Unsere Lebensrealität hat sich im Lockdown sehr gewandelt: Wir werden online unterrichtet, sehen uns nicht, aber müssen die Prüfungen wie geplant schreiben.

Der Onlineunterricht ist meistens miserabel geplant. Dass das nicht funktioniert, zeigen alleine schon die Erwartungen der Lehrkräfte: Es wird einfach davon ausgegangen, dass alle SchülerInnen einen Laptop, eine gute Internetverbindung und einen Drucker besitzen und damit arbeiten können. Auch können viele Lehrkräfte keinen guten Onlineunterricht gewährleisten, da Unterricht über den PC auch für sie etwas Neues ist. Die Erwartungen der Kultusministerien und der Schulämter an die Lehrkräfte sind enorm hoch; sie sollen sich selbstständig Konzepte ausdenken, haben aber kaum Unterstützung an  technischem Geräten. Man lässt sie einfach im Regen stehen.

Diese Probleme führen natürlich auch zu immer höherem Leistungsdruck bei SchülerInnen und auch bei Lehrkräften. Wer gut lernen will, muss auch finanziell gut dastehen. Für alle anderen ist gutes Lernen enorm schwierig und in manchen Fällen einfach nicht zu erreichen. In so einer Situation Prüfungen wie gehabt schreiben zu wollen, ist damit nicht nur ungerecht für alle SchülerInnen, es ist auch für die Lehrkräfte eine überzogene und unverantwortliche Belastung.

Corona ist auch immer noch nicht vorbei sondern sogar mit neuen gefährlichen Mutationen aktiver denn je. Hygieneschutz (z.b. durch Luftfilter…) ist nicht möglich, da unser Bildungssystem seit Jahren unterfinanziert ist. Gerade deshalb sitzen wir alle zuhause und gehen nicht zur Schule. In dieser Situation, in der Unsicherheit und Unwissen über die Zukunft vorherrscht, gab es in jüngster Vergangenheit immer wieder Forderungen aus Kultusministerien der Bundesländer, als Beispiel etwa die Äußerungen der baden-württembergischen Kultusministerin Eisenmann, die Schulen ohne Rücksicht auf Verluste zu öffnen. An diese unsinnigen und wahnsinnig gefährlichen Forderungen schließen sich die Beschlüsse an, dass man die Prüfungen in Präsenz durchführt. Das Gesundheitsrisiko, dem wir uns dabei aussetzen müssen, ist dabei offenbar scheißegal.

Leistungsdruck & Lockdown machen krank

Nicht nur die körperliche Gesundheit vieler SchülerInnen ist gefährdet, auch die Psyche sieht bei vielen mittlerweile nicht sehr gut aus. Die Isolation im Lockdown, der ständig wachsende Leistungsdruck (z.b. durch „eigenständiges“ Lernen oder durch das schreiben von Klassenarbeiten mit kaum Vorbereitung) und die damit verbundenen riesigen Erwartungen an uns machen vielen sehr zu schaffen. Zukunftsängste grassieren denn aufgrund der Krise gibt z.b. immer weniger Ausbildungsplätze, der Alkohol- und Drogenkonsum steigt und nicht wenige MitschülerInnen erleben gerade die dunkelsten Gedanken ihres bisherigen Lebens. Wie es uns geht wird komplett ignoriert, es wird nur andauernd mehr Leistungsdruck aufgebaut. Auch hier spielen die geplanten Prüfungen eine schlechte Rolle: Der ohnehin schon enorm hohe Druck bei Prüfungen in normalen Zeiten wird durch die Isolation und den mangelnden Austausch nochmal verstärkt. In normalen Zeiten hält kaum jemand dem Druck ohne Probleme statt. Wie das aktuell ist, will man sich gar nicht ausdenken.

Warum werden eigentlich Prüfungen geschrieben?

Diese Frage beschäftigt uns alle.  Prüfungen sind immer eine Art von Auslese, die Leute für den Arbeitsmarkt selektieren. Konkret heißt das: Der Druck bei Prüfungen ist gewollt, denn dadurch kann für Arbeitgeber klargestellt werden, wer eigentlich belastbar ist. Schule allgemein hat nicht die Funktion, uns auf das Leben vorzubereiten, sondern uns als Arbeitskräfte für den Profit von Banken und Konzernen auszubilden. Das passiert mit Prüfungen als auch mit ständigem Leistungsdruck. Ob mit oder ohne Corona, der Geldbeutel bestimmt die Bildung aber auch die Leistungen, die bei Prüfungen erbracht werden können. Die Chance, die Prüfungen einigermaßen gut hinzubekommen, ist durch Corona dem Großteil der SchülerInnen verwehrt. Gerade für unsere Zukunft sind das beschissene Aussichten, denn mit einer schlechten Prüfung sinken auch unsere Chancen, einen Job zu bekommen oder sich für einen höheren Abschluss zu qualifizieren.

Deshalb: Sagt die Prüfungen ab!

Quelle: SDAJ – Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend – Sagt die Prüfungen ab!