Übernommen von Deutsche-Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen:
Als Biowaffen gelten nahezu alle hoch potenten Krankheitserreger: Viren, Bakterien, Pilz- und andere natürliche Gifte, die dazu geeignet sind, Soldaten oder Kombattanten in kriegerischen Konflikten durch Tod oder Krankheit außer Gefecht zu setzen.
Biowaffen gibt es bereits seit dem Mittelalter, als Belagerer von Burgen oder Städten Tierkadaver in Brunnen warfen oder Gifte in Lebensmitteln versteckten. Indigene Bevölkerungen wurden in Nordamerika im 18. Jahrhundert mit Pockenviren verseucht.
Ein Problem für den Einsatz von Viren, Bakterien oder Toxinen in Kriegen ist ihre geringe Haltbarkeit. Vermutlich deshalb kamen sie bisher nur wenig zum Einsatz. Erst durch gentechnische Verfahren bei ihrer Herstellung und Lagerung veränderte sich die Situation.
Wie chemische Kampfstoffe gelten Biowaffen völkerrechtlich als Massenvernichtungswaffen. Sie sind durch eine UN-Konvention von 1972 geächtet. Jahrzehntelang waren sie aus dem Blickfeld der Weltöffentlichkeit verschwunden. Das änderte sich erst 2001, als in den USA Anschläge mit Milzbrandbakterien verübt wurden, und ab 2020 mit dem Aufkommen von Covid 19.
Milzbrand – biologische Aufrüstung im Kalten Krieg
Milzbrand ist eine Tierkrankheit, die in vielen Ställen auf der Welt verbreitet ist. Eingekapselt in Sporen, die Wind, Wetter und Kälte viele Jahre trotzen können, verursacht Milzbrand auf der Haut und an den Augen großflächig schmerzhafte Entzündungen. Werden die winzigen Sporen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen, können sie zum Tod führen. Therapierbar ist Milzbrand nur durch Antibiotika, die in Kriegen aber oft nicht sofort verfügbar sind. Mit Milzbrandsporen wurde in amerikanischen Militärlaboren wie dem USAMRIID in Fort Detrick in Maryland experimentiert, und sie wurden in Freilandversuchen auf dem Dugway Proving Ground in Utah getestet.
Die deutsche Bundeswehr verfügt im Rahmen ihres B-Schutzes über Dutzende von Krankheitserregern in Hochsicherheitslaboren im niedersächsischen Munster. Ihre Bestandsliste ist der Öffentlichkeit ebenso wenig zugänglich wie die ihrer US-Kollegen.
Bei Milzbrand gab es zeitweise eine enge Zusammenarbeit zwischen dem USAMRIID und dem Bundesverteidigungsministerium. Auch die Sowjets experimentierten im Großmaßstab mit Anthrax und riskierten dabei Unfälle mit vielen Toten, wie ein Insider 1999 berichtete.
Die Anfänge genmanipulierter Biowaffen
Bei Recherchen über Biowaffen in den USA war ich bereits 1991 einem Projekt begegnet, bei dem gentechnische Verfahren zur Anwendung kamen. An der Universität Amherst in Massachusetts forschte ein Professor im Auftrag des Pentagon damals an genetisch verändertem Milzbrand. In seinem Projekt wurde harmlosen Darmbakterien das Milzbrandtoxin eingebaut. Das Immunsystem des Menschen konnte die tödliche Gefahr im Organismus weder erkennen noch bekämpfen.
Neben den USA dürften auch noch weitere Staaten genetische Forschungs- und Rüstungsprogramme mit Viren und Bakterien verfolgen. Doch Erkenntnisse darüber sind schwer zu gewinnen. Der amerikanische Mikrobiologe Keith Yamamoto zählte bereits vor gut 30 Jahren über 50 Projekte allein in den USA, die sich mit militärischer Anwendung von Biotechnologie beschäftigten. Inzwischen dürfte sich diese Zahl vervielfacht haben.

Covid 19 – entsprungen aus einem chinesischen Biowaffenlabor?
Nachdem es um das Thema „Biowaffen“ jahrelang still geworden war, erlebte es 2020 eine Art Wiedergeburt, als sich Covid 19 in rasender Geschwindigkeit weltweit ausbreitete. Der ehemalige NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg kündigte an, das Verteidigungsbündnis müsse angesichts der verheerenden Folgen der Corona-Pandemie seine Biowaffenabwehr verstärken. Die Pandemie führe vor Augen, welche verheerenden Folgen ein Einsatz von Biowaffen haben könne. Die NATO werde sich in Zukunft gegen solche möglichen Gefahren besser wappnen.
Schon bald tauchten Zweifel auf, ob die These, das Covid-Virus sei auf natürlichem Weg von Tieren auf Menschen übergesprungen und habe die Pandemie ausgelöst, zu halten war. Die chinesische Virologin Dr. Li Meng-Yan hatte dies Anfang 2015 bezweifelt und damit weltweit Aufsehen erregt. Sie behauptete, ein aus einem chinesischen Labor durch Schlamperei oder durch einen Unfall freigesetzter, genetisch veränderter Krankheits-erreger sei der Auslöser gewesen. Ihr angeblicher Beweis: Das untersuchte Virus habe biologische Merkmale aufgewiesen, die mit einem natürlichen Erreger unvereinbar seien. Als mutmaßlicher Ort der Freisetzung von Sars-CoV-2 galt das Institut für Virologie in Wuhan.
Dort hatten Wissenschaftler unter anderem mit Viren experimentiert, die sie aus dem Blut von Fledermäusen und Marderhunden gewonnen hatten. Noch heute halten Mediziner auf der ganzen Welt eine natürliche Ursache für die wahrscheinlichere. Ihr wird allerdings nicht nur von medizinischen Fachleuten widersprochen, sondern auch von Nachrichtendiensten wie dem deutschen BND oder der amerikanischen CIA, die beide mit 80- bis 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit die Laborthese für richtig halten. Bei beiden Diensten liegen entsprechende Studien mit Geheimvermerken unter strengem Verschluss, und sowohl die US-Regierungen unter Biden und Trump wie die deutschen unter Merkel, Scholz und Merz weigerten sich bis heute (Stand Ende 2025), sie zur Veröffentlichung freizugeben.
Ganz am Rande der Berichterstattung über die Laborthese wurde erwähnt, dass das Staatliche Institut für Virologie in Wuhan auch Militärforschung betreibt. Und dass es sich bei den untersuchten SARS CoV-2-Viren um eine Modifikation handelte, die so nur in einem Hochsicherheitslabor, wie sie von mehreren Staaten vom Militär unterhalten werden, entstehen konnte. Das würde bedeuten, dass militärische Zwecke in Verbindung mit dieser Forschung zumindest nicht ausgeschlossen werden können. Der frühere amerikanische stellvertretende Sicherheitsberater Matt Pottinger sagte damals: „Wir haben sehr starken Grund zu glauben, dass das chinesische Militär als geheim eingestufte Tierversuche in diesem gleichen Labor durchführte, mindestens seit 2017. Wir haben Grund zu glauben, dass es unter den Forschern, die im Institut für Virologie in Wuhan arbeiteten, im Herbst 2019 einen Ausbruch von grippeähnlichen Erkrankungen gab, kurz bevor die ersten dokumentierten Fälle ans Licht kamen.“ „Wir haben Grund zu glauben“ – aber keine letztgültigen Beweise.
Kein Wunder, dass die Studie von Li-Meng Yan auch im Westen reserviert und mit großer Skepsis aufgenommen wurde. Zum Einen, weil es sich bei ihrer Arbeit nur um eine Vorstufe einer wissenschaftlichen Veröffentlichung handelte. Zum Zweiten, weil sie zuerst in einer Publikation der umstrittenen amerikanischen Institution „Rule of Law Society“ erschienen ist, gegründet von Steve Bannon, einem Vertrauten des US-Präsidenten Donald Trump in dessen erster Amtszeit. Wie so oft, wenn wissenschaftliche Überzeugungen – von politischen Interessen gesteuert – in den Verdacht der Desinformation geraten, waren Li Meng Yans Behauptungen schnell aus dem Fokus der US- und der Weltöffentlichkeit verschwunden. Man darf gespannt sein, ob sie jemals wieder auftauchen und zu welchen Ergebnissen sie dann führen.
Wolfgang Landgraeber
Quelle: Deutsche-Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen

