Start / Deutschland / Klassenkampf / Lieferando baut weiter Stellen ab: NGG und DGB warnen vor neuer Entlassungswelle und fordern Direktanstellungsgebot

Lieferando baut weiter Stellen ab: NGG und DGB warnen vor neuer Entlassungswelle und fordern Direktanstellungsgebot

Übernommen von DGB Pressemitteilungen:

Anlässlich des heutigen 5. Riders Day in Berlin warnen Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) vor einer weiteren Verschärfung der Arbeitsbedingungen in der Plattformökonomie. Hintergrund sind neue Stellenstreichungen beim Essenslieferdienst Lieferando. Aktuell sollen rund 100 Beschäftigte aus der IT-Abteilung in Berlin ihren Arbeitsplatz verlieren. 

Für Guido Zeitler, Vorsitzender der NGG, ist das Vorgehen des Unternehmens ein alarmierendes Signal: “Lieferando treibt den nächsten Kahlschlag voran. Die Politik darf nicht länger zusehen. Hier werden ohne Not gut qualifizierte Arbeitsplätze geopfert.” Nach den Plänen des niederländischen Mutterkonzerns Just Eat Takeaway sollen Aufgaben künftig verstärkt durch Künstliche Intelligenz übernommen und in einem sogenannten Shared Service Center (SSC) in Polen gebündelt werden. 

Für NGG und DGB zeigt sich daran ein grundlegendes Problem der Branche: Plattformunternehmen lagern Verantwortung systematisch aus und drücken Beschäftigte in prekäre Arbeitsverhältnisse. Besonders betroffen seien die Fahrerinnen und Fahrer. “Immer mehr Rider werden in völlig unübersichtlichen Subunternehmerkonstruktionen beschäftigt – das heißt unsichere Verträge, schlechte Arbeitsbedingungen und Unklarheit, bei wem die Verantwortung liegt”, kritisiert Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied. “Solche Geschäftsmodelle gehen voll auf den Rücken der Beschäftigten.”

NGG und DGB fordern deshalb ein gesetzliches Direktanstellungsgebot für die Lieferdienstbranche. Unternehmen wie Lieferando müssten verpflichtet werden, ihre Fahrerinnen und Fahrer direkt anzustellen, statt Verantwortung an Subunternehmen auszulagern. Rückenwind sehen NGG und DGB in der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Fleischbranche. Diese mache deutlich, dass ein Direktanstellungsgebot rechtlich tragfähig sei – insbesondere zum Schutz von Leben, Gesundheit und klaren Verantwortlichkeiten. 

“Wir brauchen jetzt verbindliche Regeln”, so Mark Baumeister, NGG-Referatsleiter Gastgewerbe. “Wer hierzulande Geschäfte macht, muss auch hierzulande anständig beschäftigen – alles andere ist organisierte Verantwortungslosigkeit.”

Quelle: Deutscher Gewerkschaftsbund

Markiert: