Wie die verschiedenen Strukturen in den kolumbianischen Territorien agieren, zeigt ein aktuelles Kommuniqué der 28. Front „José María Córdoba“ der FARC-EP, die eng mit der 10. Front der FARC-EP und dem militärischen Ostblock unter Gentil Duarte kooperiert. In der letzten Zeit ist die 28. Front, die auch sehr stark in Arauca präsent ist und dort zuletzt die 10. Front im Kampf gegen die venezolanische Armee unterstützt hatte, sehr aktiv und erneuert mit dem Kommuniqué die Bereitschaft für die soziale und politische Arbeit. Allerdings wurde im Mai auch eine vermutlich für die Finanzen der Front verantwortliche Person festgenommen, dass Kommuniqué drückt damit auch die neuen Verantwortlichkeiten aus.

So werden in jeder Front verantwortliche Personen bestimmt, um mit den Gemeinden und auch zur Einziehung der Revolutionssteuer mit verschiedenen Institutionen in Kontakt zu treten. Diese Erklärungen werden dann über die sozialen Netzwerke verteilt und dienen der Informationsweitergabe. Die vom Generalstab bestimmten Personen handeln dann wiederum mit eigenen Vertrauten und so entsteht ein Netz von bestimmten Zellen, die politische und finanzielle Aufgaben übernehmen. Dies wird im aktuellen Kommuniqué beispielhaft deutlich. In Boyacá und Casanare sollen also die Strukturen neu aufgebaut werden.

Gepaart sind diese Informationen mit der Ansage, die Kleinkriminalität zu bekämpfen und in einen Stillhaltepakt mit der ELN zu treten. Die ELN ist in Arauca besonders stark und seit vielen Jahren gab es teilweise erbitterte Auseinandersetzungen zwischen den beiden aufständischen Organisationen um die territoriale Kontrolle. Die Mitteilung im Kommuniqué der 28. Front ist also als ein Aufrechterhalten dieses Paktes zu sehen. Nichts destotrotz strebt die FARC-EP dort nach mehr Kontrolle. Zuletzt sorgten die Kämpfe zwischen FARC-EP und den venezolanischen Sicherheitskräften für Aufsehen, bei der die FARC-EP militärisch nicht besiegt werden konnte. Im Grenzgebiet hat die Guerilla ihre Strukturen zuletzt stark ausbauen können.

Dies zeigt sich in der Verankerung der aufständischen Bewegungen in den politischen und sozialen Organisationen der Region. Der Staat ist oft nur militärisch präsent und dringende Probleme der lokalen Bevölkerung werden oftmals nicht angegangen. Zuletzt gab es vor allem in Arauca eine Verhaftungswelle von Personen, teilweise in öffentlichen Funktionen von Behörden und Institutionen, denen vorgeworfen wird, Teil von politischen Strukturen der FARC-EP zu sein. Oftmals dienen solche Anschuldigungen aber auch zur grundlosen Verhaftung von politisch tätigen Personen, ohne dass diese einer Struktur einer aufständischen Bewegung angehören.

Anbei die Übersetzung des Kommuniqués aus dokumentarischen Zwecken:

Kommuniqué an die Öfentlichkeit

Brüderliche und bolivarische Grüße an alle Einwohner der Departements Casanare und Boyacá, an die sozialen Führer und ihre verschiedenen Organisationen, Menschenrechtsverteidiger, indigene Gemeinschaften, Bürgermeister, Stadträte und andere lokale Behörden.

An die Genossen der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) und anderer revolutionärer Organisationen.

An die nationale und internationale Gemeinschaft.

Diese Mitteilung ist informativ.

Erstens. Die Genossen Marlon Saravena und Wilder Castellanos sind die Verantwortlichen für die Lösung sozialer, arbeits- und wirtschaftlicher Probleme in den Gemeinden von Boyacá und Casanare.

Zweitens. Wir bekräftigen die Verpflichtung zu Einheit, Solidarität und Brüderlichkeit im Rahmen des Respekts gegenüber den Genossen der Nationalen Befreiungsarmee (ELN).

Drittens. Wir bekräftigen unser Engagement zur Bekämpfung von Armut, Drogensucht und Kriminalität, wie wir es demonstriert haben. Es wird keine Grenzen geben, um alle Geißeln zu beenden, die in der kolumbianischen Gesellschaft vorkommen.

Die FARC-EP ist eine revolutionäre Organisation mit der Berufung zur Macht, um die Struktur des kolumbianischen Staates zu ändern, der nur eine korrupte und ausbeutende Minderheit begünstigt.

Wir verabschieden uns mit einer brüderlichen Umarmung von allen Casanareños und Boyacenses.

Generalstab der 28. Front José María Córdoba

Berge und Savannen von Boyacá und Casanare, 8. Juni 2021

Quelle: Widerstand in Kolumbien – Ausbau der politischen Arbeit der FARC-EP im Nordosten