Statement zur erneuten Ausladung der FAU Freiburg am 1. Mai auf dem Stühlinger Kirchplatz durch den Vorstand des DGB Stadtverband Freiburg und der DGB Geschäftsstelle Freiburg

Übernommen von der Freien Arbeiter*innen Union:

Statement zur erneuten Ausladung der FAU Freiburg am 1. Mai auf dem Stühlinger Kirchplatz durch den Vorstand des DGB Stadtverband Freiburg und der DGB Geschäftsstelle Freiburg

Seit mehreren Jahren arbeiten Mitglieder der FAU Freiburg mit Mitgliedern von Verdi, GEW und NGG partnerschaftlich zusammen (z. B. im »Solibündnis Sozial- und Erziehungsdienst Freiburg« oder bei Einzelkonflikten in der Gastronomie). Mitglieder der FAU Freiburg beteiligen sich zudem regelmäßig solidarisch an den (Warn-)Streiks der DGB Gewerkschaften im Rahmen der größeren Tarifkonflikte. Zum gewerkschaftlichen 1. Mai auf dem Stühlinger Kirchplatz will der Vorstand des DGB Stadtverband Freiburg, sowie die Hauptamtlichen der DGB Geschäftsstelle Freiburg uns aber nicht dabei haben. Ein Informationsstand wurde der FAU Freiburg untersagt.

Die offizielle Begründung: Die FAU ist für die Gewerkschaften des DGB eine »gegnerische Organisation«, sowie eine »Konkurrenzorganisation«. Unsere Homepage würde zeigen, dass wir kein Interesse an einem »starken DGB« hätten. Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir als FAU Mitglieder sehen natürlich in unseren Kolleg:innen, welche sich für eine Mitgliedschaft in einer DGB-Gewerkschaft entschieden haben, weder »Gegner:innen« noch »Konkurrent:innen«. Wir wollen mit allen Kolleg:innen in unseren Betrieben für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen und dabei spielt es für uns keine Rolle, ob sie Gewerkschaftsmitglied sind oder in welcher Gewerkschaft sie organisiert sind. Auf der Arbeit helfen wir uns gegenseitig oder machen gemeinsam Mittagspause. Und nach der Arbeit sind viele von uns befreundet. Und das wird auch in Zukunft so bleiben. Unsere Gegner sind unsere Chefs und nicht unsere Kolleg:innen!

Klar ist, zwischen der FAU und den DGB Gewerkschaften gibt es organisatorische und gewerkschaftspolitische Unterschiede: So haben wir zum Beispiel keine bezahlten Funktionäre, sondern alle Aktiven leisten die Gewerkschaftsarbeit unbezahlt. Entscheidungen werden in basisdemokratischen Versammlungen getroffen. Sekretär:innen und Delegierte werden auf diesen gewählt, sind aber an die Beschlüsse der Versammlung gebunden und können bei Zuwiderhandlung abgewählt werden (imperatives Mandat). Zudem lehnen wir die Ideologie der »Sozialpartnerschaft« ab und treten für eine klassenkämpferische Arbeiter*innenbewegung ein. Unser Ziel ist die Übernahme der Betriebe durch die Beschäftigten (Kollektivbetriebe & Arbeiterselbstverwaltung).

Und ja, als FAU Mitglieder kritisieren wir auch immer wieder Entscheidungen des DGB, z. B. die IG Metall Tarifverträge in der Leiharbeit¹ oder die Unterstützung für das Tarifeinheitsgesetz². Und es stimmt auch, unser Ziel ist weder ein »starker DGB«, noch eine »starke FAU«, sondern eine starke Arbeiter:innenbewegung: Eine Organisation ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um unsere Selbstorganisation als Arbeiter:innen zu stärken!

Wenn ihr mehr über uns erfahren wollt besucht gerne unseren Infostand auf dem selbstorganisierten Straßenfest am 1. Mai im Grün. Zudem seid ihr recht herzlich eingeladen euch mit einem Stand o.ä. als gewerkschaftlich Aktive oder Betriebsgruppen am Straßenfest im Grün zu beteiligen!


  1. Welche die gesetzlichen Regelungen »equal pay« (gleiche Bezahlung von Stammbelegschaft und Leiharbeiter:innen) und »equal treatment« (gleiche Behandlung von Stammbelegschaft und Leiharbeiter:innen) unterlaufen und so die Schlechterstellung von Leiharbeiter:innen aktiv ermöglichen.
  2. Das Tarifeinheitsgesetz legt fest, dass in einem Betrieb nur der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gilt. Das Gesetz wurde durch den DGB (mit Ausnahme von Verdi) offiziell deswegen unterstützt um sogenannte »gelbe« arbeitgeberfreundliche Gewerkschaften zu behindern. Praktisch dient es den DGB-Gewerkschaften aber dazu kleinere Gewerkschaften mit einer offensiveren (und erfolgreicheren) Tarifpolitik auszubremsen.

Material

Presse

Quelle: Freie Arbeiter*innen Union