Luxemburg 

Irgendwas wird schon helfen

Seit heute sind sie also in Kraft, die neuen Maßnahmen und die Kritik der parlamentarischen Opposition ist erwartungsgemäß groß. Nachdem sich Kultureinrichtungen, Sportvereine oder Restaurantbetreiber wochenlang die Köpfe und Budgets zermartert haben, um Hygienekonzepte zu erarbeiten, die es ihnen erlauben sollten, trotz Pandemie einigermaßen ihren Betrieb aufrecht zu erhalten, wurden die Hoffnungen nun ein weiteres Mal zerschlagen und Existenzen geraten zunehmend in Gefahr.

Während auf der einen Seite volle Einkaufszentren und -Straßen sowie Gottesdienste unkontrollierte Kontakthäufungen ermöglichen, muß der Sport wieder pausieren, müssen Restaurants wieder schließen und ebenso die wenigen Kulturveranstaltungen. Natürlich sind im Umfeld von Cafés in den vergangenen Wochen zahlreiche Verstöße bekannt geworden, bei denen die Dunkelziffer wahrscheinlich wesentlich höher ist. Kontaktgeschehen, wie etwa auf dem Escher Brillplatz verlagert sich im Angesicht der Ausgangssperre dank der dunklen Jahreszeit entsprechend nach vorn. Daß viele Menschen allerdings ohnehin die bestehende Ausgangssperre nicht wirklich ernst nehmen, zeigen auch hier die Zahlen der Polizeikontrollen.

Anders sieht es in den Restaurants aus, wo Abstände eingehalten werden können und Hygienekonzepte erstellt wurden. Anders sieht es auch auf den Fußballplätzen aus, wo die anwesenden Zuschauer mit Maske und Abstand Platz nehmen müssen und der Gang zur Buvette ausfällt.

Wieder einmal wurde an die Eigenverantwortung der Bevölkerung appelliert, obschon allein die Zahlen deutlich machen dürften, daß es mit Appellen nicht getan ist. Selbst die drastische tägliche Zahl der Todesfälle scheint viele Zeitgenossen nicht zu beeindrucken. Die Gefahr besteht aber bei derart inkohärenten administrativen Maßnahmen, daß neben den ohnehin verlorenen Schwurblern auch immer mehr bisher disziplinierte Menschen die Corona-Müdigkeit bekommen und die essentiellen Hygieneregeln von Maske und Abstand vernachlässigen, obwohl diese Regeln selbstverständlich nichts mit administrativen Maßnahmen zu tun haben. Diese Müdigkeit kann dazu führen, daß noch viele Menschen, auf der Zielgeraden zum Impfstoff, sinnlos diesem Virus anheimfallen. Maßnahmen, die nicht nachvollziehbar sind und Zweifel erzeugen, sind in diesen Tagen eine ebenso große Gefahr, wie die Auswüchse der Egoisten, die wir aus Berlin, München, Leipzig oder Düsseldorf kennen. Und Weihnachten ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

Christoph Kühnemund

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek – Unser Leitartikel: <br/>Irgendwas wird schon helfen

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