Übernommen von junge Welt:
Alarmstufe rot in Havanna
Washington jagt Revolutionsführer Raúl Castro mit Haftbefehl und entsendet Kriegsschiffe in die Karibik. Kuba weist Anklage vehement zurück
Gut 65 Jahre nach der gescheiterten CIA-Invasion in der Schweinebucht bedrohen die USA Kuba mit einem erneuten Angriff. Zeitgleich mit einer Anklage des US-Justizministeriums gegen den kubanischen Revolutionsführer und Expräsidenten Raúl Castro wegen Mordes – es geht um den Abschuss zweier Kleinflugzeuge von Exilkubanern im Jahr 1996 – verlegte das Pentagon Mitte der Woche den atomgetriebenen Flugzeugträger »USS Nimitz« in die Karibik.
In Havanna herrscht Alarmstufe rot. Während sich die Landesverteidigung auf eine mögliche US-Invasion vorbereitet, ist die Bevölkerung der Hauptstadt für diesen Freitag zu einer Kundgebung an der »Antiimperialistischen Tribüne« vor Washingtons Botschaft am Malecón aufgerufen.
»Willkommen in der Karibik, Kampfgruppe der ›Nimitz‹!« schrieb das Südkommando der US-Streitkräfte am Mittwoch auf X. Der Flugzeugträger wird von Zerstörern, Bordflugzeugen und weiteren Schiffen begleitet. Nach offizieller Darstellung soll die »Nimitz« die strategische Präsenz Washingtons in Lateinamerika und der Karibik im Rahmen der Marineoperation »Southern Seas 2026« verstärken. Tatsächlich erinnert der Militäraufmarsch aber an die Ende 2025 erfolgte Entsendung des Flugzeugträgers »USS Gerald Ford«, der am 3. Januar den Angriff auf Venezuela mit der Entführung von Präsident Nicolás Maduro und seiner Ehefrau, der Abgeordneten Cilia Flores, unterstützte.
In einer Rede vor der Akademie der US-Küstenwache verschärfte Donald Trump am Mittwoch die Drohungen gegen Kuba. »Als Präsident ergreife ich entschlossene Maßnahmen im Namen dieses so leidenden Teils unserer Hemisphäre und um den Bedrohungen unserer nationalen Sicherheit zu begegnen, die von dieser Region ausgehen«, sagte er. »Von den Küsten Havannas bis zu den Ufern des Panamakanals werden wir die Kräfte der Anarchie, der Kriminalität und der ausländischen Einmischung vertreiben«, fügte er hinzu. Am selben Tag erklärte US-Generalstaatsanwalt Todd Blanche, dass Raúl Castro sich in den Vereinigten Staaten »freiwillig oder auf andere Weise« vor der Justiz verantworten werde. Er bekräftigte, dass ein Haftbefehl gegen den 94jährigen vorliege und die Anklage wegen Mordes »nicht nur zur Show« sei. Ashley Moody, die Außenminister Marco Rubio als Vertreterin Floridas im US-Senat beerbte, betonte, dass ihm in den USA »die Todesstrafe oder lebenslange Haft« drohe.
Die kubanische Regierung wies die Anklage gegen den Revolutionsführer zurück und bezeichnete sie als »politische Aktion ohne jede rechtliche Grundlage«. Sie zeige lediglich »die Arroganz und Frustration, die die Vertreter des Imperiums angesichts der unerschütterlichen Standhaftigkeit der Kubanischen Revolution sowie der Einheit und moralischen Stärke ihrer Führung empfinden«, erklärte Präsident Miguel Díaz-Canel. Zugleich warnte er davor, dass das eigentliche Ziel dieses Manövers darin bestehe, Vorwürfe zu konstruieren, »um den Irrsinn einer militärischen Aggression gegen Kuba« zu rechtfertigen. »Sie wissen sehr wohl, dass Kuba in legitimer Selbstverteidigung handelte, nachdem bekannte Terroristen wiederholt und gefährlich unseren Luftraum verletzt hatten«, sagte Kubas Staatschef zu dem Abschuss zweier Kleinflugzeuge im Jahr 1996, der Castro zur Last gelegt wird. »Die damalige US-Regierung wurde mehr als ein Dutzend Mal darüber informiert, ignorierte jedoch die Warnungen und ließ die Verletzungen zu«, fügte er hinzu.
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