Plaza de la Dignidad. Screenshot: CIMA / YoutubeAm 18. Oktober vor einem Jahr begannen in Chile Massenproteste, die über Wochen und Monate anhielten und das Regime von Staatschef Sebastián Piñera an den Rand des Zusammenbruchs brachten. Erst die Coronavirus-Pandemie stoppte die Großdemonstrationen, zu denen sich wiederholt Hunderttausende Menschen vor allem in der Hauptstadt Santiago de Chile versammelt hatten.

Mehr als ein Hauch der damaligen Tage wehte am Sonntag erneut durch Chile, denn zum ersten Jahrestag der Proteste versammelten sich im Zentrum von Santiago auf der Plaza de la Dignidad – wie die Plaza Italia seit Beginn der Demonstrationen genannt wird – erneut Zehntausende Menschen. Ein Versuch der paramilitärischen Polizeitruppe Carabineros um 11.30 Uhr Ortszeit, den Platz unter Einsatz von Wasserwerfern zu räumen, scheiterte. Als immer mehr Menschen auf die Plaza strömten, zog sich die Staatsmacht zurück.

Das auf dem Platz stehende Denkmal für General Manuel Baquedano wurde einmal mehr mit roter Farbe bemalt, eine Erinnerung an das durch die Repression vergossene Blut. Ebenfalls zur Erinnerung an die Opfer der Polizei- und Militärgewalt errichteten Mitglieder der Kommunistischen Partei Chiles weiße Kreuze an der Pío-Nono-Brücke. »Der 18. Oktober ist ein Tag, den wir niemals aus unserer Erinnerung löschen werden«, erklärte die kommunistische Parlamentsabgeordnete Karol Cariola. »Er hat eine Etappe eröffnet, mit der ein neuer Moment unserer Demokratie eröffnet werden kann.«

Für diesen Sonntag waren unzählige Aktionen angekündigt worden. So gab es vor der Nationalbibliothek eine Frauenkundgebung, bei der mit Blick auf die bevorstehende Volksabstimmung über die Einberufung einer Verfassunggebenden Versammlung um Zustimmung für die Neugründung der Republik geworben wurde. Aufgeführt wurde dabei auch die Performance »Un violador en tu camino« (Ein Vergewaltiger auf deinem Weg) der Gruppe Las Tesis, die sich in den vergangenen zwölf Monaten rund um die Erde verbreitet hat.

Zum Abschluss des Jahrestages soll es um 21 Uhr Ortszeit einen landesweiten Cacerolazo geben, der traditionelle Protest, bei dem auf Kochtöpfe geschlagen und so lautstark gegen die Regierung demonstriert wird. Aufgerufen zur Teilnahme sind alle Familien Chiles, wobei diese die Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Infektion mit dem Coronavirus beachten sollen.

Quelle: El Ciudadano / RedGlobe