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Nach tödlichen US-Angriffen auf Venezuela: Wie weiter für Kuba?

Übernommen von Cuba heute:

Nach den völkerrechtswidrigen US-Angriffen auf Venezuela, bei denen der venezolanische Präsident Nicolás Maduro am Samstag entführt wurde, hat die kubanische Regierung den Tod von 32 eigenen Soldaten bestätigt. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel ordnete am Montagmorgen eine zweitägige Staatstrauer an.

In einem über die sozialen Medien und die Parteizeitung Granma verbreiteten Kommuniqué erklärte die Regierung, die Gefallenen hätten „Missionen im Namen der Revolutionären Streitkräfte und des Innenministeriums auf Anfrage entsprechender Organe des südamerikanischen Landes“ erfüllt. Die Soldaten waren Teil der Leibgarde Maduros, die je zur Hälfte aus Kubanern und Venezolanern bestand.

Nach Angaben der kubanischen Regierung seien die Identitäten der Gefallenen überprüft und die Familien informiert worden. „Getreu ihrer Verantwortung für Sicherheit und Verteidigung erfüllten unsere Landsleute würdig und heroisch ihre Pflicht und fielen nach hartnäckigem Widerstand im direkten Kampf gegen die Angreifer oder infolge der Bombardierung der Einrichtungen“, heißt es in der Mitteilung. Gleichzeitig räumt Havanna damit entgegen früherer Dementis ein, dass zumindest eine kleine militärische Präsenz im befreundeten Venezuela vorhanden war.

Die Angehörigen der Gefallenen erhielten laut der Mitteilung „das aufrichtige Beileid und die Unterstützung“ von Raúl Castro sowie von Präsident Díaz-Canel und den Leitungen des Innenministeriums und der Revolutionären Streitkräfte.

Akt des Staatsterrorismus

Kubas Regierung hatte die US-Militäraktion am Samstag scharf verurteilt. Die Entführung des amtierenden Präsidenten eines souveränen Landes im Rahmen einer Militäroperation bezeichnete Díaz-Canel als „kriminellen Angriff“ und „Akt des Staatsterrorismus“. Die kubanische Regierung forderte nachdrücklich die sofortige Freilassung von Präsident Maduro und dessen Ehefrau Cilia Flores durch die US-Behörden.

Kundgebung in Havanna am 3. Januar, im Hintergrund: Die US-Botschaft (Quelle: Eduardo Rodríguez Dávila/FB)

Am Samstag fand auf der „antiimperialistischen Tribüne“ in unmittelbarer Nachbarschaft zur US-Botschaft in Havanna eine Kundgebung statt. In einem ungewöhnlichen Schritt wurde die Bevölkerung erstmals per SMS dazu aufgerufen, an der Versammlung teilzunehmen. Díaz-Canel trat demonstrativ in Zivil auf, fand jedoch deutliche Worte in Richtung Washington: „[Wir sind] für Venezuela und natürlich auch für Kuba bereit, unser eigenes Blut, ja sogar unser eigenes Leben zu geben“.

Venezuela veröffentlichte am Montag ein Kommuniqué, in dem es Kuba für seine Unterstützung „im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen souveränen Staaten“ dankte. Die Gefallenen hätten „Aufgaben des institutionellen Schutzes und der Verteidigung“ erfüllt. „Die Bolivarische Republik Venezuela würdigt die 32 kubanischen Kämpfer, die ihr Leben in Erfüllung ihrer Pflicht geopfert haben“, heißt es in dem Dokument. Venezuelas Verteidigungsminister Vladimir Padrino sprach zuvor von einer „feigen Entführung“ Maduros und seiner Ehefrau, „nachdem ein Großteil seines Sicherheitsteams kaltblütig ermordet wurde: Soldaten, Soldatinnen und unschuldige Bürger“.

Die Gesamtzahl der Todesopfer bleibt unklar. Laut New York Times, die sich auf venezolanische Quellen beruft, liegt sie bei 80 Personen. US-Beamte erklärten gegenüber der Zeitung, es gebe ein halbes Dutzend verwundete US-Soldaten, wobei US-Präsident Donald Trump die Zahlen nicht bestätigen wollte.

Wie weiter für Kuba?

Während die Lage in Venezuela weiterhin dynamisch bleibt, stellt sich die Frage, was der Angriff für das kubanisch-venezolanische Verhältnis bedeutet. Venezuela ist seit Anfang der Nullerjahre der Kubas wichtigster Öllieferant – zu vorteilhaften Konditionen im Austausch für die Dienste von zeitweise bis zu 30.000 kubanischen Medizinern. Trotz zurückgehender Mengen sind die venezolanischen Lieferungen von essenzieller Bedeutung für die sozialistische Insel, die seit mehreren Jahren eine schwere Energiekrise durchlebt.

Trump hat zwar direkte militärische Angriffe auf Kuba bisher ausgeschlossen, kündigte jedoch an, den wirtschaftlichen Druck auf Kuba weiter erhöhen zu wollen. So soll ab sofort kein venezolanisches Öl mehr nach Kuba gelangen. Trump verlangte von Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez „vollen Zugang zum Öl und anderen Dingen“ und kündigte an, dass die USA das Land bis auf Weiteres kontrollieren würden (wobei allerdings unklar ist, wie diese Kontrolle aussehen soll). Trump drohte Rodríguez: Sollte die Regierung in Caracas nicht vollständig kooperieren, folgen weitere Militärschläge bis hin zur Invasion und ihr Schicksal werde „schlimmer als das von Maduro“ sein.

Laut dem Energieexperten Jorge Piñon von der Universität Texas, der Kubas Energiesituation bereits seit Jahren genau verfolgt, trafen im letzten Quartal 2025 durchschnittlich 35.000 Barrel Erdöl pro Tag aus Venezuela ein. Hinzu kamen je 7000 Barrel aus Mexiko und Russland. Anfang letzten Jahres lieferte Mexiko noch 22.000 Barrel pro Tag – nach einem Besuch von US-Außenminister Marco Rubio ging die Zahl jedoch auf 7000 zurück. Damit lag die Gesamtliefermenge, die Kuba zuletzt erhielt, bei rund 50.000 Barrel pro Tag, was lediglich rund 60 Prozent des Bedarfs von rund 80.000 Barrel entspricht. Von diesen 50.000 Barrel pro Tag kamen wiederum 70 Prozent aus Venezuela.

Gleichzeitig bleibt Kubas Abhängigkeit vom Erdöl absehbar weiterhin hoch: Der massive Ausbau der Solarenergie seit Anfang 2025 hat zwar dazu geführt, dass 41 neue Solarparks mit einer Gesamtleistung von 778 Megawatt installiert wurden, der Löwenanteil der elektrischen Energie (>90 Prozent) wird jedoch weiterhin mit fossilen Energieträgern erzeugt – allen voran Schweröl, das zumindest teilweise aus eigener Förderung stammt.

Piñon sähe in einem abrupten Ende der venezolanischen Lieferungen ein „Todesurteil“ für die Regierung in Havanna. Aber ist dem wirklich so? Tatsächlich könnte Kuba selbst mit begrenzten Reserven kurzfristig überleben. Entsprechende Notfallpläne, die von einer kompletten See- und Luftblockade ausgehen, existieren bereits seit den 1980er Jahren. Die Situation wäre allerdings nicht lange tragbar. Mittelfristig stellt sich die Frage, wer für Venezuelas Lieferungen einspringen würde: Mexiko käme in Frage, steht jedoch unter enormem US-Druck. Russland, China, Iran und Algerien hingegen, zu denen Kuba freundschaftliche Beziehungen unterhält, haben deutlich mehr Handlungsspielraum und könnten durchaus gewillt sein, Havanna zu unterstützen, das noch über Devisenreserven verfügt und seit kurzem flexiblere Optionen für ausländische Investoren (z.B. bei Hotelkonzessionen, Verpachtung von Fabriken, Bergbaurechten und anderem) als Gegenleistung anzubieten hätte.

Darüber hinaus bleibt offen, ob die USA einen kompletten Zusammenbruch Kubas wirklich in Kauf nehmen möchten. Politische Instabilität mit offenem Ende und eine massive Auswanderungswelle 140 Kilometer vor der Küste Floridas wären die wahrscheinliche Folge. Für Hardliner wie den Exilkubaner Rubio sei es angesichts dieser Gemengelage „schwierig“ Trump davon zu überzeugen, den Zusammenbruch Kubas zu forcieren, meint Kuba-Experte Michael Bustamante von der Universität Miami.

Quelle: Cuba heute

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