt wurde. 1,5 Meter Abstand, Maskenpflich, alle paar Minuten Stoßlüften und schön die Hände desinfizieren. Dass mindestens die Abstandsregelungen fast nie eingehalten werden können, wenn man mit 30 MitschülerInnen in einem viel zu kleinen Raum hockt, juckt anscheinend keinen. Auch das mit dem Desinfizieren wird schnell zur Herausforderung, wenn es nicht genug Desinfektionsmittel gibt. Bei teilweise bis zu -5°C die Fenster offen zu haben(sofern das Klassenzimmer überhaupt Fenster hat) wird außerdem nicht erst zu kalt, wenn man direkt am Fenster sitzt. Erkältungen und schlechte Konzentration sind vorprogrammiert.

Aber all diese Probleme waren doch schon seit der ersten Schulschließung im März absehbar-könnte man denken. Ja, waren sie! Aber es zeigt sich nur noch einmal, wo die Prioritäten dieses Staates liegen. Während nämlich Milliarden für die „Rettung“ von Großkonzernen rausgeschmissen werden, ist für mehr Lehrkräfte, größere Räume und Lüftungsmaschinen anscheinend kein Geld da. Das beschissene Krisenmanagement verschärft aber natürlich nicht nur das Infektionsrisiko sondern auch den Lernstress. Grund dafür ist vor allem, dass die Lehrkräfte, aus Angst vor einem erneuten Lockdown, vorsorglich extra viele Noten gemacht haben. Dabei ist es keine Seltenheit über sechs Wochen hinweg jede Woche mehrere Prüfungen zu schreiben.Dabei haben die meisten SchülerInnen bereits große Lücken vom Letzten Jahr, als man sich ganze Themenfelder alleine beibringen durfte.

Folgen des Leistungsdrucks sind Depressionen, Burnouts, Drogenmissbrauch und Schulabbruch. Schwerpunkt muss jetzt eigentlich sein, den Stoff vom letzten Jahr zu wiederholen und während der gesamten Pandemie auf Noten zu verzichten. In den Abschlussklassen darf nicht mehr als eine Klausur innerhalb von zwei Wochen geschrieben werden.

Viele SchülerInnen haben die Widersprüchlichkeit und Doppelmoral der Maßnahmen der Regierung mittlerweile erkannt. Also bspw. dass man sich in der Freizeit nur mit einer weiteren Person treffen darf, aber weiterhin mit 30 Leuten in der Schule sitzt oder dass das RKI und die Regierung uns erzählt, man müsse 1,5 Meter Abstand halten, das in der Schule aber de facto nicht möglich ist usw. Um dem Infektionsrisiko zu entkommen wurden die Stimmen, die sich für die Schulschließung und Wechselunterricht ausgesprochen haben immer lauter. Auch wir sagen: So hätte es nicht weitergehen dürfen! Unsere Gesundheit muss an oberster Stelle stehen. ABER. Es hätte nie dazu kommen müssen, dass Wechselunterricht oder gar eine Schulschließung notwendig wird. Hätte es ein gutes Hygienekonzept gegeben und hätte man den LehrerInnenmangel die ganzen letzten Jahre schon bekämpft, müssten wir uns jetzt nicht wieder die Sachen von Zuhause aus selber beibringen. Die Schulschließung sorgt nur dafür, dass noch mehr Leute abgehängt werden und die schulischen Leistungen noch mehr von den Verhältnissen Zuhause bzw. vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Deshalb ist es in unserem Interesse, dass die Schulen so schnell wie möglich wieder aufmachen. Das jedoch nur unter der Bedingung, dass wir wirklich geschützt werden. Bis dahin muss dafür gesorgt werden, dass es allen SchülerInnen ermöglicht wird am Distanzunterricht teilzunehmen. Technische Geräte müssen für alle die es brauchen bereitgestellt werden.

Nicht nur wir SchülerInnen sind von den unverantwortlichen Maßnahmen betroffen. Auch die Lehrkräfte leiden darunter, dass ein hohes Infektionsrisiko besteht und die Regierung ihre Maßnahmen alle zwei Tage ändert. Viele sind jetzt zusätzlich im Stress und die letzte Schulschließung hat bewiesen, dass auch die Lehrkräfte mit der Situation meistens alleine gelassen werden. Nicht umsonst stellt sich auch die GEW gegen die aktuelle Herangehensweise der Regierung. So hat die GEW Bayern bspw. eine Klage gegen den Freistaat Bayern eingereicht, die sich gegen die unzureichenden Hygienemaßnahmen richtet. Diese wurde jedoch ohne inhaltlich darauf einzugehen abgelehnt, da Gewerkschaften angeblich „nicht Klageberechtigt sind“. Das zeigt uns: Die LehrerInnen stehen auf unserer Seite und dieser Kampf ist kein Kampf gegen die Lehrkräfte, sondern ein Kampf der SchülerInnen und LehrerInnen gegen die Regierung und die Großkonzerne die das alles zu verantworten haben. Deshalb wird der Münchner SchülerInnenprotest auch von der GEW unterstützt die dort eine Rede hält.

Dieser Kampf muss zusammen geführt werden und wir alle müssen uns jetzt in unseren Schülervertretungen und in der SDAJ organisieren um für unsere Rechte als SchülerInnen zu kämpfen. Aber dort darf unser Kampf nicht aufhören. All diese Probleme sind tief in diesem System, dem Kapitalismus verankert und können letztendlich auch nur durch die Abschaffung dieses Systems behoben werden. Trotzdem ist es jetzt notwendig unsere Bedingungen in diesem Moment zu verbessern. In ganz Deutschland muss es deshalb jetzt das Ziel sein diese Kämpfe zu initiieren und zu verbinden und so schnell wie möglich die Schulstreiks, dort wo sie schon ausgerufen wurden, so breit wie möglich zu machen und dort wo sie noch nicht existieren dafür zu sorgen, dass auch dort die SchülerInnen so schnell wie möglich Streiks aufbauen.

Wir haben genug bei euch gebettelt und werden uns all das nicht länger gefallen lassen!

Wir haben genug gefroren!

Quelle: SDAJ – Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend – Wir haben genug gefroren!