Die zweite Verhandlungsrunde für die rund 700.000 Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Einzelhandel ist am Donnerstag (27.5.) in Düsseldorf ergebnislos vertagt worden. Das von den Arbeitgebern vorgelegte Angebot bezeichnet ver.di als Unverschämtheit.

„Die Arbeitgeber versuchen einen Keil zwischen die Beschäftigten im Einzelhandel zu treiben. Die Branche hat im Jahr 2020 den höchsten Umsatz seit über zwei Jahrzehnten eingefahren. Die Beschäftigten sollen aber erst nach drei Jahren auf dem gleichen Entgeltniveau ankommen. Das lassen wir nicht zu! Es ist eine Unverschämtheit, dass selbst Beschäftigte aus Unternehmen, die historische Umsatzsteigerungen und Gewinne aufgrund der Pandemie erzielt haben, erst nach zwei Nullmonaten eine Entgelterhöhung von gerade einmal einem Prozent erhalten sollen. Eine Laufzeit von 36 Monaten reicht aus unserer Sicht gerade in der Krise viel zu weit in die Zukunft. Die Menschen brauchen bei steigenden Preisen jetzt mehr Geld um ihr Leben zu bestreiten. Das gilt auch für Beschäftigte, die aufgrund von zeitweiser Schließung der Geschäfte nur Kurzarbeitergeld erhalten haben“, so die ver.di-Verhandlungsführerin Silke Zimmer.

Das Arbeitgeberangebot sieht eine gestaffelte Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen bei einer Laufzeit von 36 Monaten vor. Die drei Erhöhungsschritte greifen

– für Unternehmen, die gut durch die Pandemie gekommen sind:

  • Nach zwei Nullmonaten 1,0 Prozent zum Juli 2021
  • Ab 1. Mai 2022 weitere 1,4 Prozent
  • Ab 1. Mai 2023 weitere 2,0 Prozent
  • Eine Einmalzahlung in Höhe von 1,4 Prozent pro Monat des individuellen Bruttoentgelts für die Monate Juli 2021 bis April 2022

– für Unternehmen, die von den Pandemieauswirkungen betroffen sind:

  • Nach 10 Nullmonaten 1,0 Prozent zum 1. März 2022
  • Nach sechs Nullmonaten weitere 1,4 Prozent zum 1. November 2022
  • Nach sechs Nullmonaten weitere 2,0 Prozent zum 1. November 2023

„Die ersten Warnstreiks haben Wirkung gezeigt, da die Arbeitgeber überhaupt ein Angebot vorgelegt haben. Beide Varianten des Angebots verordnen den Beschäftigten letztendlich Reallohnverzicht. Hier muss deutlich nachgebessert werden. Offensichtlich ist am Verhandlungstisch alleine keine Lösung zu erreichen, deshalb werden wir bis zur dritten Verhandlungsrunde den Druck erhöhen. Die Beschäftigten haben uns unter Einsatz ihrer Gesundheit in den letzten Monaten mit den wichtigsten Gütern versorgt. Sie verdienen einen Tarifabschluss, der das auch widerspiegelt. Mit dem heutigen Angebot haben die Arbeitgeber den Konflikt verschärft!“

Die Forderungen von ver.di umfassen:

  • die Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 Prozent plus 45 Euro,
  • ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde,
  • bei einer Laufzeit von 12 Monaten,
  • sowie die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit (AVE).

Die Verhandlungen werden am 22. Juni fortgesetzt.

Quelle: ver.di NRW – „Arbeitgeberangebot ist eine Unverschämtheit“ – Beschäftigte im Einzelhandel lassen sich nicht spalten