Übernommen von Deutsche-Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen:
Der Hintergrund: Seit 2023 entwickelt das „Territoriale Führungskommando der Bundeswehr“ den „Operationsplan Deutschland“ (OPLAN). Das Ziel: Im Kriegs- und Krisenfall sollen zivile Behörden (Landkreise, Kommunen) und Organisationen (THW, DRK und andere) die Bundeswehr unterstützen. Der OPLAN wird kontinuierlich weiterentwickelt und angepasst, ist „Verschlusssache“ und nur in Grundzügen bekannt.
Ergänzend zum staatlichen OPLAN wurde dann unter Federführung der Militärseelsorge der „Geistliche OPLAN“ entwickelt, wobei dies nur der Arbeitstitel war. Offiziell heißt das Papier „Ökumenisches Rahmenkonzept Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall“; im Folgenden „Rahmenplan“ genannt.
Im Unterschied zum OPLAN ist dieser Plan öffentlich. Er wurde zuerst von einem DFG-VK-Mitglied veröffentlicht, das heißt, geleakt. Danach wurde er auch von den beiden großen Kirchen ins Internet gestellt.

In dem Rahmenplan geht es auf 26 Seiten um konkrete Fragen: Wie bewältigen wir, die kirchlichen Mitarbeitenden, die hohe Zahl von Gefallenen und Trauerfeiern? Wer überbringt die vielen Todesnachrichten? Wer betreut die Hinterbliebenen seelsorgerlich? Im Rahmenplan wird erklärt, dass Vertreter*innen der jeweiligen Heimatkirchen für die Seelsorge an den Kriegsgefangenen zuständig sind, während die deutschen Kirchen für die seelsorgerliche Betreuung der Aufseher*innen zuständig sind.
Vor allem aber wird im Rahmenplan betont, dass wir, die Mitarbeitenden der großen Kirchen und diakonischen Einrichtungen, im Kriegsfall eng mit den Behörden zusammenarbeiten sollen. Die Aufgabe der Seelsorge in Kriegszeiten sei es, die Bevölkerung „emotional und seelisch zu stabilisieren, Halt und Orientierung“ zu vermitteln. Entscheidungen der kirchlichen Stäbe sollen „Ruhe, Ordnung“ und „Handlungsfähigkeit“ gewährleisten. Krisenstäbe entscheiden oben, was unten ausgeführt werden soll. Nicht erwähnt wird, dass wir im Kriegsfall eventuell die Aufgabe haben, den staatlichen Stellen zu widersprechen. Nicht erwähnt wird unsere Aufgabe, zur Völkerverständigung aufzurufen und Deserteuren beizustehen. Unsere Aufgabe kann es sein, die „Kriegsmaschine“ zu behindern. Der Rahmenplan trägt deutlich die Handschrift der Militärseelsorge. Auf evangelischer Seite passt der Rahmenplan zur neuen EKD-Friedensdenkschrift. Mit beiden Dokumenten unterstützen die Kirchen den Aufrüstungskurs der Regierung.
Vertreter mehrerer kirchlicher Friedensorganisationen und DFG-VK-Mitglieder entwickelten ab Januar 2026 eine Petition, das heißt, einen offenen Brief, an die kirchenleitenden Gremien und Personen der evangelischen Landeskirchen und der katholischen Diözesen. Wer die Petition unterschreibt, verpflichtet sich, nicht an Kriegsvorbereitungen der Kirchen teilzunehmen. Für kirchliche Mitarbeitende bedeutet dies unter anderem, an keinen entsprechenden Fortbildungen teilzunehmen.
Alle ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden – im weitesten Sinne – der großen Kirchen sind eingeladen, die Petition im Internet aufzurufen und zu unterzeichnen. Wir sammeln die Unterschriften nicht postalisch, sondern über das Internet, und zwar bis zum 4. November 2026. Geplant ist, die Petition samt den Unterschriften dann an kirchenleitende Gremien und Personen zu senden.
Titel der Petition: „Seelsorge bleibt zivil! NEIN zur Militarisierung kirchlicher und diakonischer Dienste!“
Link zur Petition: https://openpetition.org/DYLFQ
Weitere Informationen: auf der Website des „Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie“ und auf der Website der „Ökumenischen Initiative zur Abschaffung bzw. Reform der Militärseelsorge“.
Kontakt: Kirche-ohne-Militaer@dfg-vk.de
Autor: Rainer Schmid
Dieser Artikel erscheint in der ZivilCourage Ausgabe 2/2026
Quelle: Deutsche-Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen

